Managergehälter: Weniger ist mehr - für die Aktionäre

KommentarManagergehälter: Weniger ist mehr - für die Aktionäre

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Das Auf und Ab der DAX-Kurve am Mittwoch (25.02.2009) in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.

Die Richtung stimmt: Die große Koalition knüpft die Manager-Vergütung an langfristigere Ziele. Die Aufsichtsräte müssen aber noch viel weiter gehen und dafür sorgen, dass gerade bei Banken nicht länger unsinnig hohe Gehälter und Boni gezahlt werden.

Branchenschelte übte gestern Dietmar Schmid, Vorstandsmitglied der BHF Bank. "Wenn ein mittlerer Investmentbanker eine Million Euro Bonus bekommt, dann stimmt doch etwas nicht an der Dimension", sagte Schmid, der den Bankenverband Hessen leitet, bei einer Podiumsdiskussion der "Börsen-Zeitung".

Die enormen Bezüge der Banker sind unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu dem, was Vorstandsmitglieder von Dax-Konzernen verdienen. "Wenn ein Vorstand bei Bayer drei bis vier Millionen Euro verdient, dann kann es nicht sein, dass ein 35-jähriger, talentierter Finanzingenieur eine Million Euro kriegt. Obwohl er kein Risiko hat, null." Das Beispiel sei noch niedrig gegriffen, viele Banker hätten fünf Millionen Euro bekommen, so Schmid.

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Das oft genannte Argument dafür läßt der Banker nicht gelten. "Wenn heute noch deutsche Vorstände sagen: Wenn wir weniger gezahlt hätten, dann hätten wir die Besten nicht bekommen, dann lache ich doch", sagte Schmid. "Die Besten, die sind doch Schuld an dieser Krise."

Der erfahrene Privatbankier Schmid hat völlig recht. Hunderte von Managing Directors bei Investmentbanken können ihre Gehälter von mehr als einer Million Euro kaum rechtfertigen - wenn man Ihre Verantwortung vergleicht mit der von Dax-Konzernvorständen.

Hier ist überbezahlt worden - zum Schaden der Aktionäre. Überhaupt sind die Auswüchse bei den Banken viel größer als in jeder anderen Branche. Investmentbanken haben zu Beginn des Jahrzehnts mehr als die Hälfte der Erträge an die Angestellten ausgeschüttet, schreibt der ehemalige Chef der Schroders-Investmentbank, Philip Augar, in seinem Buch "The Greed Merchants".

Er bezieht sich dabei auf eine Studie von Brad Hintz, heute Banken-Analyst bei Sanford Bernstein. Aktionäre sollten das nicht länger erlauben, denn die meisten Banker tragen nicht nur im Vergleich mit Vorstandsmitgliedern ein geringes Risiko - sondern auch im Vergleich zu den Aktionären. Die zahlen jetzt drauf, wenn sie Bankaktien hatten. Sie sollten daher in guten Zeiten auch den Großteil des Ertrags für ihre Zwecke beanspruchen. Die Politik kann den Aktionären helfen - denn bei der Interessenvertretung haben die eigentlich dafür zuständigen Aufsichtsräte jahrelang versagt. Wenn als Anreiz vergebene Optionen jetzt vier und nicht nur zwei Jahre gehalten werden müssen, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

Leider ist auch das noch nicht lang genug, um falsche Anreize bei Investmentbanken zu verhindern. Denn große Krisen treten alle fünf bis 20 Jahre auf, sagt der Risikomanagement-Experte Nassim Taleb. So könnten Banker weiter versucht sein, hohe Risiken in Kauf zu nehmen, um mit kurzfristigem Erfolg den Gewinn in die Höhe zu treiben - auch wenn einige Jahre später wegen der gewagten Spekulation das ganze Finanzsystem zusammenbricht. Der Bonus ist dann bereits kassiert.

Aufsichtsräte stärken

Dass der gesamte Aufsichtsrat über die Vergütung des Vorstands entscheiden soll, nicht nur ein Ausschuss, ist vor allem ein Signal.

Die Aufsichtsräte müssen endlich Ihre Verantwortung für die Aktionäre und das Unternehmen Ernst nehmen, besonders bei den Banken. "Die Aufsichtsräte müssen besser werden", sagte der ehemalige Chef der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS, Christian Strenger, bei der selben Podiumsdiskussion, auf der auch Schmid sprach. "Es ist Gottseidank in der Mache, dass die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank die Aufsichtsräte beaufsichtigen können", sagte Strenger, der Mitglied in der Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung ist; zu lange hätten zu wenig qualifizierte Aufsichtsräte über Banken gewacht. Hier muss noch viel mehr geschehen.Die Koalitionseinigung und die Stimmung in Frankfurt wecken die Hoffnung, dass diesmal etwas anders wird bei der Bezahlung, gerade von Investmentbankern. Bei den vorangegangenen Krisen, auch nach dem Platzen der Spekulationsblase bei Technologiewerten 2000, ist dagegen nichts passiert. Hoffentlich setzen die Aktionäre diesmal ihre Interessen durch: Denn weniger Managervergütung ist mehr, zum Beispiel bei der Dividende.

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