Leerverkaufsverbot: Imponiergehabe gegenüber Spekulanten

KommentarLeerverkaufsverbot: Imponiergehabe gegenüber Spekulanten

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Er ließ den Handel mit ungedeckten Derivaten verbieten.

von Hauke Reimer

Die Politiker lassen auf ihre Drohungen erste Taten folgen. Die Finanzaufsicht BaFin hat ungedeckte Leerverkäufe verboten. Aber was bringt das Verbot des Handels von ungedeckten CDS? Ein Kommentar von Hauke Reimer.

Den finsteren Politiker-Drohungen gegen Spekulanten, die Euro und Mitglieder der Währungsunion angeblich in die Knie zwingen wollen, folgen erste Taten. Die EU-Finanzminister wollen Hedgefonds regulieren, und gestern um Mitternacht hat die Finanzaufsicht BaFin - ihr Dienstherr ist Bundesfinanzminister Schäuble - ungedeckte Leerverkäufe (Verkäufe von Aktien, die man weder besitzt noch sich vor Verkauf geliehen hat) auf die wichtigsten deutschen Finanzaktien sowie ungedeckte CDS auf Staatsanleihen der Eurozone verboten.

Viel bringen wird das Verbot nicht, der Verdacht, dass hier in erster Linie ein politisches Signal für Wähler und das eigene Parteivolk gesetzt wird, liegt nahe. Denn der CDS-Handel läuft nicht in Deutschland, sondern in London und New York. Das Verbot erreichte erst einmal das Gegenteil, von dem, was es bezwecken soll. Der Euro wurde nicht stabilisiert. Die Finanzmärkte sehen den deutschen Vorstoß als Signal dafür, dass die Lage der Euro-Zone noch gefährdeter ist, als sie ohnehin schon angenommen haben. Die Folge: der Euro schmierte schon gestern Abend weiter ab, unter die Marke von 1,22 Dollar, die CDS-Prämien von Deutscher Bank und Commerzbank gingen nach oben, signalisieren jetzt also mehr Risiko, und vielleicht auch ein kleines bisschen Angst vor mehr Regulierung.

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Braucht die Welt CDS?

Kommt drauf an. CDS (Credit Default Swaps) sind Derivate, mit denen sich Investoren gegen den Ausfall von Schuldnern (zum Beispiel Griechenland oder Deutsche Bank) versichern können. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wichtig wäre aber, dass Verkäufer die CDS mit Sicherheiten unterlegen müssen, bisher ist das noch nicht vorgeschrieben. So eine Vorschrift würde den Markt kräftig schrumpfen lassen, wie von der Politik gewünscht.

CDS können auch isoliert gehandelt werden, also dann, wenn man die Schuldpapiere, die man versichert, gar nicht besitzt. In diesem Fall spricht man von "ungedeckten CDS". Hier sind mit kleinem Einsatz hohe Gewinne möglich: Wenn sich zum Beispiel die CDS-Prämie gegen den Ausfall eines Schuldners von 1,0 auf 2,0 Prozent verdoppelt, so ist das für jemanden, der zum Beispiel Schuldpapiere über 100 000 Euro hält, eher unerheblich: Er zahlt für seine Versicherung statt 1000 jetzt 2000 Euro. Wer ungedeckt handelt, also kein Kapital in Anleihen investiert hat, und zuvor einen CDS für 1000 Euro gekauft hat, hat seinen Einsatz aber glatt verdoppelt.

Wenn viele Spekulanten dies tun, steigt die Nachfrage nach CDS und deren Kurs dazu. Stark gestiegene CDS-Prämien signalisieren auch, dass Investoren noch stärker an einen Ausfall des Schuldners Griechenland glauben. Der Schwanz CDS, glauben die Politiker, wedelt mit dem Hund, also den Euro-Staatsanleihen. Das will Berlin verhindern, deshalb das Verbot. Die Derivate sollen also nur noch an Käufer gehen, die wirtschaftliche Risiken absichern wollen. RWE dürfte etwa die Entwicklung des Kohlepreises absichern, die Lufthansa den Kerosinpreis oder ThyssenKrupp Eisenerz. Und Staatsanleihe-Besitzer ihre Staatsanleihe-Depots - damit wären CDS "gedeckt".

Die Argumentation hat allerdings zwei Haken.

Erstens: Den Nachweis, dass CDS-Prämien die Staatsanleihe-Renditen mit nach oben ziehen, hat noch niemand erbracht. Starke Zweifel sind angebracht: Sind Anleihebesitzer wirklich so einfach gestrickt, dass sie auf solche möglichen Fehlsignale vom kleinen CDS-Markt reagieren?

Zweitens: Damit Wertpapiere möglichst günstig und ohne große Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen gehandelt werden können, braucht es viel Liquidität, das heißt möglichst viele potenzielle Käufer und Verkäufer. Sperrt man, wie jetzt Berlin, die Spekulanten aus, wird deren Geld dem Markt entzogen. Wer Risiken absichern will, könnte dafür in Zukunft höhere Preise zahlen.

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