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Manager-Boni: Verlogenes Wehklagen der Banken

von Martin Gerth

Nach der Finanzkrise geloben die Banken Besserung bei ausufernden Managergehältern. Das ist aber nur die Oberfläche. Tatsächlich will jeder Vorstand die smarten, erfolgreichen Jungs, die Geld ins Haus scheffeln - auch wenn die viel kosten.

WirtschaftsWoche Redakteur Martin Gerth
WirtschaftsWoche Redakteur Martin Gerth

Der Streit um zu hohe Managergehälter erinnert fatal an die Fußball-Bundesliga. Außer den Spielern selbst halten fast alle die kickenden Millionäre für überbezahlt – zumindest öffentlich. Hinter verschlossenen Türen sieht es anders aus. Jeder Clubchef will die großen Stars in seinem Team, auch wenn er sie sich kaum leisten kann. Stars versprechen mehr Punkte und mehr Umsatz. Sind sie einmal eingekauft, versuchen die Vereine sie mit allen Mitteln zu halten. Angefangen von Punkte- und Torprämien bis hin zu lukrativen Werbeverträgen. Das ständige Wehklagen über zu teure Spieler ist kein Zeichen von Moral, sondern schlichtweg verlogen.

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Ende der Exzesse?

Ganz ähnlich sieht es in der Bankenszene aus. Öffentlich geloben die Geldhäuser nach der Finanzkrise Besserung. Klar, es habe einige Exzesse gegeben, damit sei aber jetzt Schluss. Das ist aber nur die Oberfläche. Tatsächlich will jeder Vorstand die smarten, erfolgreichen Jungs, die Geld ins Haus scheffeln - auch wenn die viel kosten. Da verwundert es kaum, dass die Finanzbranche versucht, die staatlichen Auflagen für Boni zu umgehen. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Mercer wollen in Europa 60 Prozent der Banken und Versicherungen die Grundgehälter ihrer Manager erhöhen. Gleichzeitig planen 100 Prozent, die jährlichen Boni zu senken.

Haftung für Aufsichtsräte

Sollte der Staat diese Hintertür schließen? Nein, denn es würde scheitern. Um gute Leute zu ködern, finden Banken und Versicherungen immer einen Weg. Zudem sollte der Markt und nicht die Regierung den Preis für Spitzenkräfte bestimmen. Viel wichtiger wäre es, dass die Regierung dafür sorgt, dass schlafmützige Aufsichtsräte stärker für aberwitzige Gehälter überforderter Manager haften müssen. Wer in der Bundesliga schwache Spieler teuer einkauft, muss schließlich auch seinen Hut nehmen.

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12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.01.2010, 10:35 UhrAnonymer Benutzer: scorpion

    Warum geben die Anleger nicht den Auftrag, nicht mehr bei Goldman Sachs, bOA etc zu ordern. Wenn die Umsätze sinken, sinkn die boni automatisch.
    Die bundesregierung könnte ihre Anleihen über andere AUSGEWàHLTE institute plazieren

  • 14.01.2010, 17:44 UhrAnonymer Benutzer: Brain Wash

    @ Martin Gerth - Über diese moralischen Nuancen sind die Zeitungen voll. Dass es zu diesen Praktiken kommen wird, war doch von Anfang an klar. Aber wo wird in den Medien über eine präventive Währungsreform und die Schaffung von speziellen bankguthaben mit 100%-iger Deckung diskutiert? Die Vermeidbarkeit künftiger staatlicher Rettungsprogramme ohne viel Regulierung ist absolut kein Thema in den Medien. Auch die massenhaften Abhebungen vor der Sparergarantie durch Angela Merkel war den Medien nicht mehr als eine Randnotiz Monate später wert. Der Trend ist also: weniger Journalismus, mehr Propaganda.

  • 14.01.2010, 15:57 UhrAnonymer Benutzer: martin gerth

    @brain wash
    Nur damit kein Missverständnis aufkommt: Verlogen ist der, der sich öffentlich als Moralapostel aufspielt, obwohl er intern die umstrittenen boni-Praktiken gut heißt, weil es für keine Alternative gibt.

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