Marktausblick: "Billiges Geld verleiht Asien Glanz"

Marktausblick: "Billiges Geld verleiht Asien Glanz"

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Mikio Kumada

von Heike Schwerdtfeger

Mikio Kumada, seit 2002 Senior Market Analyst für das Fondsmanagement der LGT Capital Management, über die wirtschaftlichen Aussichten Asiens, Europas und der USA. Der gebürtige Japaner arbeitet und wohnt in Singapur.

Herr Kumada, Sie leben in Singapur und arbeiten für das Fondsmanagement einer traditionsreichen Bank, die dem Fürstenhaus in Liechtenstein gehört. Ist Asien Europa tatsächlich überlegen, wie es häufig heißt?

Europa geht gegenwärtig durch eine turbulente Zeit, braucht sich aber keineswegs zu verstecken. Von außen betrachtet habe ich manchmal den Eindruck, dass die Europäer zu pessimistisch in die Zukunft sehen. Ich denke, dass man hier trotz mancher Probleme auch im globalen Maßstab sehr gut aufgestellt ist.

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In Asien dagegen ist nicht alles Gold, das glänzt. Dort wurde in den vergangenen Jahren mit viel billigem Geld vordergründig eine Menge geschaffen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob dies immer nachhaltig ist. Wenn man an der Oberfläche kratzt, dann erkennt man, dass der Glanz mitunter reichlich schnell verschwindet. Dies hat zum Teil auch mit der Mentalität der Menschen zu tun. Insbesondere in China sind manche eher am schnellen Geld als am substanziellen Erfolg interessiert. Zudem bietet gerade China  viel Potenzial für interne Konflikte und politische Herausforderungen. Dies gilt aufgrund des großen Selbstbewusstseins der Volksrepublik auch für die Außenbeziehungen.

Was sind denn Ihrer Meinung nach die Stärken Europas?

Natürlich hat auch Europa seine Herausforderungen. Insgesamt erwarte ich hier allerdings überwiegend positive Überraschungen. Am Aktienmarkt ist die Bewertung der Unternehmen moderat, die Länder sind aktionärsfreundlich, die Unternehmen breit und global aufgestellt und die EU-Länder-Finanzen sind nicht ungesünder als die der USA oder Japan.

Der amerikanische Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin hat vor einiger Zeit ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Europa, Du hast es besser“. Darin preist er Europa als Zukunftsmodell. Viele seiner Gründe sind nachvollziehbar. So verfügt Europa nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und sozial über eine hohe Stabilität. Die Teilhabe unterschiedlicher sozialer Schichten sowie ein guter Bildungsstand sind grundsätzlich gewährleistet. Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle und fördern die Innovation auf einem der vielleicht wichtigsten Zukunftsfelder. Das alles sollte in der Tat optimistisch stimmen.

Mit der griechischen Krise hatte der Pessimismus aber einen neuen Höhepunkt erreicht, begleitet auch von Schadenfreude anderer Wirtschaftsregionen. Doch in Wahrheit hatte Europa Glück, dass ein relativ kleines Problem wie Griechenland die Union zwang, die längst überfällige fiskalische Einheit und Disziplin endlich in Angriff zu nehmen. Erstmals handelte auch die EZB wie eine echte Zentralbank, die sich um ihren Währungsraum kümmert. Europa kann nicht mehr so tun, es würde es nicht existieren. Vor lauter Bäumen sehen viele Europäer den Wald nicht mehr: Europa ist global sehr gut aufgestellt, um im kommenden Jahrzehnt in jeder Hinsicht zu glänzen.

China ist für Europa die Konjunkturlokomotive. Kann das Land die hohen Erwartungen langfristig erfüllen?

Kurzfristig wird die Volksrepublik die Rolle als internationale Konjunkturlokomotive nicht übernehmen können. Chinas Leistung im derzeitigen Umfeld wird überschätzt. Noch ist die Binnennachfrage das Problem. Die Kaufkraft der Chinesen ist noch nicht so stark, dass sie mit den USA oder Europa konkurrieren kann. Geschweige denn deren Ausfälle kompensieren kann. Oft wird mit der Zahl der Chinesen argumentiert. Aber von den 1,2 Milliarden Chinesen haben gerade einmal 300 Millionen Chinesen aus den urbanen Gebieten eine nennenswerte Konsumkraft. Die reicht aber nicht an die der Amerikaner oder Europäer heran.

Wichtig für die Chinesen ist es, die Einkommen der  breiten Bevölkerung langsam aber beständig anzuheben. Nur so kann Kaufkraft entstehen. Erste Anzeichen dazu sind bereits erkennbar.

Dieses Jahr erfreuen Aktien die Anleger. Was kommt nach der aktuellen Herbstrally?

Nach der Krise kommt die Erholung, nach der Erholung die Stabilisierung und nach der Stabilisierung das Wachstum. Der Ablauf ist immer ähnlich und auch in dieser Krise nicht anders. Ich glaube, dass die USA unterschätzt werden und sehe den Markt derzeit positiv. Die Aufräumarbeiten durch die Immobilienkrise gehen weiter und es gibt durchaus gute Konjunktursignale. So sind die Importe stark gestiegen, was für eine gestiegene Inlandsnachfrage spricht. Konsum und Investitionen nehmen zu. Die Nachfrage wird sich weiterhin stabilisieren. Natürlich wird das ausufernde Handelsbilanzdefizit mittel- bis langfristig zu strukturellen Problemen in der Volkswirtschaft führen. Vorerst interpretiere ich diese Entwicklung jedoch positiv, weil es eine Normalisierung der amerikanischen Inlandsnachfrage darstellt, die die Unternehmensgewinne stützt.

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