Kurssturz: Sorge um Solar Millenniums Finanzen

Kurssturz: Sorge um Solar Millenniums Finanzen

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Solaranlage im kalifornischen Cramer Junction. Die US-Regierung hatte grünes Licht für ein riesiges Solarkraftwerk ähnlicher Bauart in der kalifornischen Mojave-Wüste gegeben. Der Erlanger Kraftwerksbauer Solar Millennium, der das Projekt federführend mit Beteiligung des US-Ölkonzerns Chevron entwickelt, hatte angekündigt, bei dem geplanten Großkraftwerk in Kalifornien noch einmal ganz von vorne beginnen zu müssen.

Das Erlanger Solar Unternehmen kommt nicht zur Ruhe. Nach dem drastischen Kurssturz der vergangenen Woche sorgen sich Anleger um mögliche Finanzprobleme.

Der Glaube an die Erfolgsaussichten von Solar Millennium ist in der vergangenen Woche zusammengebrochen. An der Börse straften Anleger die Aktie um 70 Prozent ab. Sie wollen nun nur noch rund vier Euro für eine Solar-Millennium-Aktie zahlen. Anfang 2010 stand die Aktie noch bei mehr als 40 Euro. 

Ein Mix aus operativen Problemen, schlechten Finanzdaten und überraschenden Personalabgängen hat vergangene Woche auch die wackersten Optimisten enttäuscht. So muss Solar Millennium beim geplanten Vorzeigeprojekt im kalifornischen Blythe kurzfristig die Technik komplett umstellen und das Projekt daher neu planen. Der Finanzvorstand ist nach nicht einmal anderthalb Jahren von Bord gegangen und  hat nicht einmal den Halbjahresabschluss unterzeichnet. Und dann fielen diese am vergangenen Freitag vorgelegten Halbjahreszahlen auch noch katastrophal aus. Aktionäre bangen nun nur noch um rund 50 Millionen Euro Börsenwert, Anleihezeichner haben dem Unternehmen hingegen 190 Millionen Euro anvertraut. Die Zeichner stecken fest in den Schuldscheinen, die ganz überwiegend nicht börsennotiert sind, und sorgen sich um mögliche Finanzprobleme.

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Anlass dazu gibt der jüngste Halbjahresbericht. Das Gesamtergebnis in diesem Zeitraum fiel mit minus 45 Millionen Euro tiefrot aus. Das Eigenkapital schrumpfte um mehr als ein Drittel auf nur noch 83,4 Millionen Euro.

Die Situation ist "herausfordernd"

Kurzfristig hat Solar Millennium aber auch Liquiditätssorgen. Laut Halbjahresbericht befindet sich Solar Millennium "in Gesprächen mit namhaften Investoren für eine mittel- bis langfristige Finanzierungslösung". Bis diese gefunden ist, müsse "von einer Erhöhung des Liquiditätsrisikos ausgegangen werden". Das "momentane Chance-Risiko-Profil" stuft selbst das Management als "herausfordernd" ein. Bislang wurde es immer als "ausgewogen" bezeichnet, vor Antritt von Kurzzeit-Chef Utz Claassen schloss das Management "existenzielle Risiken" gar noch aus. Davon ist nun keine Rede mehr.

Ein Blick in die Bilanz zeigt warum: Der Bilanzposten "Flüssige Mittel und Wertpapiere" beträgt nur noch 85,5 Millionen Euro, nach 115,9 Millionen Euro sechs Monate zuvor. Davon sind aber 39,4 Millionen Euro als Kreditsicherheiten bei Banken hinterlegt. Frei verfügbar wären demnach nur 46,1 Millionen Euro.

Langfristig bleiben Fragezeichen

Zudem muss Solar Millennium am heutigen Montag eine 2006 emittierte Anleihe über 20 Millionen Euro zurückzahlen. Dies werde "planmäßig erfolgen", versicherte eine Unternehmenssprecherin. Das Cash-Polster schmilzt so weiter zusammen. Vom Geschäftsjahr 2011/2012 an wird die Belastung noch deutlich steigen: Dann muss Solar Millennium Jahr für Jahr mehr als 40 Millionen Euro an Anleihezeichner als Zins und Tilgung zurückzahlen. Am Freitag fragte ein Analyst bei einer Telefonkonferenz zu den jüngsten Halbjahresdaten kritisch nach: "Bekommt Ihr Unternehmen eigentlich noch Kredite bei den Banken? Wie viel?" Solar Millennium Chef Christoph Wolff reagierte mit einem langen Schweigen, dann ein paar beschwichtigenden Floskeln. Noch während der Analysten-Telefonkonferenz rutschte der Aktienkurs kräftig ab.

Beim spanischen Solarprojekt Ibersol hat Solar Millennium zur Zwischenfinanzierung auf ein Darlehen über 39,6 Millionen Euro des Kooperationspartners Ferrostaal zurückgegriffen. Für das gleiche Projekt soll ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 185 Millionen Euro gewährt werden, das die Finanzlage immerhin etwas entspannen dürfte.

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