Milliardenverluste: Stampede der Desperados bei Bank of America und Citigroup

KommentarMilliardenverluste: Stampede der Desperados bei Bank of America und Citigroup

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Andreas Henry

von Andreas Henry

Nicht Goldman Sachs mit seinen Milliardengewinnen, sondern Bank of America und Citigroup mit ihren immer noch gigantischen Verlusten spiegeln das wahre Bild über den Zustand des US-Bankensektors wider. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Korrespondent Andreas Henry.

Heute am späten Nachmittag wird die Federal Deposit Insurance Corporation FDIC mit größter Wahrscheinlichkeit bekannt geben, welche Bank in den USA sich mit dem wenig rühmlichen Titel der 100.

Bankpleite in diesem Jahr schmücken darf. Momentan stehen wir bei Nummer 98. Was in der Provinz kleine Regionalbanken umwirft, erschüttert an der Wall Street einige der ganz Großen bis ins Mark.

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Am Freitag morgen gab die Bank of America, gemessen an Spareinlagen und Kundenzahl das größte Geldinstitut des Landes, überraschend schlechte Ergebnisse bekannt - ein Verlust von einer Milliarde Dollar im dritten Quartal, oder 26 Cent je Aktie.

Analysten hatten mit einem Verlust von nur sechs Cent gerechnet. Vor einem Jahr hatte die Bank, deren Zentrale nicht an der Wall Street sondern in Charlotte, im Bundesstaat North Carolina liegt, noch rund 1,2 Milliarden Dollar verdient.

Goldman profitiert von den Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise

Anders als etwa die Investmentbank Goldman Sachs, die in dieser Woche erneut positiv überraschen konnte, spiegelt Bank of America wie Citigroup, die mit ihrem Ergebnis in dieser Woche auch enttäuschte, den wahren Zustand der US-Wirtschaft wider.

Goldman profitiert von den Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise und den seit sechs Monaten anziehenden Börsenkursen. Bank of America leidet dagegen extrem unter der mittlerweile auf 9,8 Prozent gestiegenen Arbeitslosigkeit und der finanziell angespannten Situation, unter der Millionen amerikanische Familien leiden.

Die Bank ist der größte Kreditkartenanbieter des Landes, hohe Abschreibungen auf Kreditkartenschulden, mit denen sich viele Amerikaner total übernommen haben, belasten das Ergebnis.

Ebenso drückt die nach wie vor kritische Lage auf dem Immobilienmarkt das Ergebnis nach unten.

Denn  trotz umfangreicher und von der Regierung geförderter Bemühungen, überschuldeten und finanziell überforderten Hausbesitzern eine Umfinanzierung  zu ermöglichen, liegt die Zahl der Zwangsversteigerungen weiter auf einem unerträglichen Niveau. Hinzu kommen steigende Ausfälle bei gewerblichen Krediten, denn die Zahl der Insolvenzen von insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen nimmt konjunkturell bedingt ebenfalls zu.

Bank of America-Chef Ken Lewis, der vor wenigen Tagen dem wachsenden öffentlichen Druck nachgab und zum Ende des Jahres ausscheiden wird, hatte mitten in der Finanzkrise auf Expansion und riskante Übernahmen gesetzt.

Zuerst kaufte er mit Countrywide einen der größten Hausfinanzierer des Landes, dessen Altlasten jetzt mühsam in der Bilanz verdaut werden müssen. Und dann schlug er Hals über Kopf und mitten während der wildesten Turbulenzen der Finanzkrise bei der Investmentbank Merrill Lynch zu, einem der größten Spieler im Markt mit den heute als toxisch verdammten Verbriefungen, den so genannten Collateralized Debt Obligations (CDO).      

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