Kursverlauf: Milliardengrab T-Aktie

Kursverlauf: Milliardengrab T-Aktie

Der Kursverlauf der T-Aktie ist seit Jahren ein Trauerspiel. Die teuren Fehler aus den Boomjahren bis 2000 zerren am Kurs - Besserung ist nicht in Sicht.

„Die Deutsche Telekom wird zum ersten globalen Mobilfunkanbieter“, tönt Telekom-Vorstandschef Ron Sommer im Sommer 2000. Gerade hat der schillernde Chef des Ex-Staatsbetriebs die Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream vermeldet. 50,7 Milliarden Dollar – umgerechnet damals sagenhafte 56 Milliarden Euro – will Sommer für den kleinen US-Mobilfunker mit gerade mal 2,3 Millionen Kunden bezahlen. Aus heutiger Sicht ein irrsinniger Preis von mehr als 24.300 Euro pro Kunde. Doch im Internet- und Mobilfunkboom ticken die Uhren anders. Analysten hatten seit Langem einen größeren Zukauf in den USA gefordert; nur so werde die Telekom ein „Global Player“, und nur so sei sie langfristig überlebensfähig. Sommer will der Telekom mit Voicestream einen Anteil am schnell wachsenden US-Markt sichern. In Amerika sind Handys im Jahr 2000 längst nicht so weit verbreitet wie in Westeuropa; 220 Millionen potenzielle Handykunden verheißen einen riesigen Zukunftsmarkt. Die Telekom-Aktie steht da noch bei 50 Euro.

Weil der Voicestream-Kauf zum Teil mit Aktien bezahlt wurde, wurde er am Ende mit 39,4 Milliarden Euro dank des Kursdesasters beider Aktien nicht ganz so teuer. Doch die Kaufsumme, die Kosten der UMTS-Lizenzen-Versteigerung und andere teure Übernahmen wie die der britischen One2One 1999 drücken mit netto noch immer 38 Milliarden Euro Schulden auf die T-Bilanz – trotz des rigiden Sparkurses unter allen Sommer-Nachfolgern. Schlimmer noch: Auf dem Heimatmarkt bricht das Kerngeschäft weg. Kundenschwund und Serviceprobleme sorgen für massive Umsatz- und Gewinneinbußen vor allem im Festnetz. Mehr als eine halbe Million Kunden oder acht Prozent Umsatz verliert die Telekom hier pro Quartal. Beim Run auf die DSL-Marktanteile konzentrieren sich Wettbewerber wie Alice oder Arcor auf die lukrativen Ballungszentren, während die Telekom alle Regionen beliefern muss. Hinzu kommt: Wegen der fallenden Preise schrumpfen auch die Umsätze im Mobilfunk – trotz steigender Kundenzahlen. Aber auch im Ausland haben Konkurrenten wie Vodafone und Telefónica die Telekom inzwischen weit abgehängt. Mittlerweile haben vier Vorstandschefs den Konzern knapp 20-mal umstrukturiert und Zehntausende Stellen abgebaut – ohne dass die Trendwende in Sicht wäre. Die Hoffnungen auf ein florierendes US-Geschäft haben sich nur zum Teil erfüllt. Telekom-Chef René Obermann wird zwar nicht müde, die Wachstumsmöglichkeiten in den USA zu betonen. Doch das Engagement belastet die T-Aktie noch immer mehr, als es sie beflügelt. Mehrmals stellte der Telekom-Vorstand Voicestream schon auf den Prüfstand. Bisher endeten die Diskussionen noch jedes Mal mit einem Treueschwur für die US-Tochter, die im September 2002 in T-Mobile USA umgetauft wurde. Wie lange noch? Die USA gehören zwar nach wie vor zu den fünf am schnellsten wachsenden Mobilfunkmärkten auf der Welt. Doch die Position der Telekom ist schwach. Mit einem Nettozuwachs von 3,6 Millionen Kunden stieg T-Mobile USA zu der am schnellsten wachsenden Auslandsgesellschaft der Telekom auf. Doch das reicht nicht. Mit 28,7 Millionen Kunden ist T-Mobile knapp acht Jahre nach dem teuren Voicestream-Kauf noch immer nur der viertgrößte landesweit operierende Mobilfunkanbieter in den USA. Die beiden Marktführer Verizon Wireless (65,7 Millionen Kunden) und AT&T Wireless (70,1 Millionen Kunden) liegen uneinholbar an der Spitze und profitieren unter anderem davon, dass sie (anders als T-Mobile) auch im Festnetz aktiv sind und Kunden Komplettpakete mit schnellen Internet-Anschlüssen anbieten können.

Anzeige

Um die Marktposition zu stärken flossen immer wieder Milliardensummen über den Atlantik. Während die Telekom in Europa Sparprogramme auflegte, konnte die US-Tochter aus dem Vollen schöpfen. Der Erwerb weiterer Mobilfunklizenzen kostete rund fünf Milliarden Euro; in den Netzausbau flossen seit der Übernahme über zehn Milliarden Euro; und für den Kauf des kleinen Konkurrenten SunCom machte Obermann im September 2007 noch einmal 1,6 Milliarden Euro locker. Das Kundenwachstum schlägt sich nicht wie erhofft in der Bilanz nieder. Auf Dollar-Basis konnte T-Mobile den Umsatz in den USA zwar um 12,6 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar steigern. Doch die anhaltende Schwächephase des Dollar führt dazu, dass nach der Umrechnung in Euro nur ein Zuwachs von 3,3 Prozent blieb. Im laufenden Geschäftsjahr wird es noch schwerer, Umsatzwachstum zu generieren. Auf dem US-Mobilfunkmarkt tobt seit der Immobilienkrise mit nachfolgendem Konsumrückgang ein heftiger Preiskampf, der im vierten Quartal 2007 den Durchschnittsumsatz pro Kunde um zehn Prozent auf 35 Euro einbrechen ließ.

Hat die T-Aktie endlich Kaufniveau? Der Sektor scheint im aktuellen Krisen-Umfeld nicht unattraktiv, und der Kundenschwund der Telekom im deutschen Festnetz soll sich inzwischen immerhin verlangsamt haben. T-Chef René Obermann rechnet für 2008 mit einem neuerlichen Umsatz-Minus von vier bis sechs Prozent nach je acht Prozent 2007 und 2006; 2010 soll der Aderlass dann gestoppt werden. Ein Kauf der Aktie drängt sich dennoch nicht auf. Wer sich in Telekom-Werten engagieren will, findet bessere Aktien, etwa die profitablere Telefónica.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%