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Krötenwanderung: Wie viel teurer dürfen private Krankenkassen werden?

Kolumne von Anke Henrich

Es ist wieder so weit: Rund acht Millionen Deutschen schenkt die Private Krankenversicherung (PKV) gerade K.O.-Tropfen ein. Die Kassen erhöhen die Beiträge für 2010 - zum Teil um 20 Prozent. Und das ist längst nicht das Ende der Fahnenstange, warnt WirtschaftsWoche-Reporterin Anke Henrich.

Anke Henrich: Krötenwanderung
Anke Henrich: Krötenwanderung

Allianz, Axa, Central, Debeka, Deutscher Ring; DKV - das Alphabet läßt sich abarbeiten an Hand der privaten Krankenkassen, die gerade wieder ihre Beiträge für das kommende Jahr erhöht haben. Glückwunsch dem, der in einem Tarif steckt, der nur um fünf Prozent teurer wird. Andere PKV-Kunden müssen bis zu 20 Prozent mehr überweisen. Nicht zu vergessen: Das gilt auch für die jährliche Eigenbeteiligung.

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Über die Teuerungsgründe muss nicht lang lamentiert werden: Alle werden älter, alle nehmen sämtliche technischen Fortschritte in der Medizin dankbar an, wenn es ihnen ernsthaft schlecht geht.

Die Frage bleibt aber: Dürfen die Kassen auf den Schlag derart erhöhen? Sie dürfen. Die Vorgabe lautet, die Erhöhung muss auf Grundlage der amtlichen Kalkulationsverordnung berechnet und von einem unabhängigen Treuhänder genehmigt worden sein.

Versicherte, die daran zweifeln, können sich kostenlos an den Ombudsmann der PKV (www.pkv-ombudsmann.de) wenden. Doch Vorsicht: So hilfreich diese Schlichtungstselle auch bei anderen Streitfragen ist, der Ombudsmann kann in diesem Fall nicht mehr machen, als besagtes Prozedere formal prüfen. Ist das eingehalten, muss überwiesen werden.

Wem die PKV das Haushaltsbudget zu sprengen droht, der kann beim eigenen Anbieter womöglich downsizen, also seinen Tarif abspecken und für weniger Leistung künftig auch weniger zahlen.  

Anbieterwechsel kaum möglich

Denn der erste Versicherten-Reflex "Dann wechsele ich eben in eine andere private Krankenkasse" ist wenig hilfreich. Inzwischen kann zwar dank Gesundheitsreform leichter als früher gewechselt werden, denn die Kunden dürfen wenigstens einen Teil ihrer beim ersten Anbieter jahrelang vom eigenen Geld angesparten Altersrückstellungen mitnehmen. Aber diese Summe fällt erschreckend niedrig aus, denn ihr liegt nicht der individuelle womöglich teuer bezahlte Tarif zu Grunde, sondern der magere Basistarif der Versicherungen.

Es bleibt also dabei: Bis auf wenige Ausnahmen - z.B. durch Arbeitslosigkeit - gibt es kaum ein Entrinnen aus der Privaten Krankenversicherung zurück zu den gesetzlichen Kassen oder in eine billigere PKV. Eine Ehe läßt sich leichter trennen.

Daran denkt nur kaum einer, wenn er auf die verführerisch niedrigen Kosten in den Einsteigertarifen reinfällt.

Über die Jahre wird es teurer. Das ist so sicher wie die Grippe im Herbst.   

18 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.12.2009, 15:06 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Die GKV könnte sehr viel billiger sein, wenn denn die sog. forschenden Pharmaunternehmen nicht jeden Mist hier zu Mondpreisen auf den Markt bringen könnten und die Kassen das automatisch bezahlen müssten.

    Nur ein beispiel: Ein deutsches Pharma-Markenunternehmen hat eine Generika-Tochtergesellschaft gegründet, die in Deutschland herstellt, aber ausschließlich in NL vermarktet. Dort kostet ein im ach-so-teuren Deutschland hergestelltes Medikamen 1/7 des Preises in Deutschland.

    Herr Rösler, wenn sie im Sinne der FDP Markt wollen, dann fordern sie Markt - und gehen endlich gegen die Preiskartelle der Pharmariesen vor!

  • 03.12.2009, 17:37 UhrAnonymer Benutzer: BS

    @Hägar Schmidt: Der Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt im Jahr 2010 genau 558,75 EURO monatlich (beitragsmessungsgrenze: 45.000 EURO pro Jahr, beitragssatz: 14,9 %). Wie kommen Sie auf 800 EURO? bei einer Vernunftentscheidung sollte man die Fakten nicht komplett ausblenden.

  • 03.12.2009, 17:15 UhrAnonymer Benutzer: cash cow

    @bS: Sie haben dankenswerterweise ein ganz wichtiges Stichwort erwähnt: WETTbEWERb. Den gibt es - wgen der restriktiven Wechselpolitik - praktisch nicht!
    beim Strom, dessen Kosten für den Normalhaushalt unter der Wahrnehmungsgrenze liegen, wird lang und breit lamentiert, reguliert, bürokratisiert um mehr Wettbewerb zu schaffen (weil der an den Tankstellen ja auch zu so sehr unterschiedlichen Preisen führt).
    Aber beim um ein Vielfaches höheren Kostenblock "Krankheit" gibt es keinen Ansatz für Wettbewerbsfreundlichkeit.
    Mein Rezept: Was beim deutschen Liebling, dem Auto, seit Jahrzehnten perfekt klappt, könnte doch auch bei unserer Gesundheit klappen: Versicherungspflicht für Grundversorgung (=Haftpflicht), freiwillige schier grenzenlose Höherversicherung ("Kasko, Mobilitätsgarantie"), alles ausschließlich von privaten Versicherern (oder würden Sie ihr Auto beim Staat versichern ...?), Tarife nach Risikogruppen. So einfach gings.

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