Managerhaftung: Aufsichtsräte bissiger als früher

Managerhaftung: Aufsichtsräte bissiger als früher

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Ex-Telekom-Chef Ricke. Schadenersatzforderungen finden Beifall der Aktionäre

Aufsichtsräte haben sich mit Klagen gegen ihre Vorstände bislang meist zurückgehalten. Doch nun leiten die Kontrolleure immer öfter juristische Schritte gegen ehemalige Manager ein - auch um selbst Ärger zu vermeiden.

Das Gesetz ist eindeutig: Aufsichtsräte sind verpflichtet, Schadensersatz einzufordern, wenn Vorstandsmitglieder Pflichtverstöße begangen haben. Allerdings halten sich die Kontrolleure mit juristischen Maßnahmen meist vornehm zurück.

Die Gründe für die Beißhemmung sind unterschiedlich: Häufig kennt man sich allzu gut, weil der aktuelle Aufsichtsratschef früher selbst Vorstandschef war. Oder die Aufseher fürchten selbst Schadensersatzforderungen, weil sie schlampig kontrolliert haben. In solchen Fällen ist es für sie besonders ratsam, stillzuhalten – schließlich könnten sich ins Visier genommene Vorstände rächen, indem sie brisante Details ans Licht bringen.

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Steigende Zahl von Aktionärsschützern und Berufsklägern macht Druck

Doch solche informellen Waffenstillstände sind nach der Finanzkrise schwerer durchzuhalten. Zu groß ist die öffentliche Wut über Boni-Banker und miese Manager, die einen Scherbenhaufen hinterlassen und trotzdem ein Vermögen verdient haben. Der Druck, den eine steigende Zahl von Aktionärsschützern und Berufsklägern ausübt, nimmt zu – und mit ihm das Risiko, dass untätige Aufsichtsräte in deren Visier geraten.

Um der wachsamen Öffentlichkeit keine Angriffsfläche zu bieten, leiten derzeit immer mehr Aufsichtsräte juristische Schritte ein. Amtierende Vorstände werden in der Regel noch geschont, dafür sehen sich Ex-Manager immer häufiger mit Schadensersatzforderungen konfrontiert. Für den Dammbruch sorgte im vergangenen Jahr Siemens: Der Konzern verklagte wegen des Schmiergeldskandals elf frühere Vorstände auf Schadensersatz. Die ehemaligen Top-Manager sollen pro Person zwischen einer Million und sechs Millionen Euro zahlen.

Der Ton wird schärfer

Aktionäre goutieren die härtere Linie. Die Deutsche Telekom etwa erlebte vor einigen Wochen eine erstaunlich unaufgeregte Hauptversammlung – kurz zuvor hatte der Konzern angekündigt, von Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und dem früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel je rund eine Millionen Euro Schadensersatz einzufordern, wegen Pflichtverstößen in der Spitzelaffäre.

Auch die kriselnde Solarfirma Conergy will den ehemaligen Vorstand um Konzerngründer Hans-Martin Rüter zur Kasse bitten. Der Aufsichtsrat empfiehlt den Aktionären, dem Altvorstand auf der Hauptversammlung am 10. Juni wegen unternehmerischer Fehlentscheidungen die Entlastung zu verweigern. Sollten Vergleichsgespräche mit den Ex-Managern scheitern, wollen die Kontrolleure klagen. Es geht vor allem um einen milliardenschweren Liefervertrag, bei dem nach Meinung der Aufseher viel zu schlechte Konditionen vereinbart wurden.

Auch Top-Banker sehen sich derzeit mit juristischen Schritten konfrontiert und sollen zumindest auf hohe Boni oder Pensionsansprüche verzichten. Doch viele von ihnen prozessieren dagegen. So weigert sich der frühere IKB-Chef Stefan Ortseifen, Tantiemen in Höhe von 805.000 Euro zurückzuzahlen. Zudem geht er gegen die fristlose Kündigung seines mit 500.000 Euro pro Jahr dotierten Vertrags vor, der noch bis 2012 gelaufen wäre. Auch der ehemalige Hypo-Real-Estate-Vorstandschef Georg Funke und mehrere Investmentbanker der Dresdner Bank sind vor Gericht gezogen.

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