Milliardenbetrug: Madoff-Skandal schädigt deutsche Anleger - Seite 3

Milliardenbetrug: Madoff-Skandal schädigt deutsche Anleger

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Christopher Cox: Der Chef der Quelle: AP
Christopher Cox: Der Chef der US-Aufsichtsbehörde SEC steht massiv unter Druck. Politiker argwöhnen, die Aufseher würden vor allem kleine Gauner hetzen, vor Wall-Street-Ikonen wie Madoff aber zurückschrecken. Jetzt steht die Existenz der Behörde auf dem Spiel Quelle: AP

Anlegeranwalt Walter Späth von der Kanzlei Rohde & Späth in Berlin ist allerdings skeptisch, was die Erfolgsaussichten solcher Klagen angeht: "Anlageberater müssen die von ihnen empfohlenen Fonds zwar genau prüfen. Aber dass es bei Madoff nicht mit rechten Dingen zugeht, hat ja nicht einmal die SEC gemerkt“, so Späth. Deshalb sei es fraglich, ob deutsche Gerichte Pflichtverletzungen von Beratern konstatieren. Ähnliches gelte bei Vermögensverwaltern und Dachfonds-Managern, die das Geld ihrer Kunden in Madoff-Vehikel investierten.

Aussichtsreicher könnten laut Späth Sammelklagen in den USA sein, etwa gegen die SEC. "Wir prüfen derzeit, ob es für deutsche Anleger Sinn macht, sich einer solchen Klage anzuschließen.“ Der Vorteil einer US-Sammelklage: Anleger können in Ruhe abwarten, bis sie anläuft und sich dann anschließen – anders als in Deutschland müssen sie nicht selbst klagen.

Die Aufsichtsbehörden in Luxemburg und Irland, der deutsche Fondsverband und auch die vielen Dachfondsmanager haben sich auf die Depotbanken eingeschossen. Sie wünschen sich insgeheim eine rasche Klärung und möglichst auch eine rasche Entschädigung, damit die Sache vom Tisch kommt. HSBC müsste die Fonds Herald und Thema abwickeln, die verschwundenen Gelder ersetzen und bitte auch noch zügig. "Es geht doch um einen Betrag um die eine Milliarde, den HSBC locker tragen könnte“, meint ein Fondsmanager.

HSBC ist die Beteiligte mit dem bekanntesten Namen und dem größten Imageschaden, neben den Wirtschaftsprüfern von PwC oder Ernst & Young, die die Fonds geprüft haben. Keiner von ihnen äußert sich derzeit zu dem Fall. Rechtsanwalt Thomas Paul hat bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass der Weg über die Depotbank Erfolg versprechend sein könnte. Die Bank muss nur den Preis eines Fondsanteils berechnen und prüfen, ob die im Namen des Fonds durchgeführten Geschäfte zu marktüblichen Kursen erfolgt sind. "Die Depotbank muss weder die Zweckmäßigkeit noch die Werthaltigkeit einzelner Anlagen prüfen“, sagt Paul.

Verklagt werden könnte auch der österreichische Staat

Auch wenn sie wenig bewirken: Ordentlich bezahlen lassen sich sowohl Wirtschaftsprüfer als auch Depotbanken – aus dem Fondsvermögen der Anleger. Hochgerechnet auf das gesamte Publikumsfondsvolumen in Deutschland von 578 Milliarden Euro, dürfte den Depotbanken bei einer üblichen Vergütung von 0,1 Prozent des Fondsvolumens über eine halbe Milliarde Euro jährlich zufließen. Die Wirtschaftsprüfer, die etwa 0,05 Prozent des Fondsvolumens kassieren, bekommen jährlich gut 250 Millionen Euro – verdammt viel Geld für ein bisschen Abhaken.

Verklagt werden könnte auch der österreichische Staat, der inzwischen die Bank Medici seiner Kontrolle unterstellt hat. Anders als Deutschland hat Österreich im Fall eines Versagen seiner Finanzaufsicht eine Staatshaftung nicht ausgeschlossen. Das wäre eine gute Nachricht für Anleger.

Auf hohe Zahlungen von Entschädigungseinrichtungen in den USA sollten Investoren jedoch nicht bauen. Zwar ist das Brokerhaus von Madoff Mitglied der US-Einlagensicherung. Diese hält aber nur 1,6 Milliarden Dollar bereit, um Anleger zu entschädigen, die Wertpapierorders über einen Broker abwickeln, der in die Pleite rutscht. Das dürfte für die Madoff-Ansprüche kaum reichen. Zudem ist fraglich, ob die Depotbanken der Fonds oder die Bank Medici zu Anspruchsberechtigten der Entschädigungseinrichtung gehören. Denn grundsätzlich entschädigt sie nur Investoren, die direkt bei Madoff Kunden waren.

Im Hauptquartier der SEC in Washington und in den vom Madoff-Skandal betroffenen Regionalbüros läuft jetzt die größte interne Untersuchung, die die US-Regierungsbehörde je erlebt hat. David Kotz, der mit der Untersuchung beauftragte Generalinspekteur der SEC, will herausfinden, ob an irgendeiner Stelle die Weitergabe von wichtigen Informationen über Madoff unterdrückt worden ist.

