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Märkte brechen ein: Anleger zittern vor Schuldenchaos in Italien

von Ralf Drescher, dapd und dpa und Reuters Quelle: Handelsblatt Online

Die Sorge vor einem Sturz Italiens in die Schuldenkrise bringt die Märkte ins Wanken. Italienische Anleihen gehen auf Talfahrt, Bankaktien werden in Mailand zeitweise ausgesetzt. Und auch die Commerzbank-Aktie stürzt ab.

Italienische Euro-Münze: Ist das Land der nächste Krisenfall der Euro-Zone? Quelle: handelsblatt.com
Italienische Euro-Münze: Ist das Land der nächste Krisenfall der Euro-Zone? Quelle: handelsblatt.com

Die europäische Schuldenkrise nimmt wieder Fahrt auf. Die Furcht vor einem Übergreifen der Krise auf Italien hat die Märkte zu Wochenbeginn in neue Turbulenzen gestürzt. Die europäischen Aktienmärkte lagen den gesamten Tag im Minus und beschleunigten ihre Talfahrt am Nachmittag. Der Euro verlor fast 1,5 Prozent und die Zinsen für italienische Staatsanleihen stiegen auf Rekordwerte.

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Besonders heftig fielen die Reaktionen an der Mailänder Börse aus. Der Leitindex MIB-30 verlor am Nachmittag 4,5 Prozent auf 18,195 Punkte. Aktien der Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo wurden vom Handel ausgesetzt, nachdem sie die maximal zulässigen Tagesverluste überschritten.

Seit Freitag hat der Druck der Finanzmärkte auf Italien deutlich zugenommen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schiebt relativ zu seiner Wirtschaftsleistung einen so großen Schuldenberg vor sich her wie kaum ein anderes Land. Der italienische Staat sitzt auf einem Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes - der Zielwert in der EU ist 60 Prozent. Nur Griechenland ist mit 150 Prozent höher verschuldet.

Die Ratingagenturen Moody's sowie Standard and Poor's drohten bereits damit, das Land herabzustufen. Die Regierung hat Anfang des Monats daraufhin ein Sparpaket geschnürt, das die Ausgaben um 47 Milliarden Euro reduzieren soll. Das Parlament hat dem Paket noch nicht zugestimmt. Zudem zweifeln die Finanzmärkte an den Plänen, weil zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und seinem Finanzminister Giulio Tremonti, der das Haushaltsdefizit mit scharfen Einsparungen in den Griff bekommen will, Streit herrscht. Spekuliert wird, dass Berlusconi Tremonti loswerden will. Aber auch Gerüchte um einen Rücktritt machen die Runde, weil ein enger Vertrauter Tremontis in eine Korruptionsaffäre verstrickt ist.

"Der Sparplan ist glaubwürdig, aber die politischen Spannungen haben die Wirksamkeit seiner Botschaft verringert", sagte Fabio Fois von Barclays Capital. Giuliano Noci, Wirtschaftsprofessor an der HandelsschuleMIP der Polytechnischen Universität in Rom, zufolge führen die politischen Animositäten dazu, dass die Märkte Italien als "Risikoland" einstuften.

Panikverkäufe bei Bankaktien, Commerzbank stürzt ab

Sichtbar wird dies am Anleihemarkt: Die Kurse italienischer Staatsanleihen fielen am Montag den siebten Tag in Folge. Die Renditen für zehnjährige Staatspapiere, die sich gegenläufig zu den Kursen entwickeln, stiegen auf mehr als 5,5 Prozent, der Renditeabstand zu Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit erreichte einen Rekordwert von 2,85 Prozent. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf italienische Staatsanleihen verteuerten sich um mehr als 50 auf gut 300 Basispunkte. Damit müssen Anleger mehr als 300.000 Euro zahlen, wenn sie sich gegen den Ausfall eines Kredits über zehn Millionen Euro versichern wollen.

Am Mailänder Aktienmarkt kam es zu teils panikartigen Verkäufen. Besonders heftig waren die Ausschläge bei Bankaktien: Die Papiere von Unicredit setzten ihre Talfahrt vom Freitag unter hohen Schwankungen fort und wurden am Nachmittag vom Handel ausgesetzt, nachdem sie maximal zulässige Minus von zehn Prozent überschritten hatten. Auch Aktien vom Konkurrenten Intesa Sanpaolo wurden zwischenzeitlich nicht gehandelt.

Auch an anderen europäischen Börsenplätzen gerieten Finanzwerte unter die Räder. In Frankfurt brachen Commerzbank-Aktien um 8,6 Prozent ein und fielen auf 2,70 Euro. Die Papiere der Allianz gaben mehr als vier Prozent nach, die der Deutschen Bank verloren 3,5 Prozent. Der Dax rutschte zeitweise unter 7.200 Punkte und schloss mit einem Minus von 2,3 Prozent bei 7.230 Zählern. Auch die US-Börsen rutschten ab: Mit einem Minus von 1,15 Prozent auf 12.510 Punkte hielt sich der Dow Jones aber vergleichsweise gut.

Heftige Reaktionen gab es auch am Devisenmarkt: Der verlor am Nachmittag im Vergleich zur US-Währung in der Spitze mehr als 1,5 Prozent und fiel erstmals seit Mitte März wieder unter die Marke von 1,40 Dollar.

Gefragt waren dagegen sichere Häfen: Zum Schweizer Franken sank der Euro abermals auf ein Rekordtief. Ein Euro kostete nur noch 1,1695 Franken. Am Freitag war die Einheitswährung bei 1,1930 Franken aus dem Markt gegangen. Am Anleihemarkt stieg der Bund-Future um 154 Basispunkte auf 128,99 Punkte. Entsprechend sank die Rendite der zehnjährige Bundesanleihe auf 2,7 von 2,8 Prozent am Freitag. Der Goldpreis stieg zum ersten Mal über die Marke von 1.100 Euro je Feinunze und kletterte in Dollar auf 1.555 Dollar je Unze.

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