Die Untersuchung richtet sich auf "Kontakte zwischen SEC-Mitarbeitern und ihr Verhältnis zur Madoff-Familie und Firma sowie dem Einfluss, wenn es einen gegeben hat, auf Entscheidungen innerhalb der SEC“, verkündete SEC-Chef Christopher Cox düster.

Die Agentur kämpft um ihre Reputation und vielleicht sogar ums Überleben. Politiker argwöhnen, die Aufseher würden vor allem die kleinen Gaunern hetzen, vor Wall-Street-Ikonen wie Madoff aber zurückschrecken. In zahlreichen Untersuchungen, die die Aufseher bei Madoff im Laufe der Jahre durchführten, stellten sie ihm einen Persilschein aus – trotz konkreter Hinweise, Madoff betreibe "das weltgrößte Schneeballsystem“.

Offiziell mag sich bei der SEC zu der laufenden Untersuchung und dem Fall Madoff niemand äußern. Doch viele Behördenmitarbeiter fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Natürlich ist da was falsch gelaufen“, sagt ein Mitarbeiter eines Regionalbüros, „doch das ist schon schizophren: Niemand in der Hedgefonds-Branche wollte, dass wir Madoff genauer unter die Lupe nehmen. Alle sagten, sie seien erfahrene Investoren, sie könnten Risiken selbst am besten einschätzen. Jetzt aber zeigen sie mit dem Finger auf die SEC.“

Deren Ex-Chef Arthur Levitt verweist darauf, dass "seit 2002 die Zahl der Investmentberater – solche wie Madoff Securities – um 50 Prozent gestiegen ist“, während die Ressourcen der SEC gekürzt wurden. Investoren, die mit Madoff Geld verloren haben, werden sich davon nicht besänftigen lassen. Die 61-jährige Rentnerin Phyllis Molchatsky aus New York, die fast zwei Millionen Dollar mit ihrem Madoff-Investment verloren hat, reichte schon vor Weihnachten eine Schadensersatzklage ein – gegen die SEC, denn bei Madoff ist nichts mehr zu holen.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.01.2009, 18:52 UhrAnonymer Benutzer: Uwe Scharfenberg

    ich(Deutscher in Österreich lebend) habe ca 80.000 € in Greisinger-Fonds (balance+Classic) für meine Altersversorgung angelegt. Welche Möglichkeiten gibt es, mich Geschädigten anzuschließen?Vertrauen in Depotb.+ Fi-berater ist gestört. Wer ist mein Ansprechpartner? Vielen Dank.
    Die Artikel sind sehr informativ, besser die spärlichen informationen
    hier in Österreich.

  • 26.01.2009, 13:34 UhrAnonymer Benutzer: Jane

    Daß dieser Anbieter [Superfund, die Redaktion] äußerst unseriös ist, zeigen schon die dem Anleger abgezwackten Gebühren. So fallen zb für das Superfund b index Zertifikat an:
    4 % Ausgabeaufschlag, 1% "Strukturierungsgebühr" und 0,125 %
    Verwaltungsgebühr pro Quartal für das Zertifikat sowie 0,5 %
    Managementgebühr pro Monat (!) und 30 % (!!!) Gewinnbeteiligung
    p.a. im Kleingedruckten heißt es : Eine investition in Superfund-Finanzprodukte ist miterheblichen Risiken verbunden. Auch der Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen
    werden. (Das gilt ausdrücklich auch für Goldzertifikate, wo ja zumindest ein gewisser Materialwert verbleiben müßte.) Gerhard Schröder hat vor 3 Jahren für diese Firma bei einer Werbeveranstaltung eine (bezahlte) Rede gehalten. Das ist ebenso unfassbar wie die grenzenlose Dummheit der Anleger, die sich von solch Angeboten über den Tisch ziehen lassen.

    [Aus rechtlichen Gründen war die Redaktion gezwungen, den Kommentar zu kürzen.]

  • 22.01.2009, 22:38 UhrAnonymer Benutzer: rf

    Sollte dieser einmalige Fall für die Anleger in einem Verlust enden, kann man nur daraus folgern, was einmal möglich ist - kann auch mehrmals vorkommen. Resultat, einer Anlage in investmentfonds ist aus Sicherheitsgründen abzuraten.
    Die HSbC als Depotbank hat für ihre Tätigkeit gutes Geld erhalten, ebenso die Wirtschaftsprüfer. Nachdem Sie ihrer Sorgfaltspflicht nicht gerecht geworden sind, sollte Sie zumindest genügend "Eier in der Hose" haben den Schaden zu begleichen.
    Der imageschaden den die branche zu verzeichnen hat, sollten auch nicht betroffenen investmentgesellschaften zum
    Anlass nehmen gegen die HSbC vorzugehen. Langfristig werden auch Sie einen Vertrauensverlust verzeichnen.

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