Mitarbeiter-Boni: Bonus-Verzicht jenseits der Banken

Mitarbeiter-Boni: Bonus-Verzicht jenseits der Banken

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Streichungen von Boni und Zusatzleistungen

Streichungen von Boni und Zusatzleistungen treffen längst nicht nur Investmentbanker. Wo Unternehmen kürzen dürfen, wo Arbeitsrichter mauern.

Der Boni-Streit eskaliert: Der erste Ex-Manager der Investmentbank Dresdner Kleinwort hat in der vergangenen Woche deren neue Muttergesellschaft Commerzbank verklagt, ihm Boni in Millionenhöhe auszuzahlen. Weitere Klagen stehen bevor. Dresdner-Alteigentümerin Allianz hatte in die Bonusvereinbarungen der Banker eine Klausel schreiben lassen, nach der der Vorstand die Sonderzahlungen bei schlechter Ertragslage kürzen oder völlig streichen kann. An dieser Klausel entzündet sich der Streit.

Weniger Widerstand dürfte Oswald Grübel erwarten. Der neue UBS-Konzernchef kündigte kurz nach Ostern an, dass seine Banker eine Reihe von Privilegien verlieren werden. Fitnessclub-Mitgliedschaften auf Bankkosten, Generalabonnements für Bahnfahrten und Gratis-Firmenparkplätze soll es künftig für Mitarbeiter der Schweizer Großbank nicht mehr geben.

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Die Kürzungen bei den von der Finanzkrise gebeutelten Banken bilden nur die Spitze des Eisbergs: Die Finanzkrise zwingt Unternehmen aller Branchen zu rigorosen Sparprogrammen – auch die ersten Adressen der deutschen Industrie. So will Autobauer Daimler in diesem Jahr zwei Milliarden Euro Personalkosten einsparen. Heidelberger Druckmaschinen beabsichtigt 5000 von 20.000 Jobs abzubauen, und beim Autozulieferer Continental stehen 1900 Arbeitsplätze auf der Streichliste. Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand beziffert die Zahl der 2009 bei kleinen und mittleren Betrieben gefährdeten Jobs auf 250.000. In den deutschen Banken, so eine aktuelle Studie der Hessischen Landesbank, dürften zehn Prozent der insgesamt 685.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Schlagzeilenträchtige Entlassungen sind aber nur ein Mittel, um Kosten zu sparen. Bei Mitarbeitern, die sie halten wollen, prüfen Unternehmen, in welchem Umfang noch freiwillige Leistungen eingedampft werden können. Nach einer Umfrage des Deutschen Führungskräfteverbandes im März dieses Jahres befürchten 63 Prozent der Manager in Deutschland Einbußen bei Gehalt und Boni.

Nicht garantierte Boni zuerst

Bevorzugt gehen Unternehmen zunächst den Weg des geringsten Widerstands und kappen freiwillige Leistungen wie nicht garantierte Boni, Dienstwagen, Kantinenzuschüsse, Betriebsrenten oder Weihnachtsgeld. So ersparen sich die Betriebe langwierige Verhandlungen mit der Belegschaft über einen Gehaltsverzicht – und kostspielige Arbeitsrechtsverfahren.

Damit sich Rotstiftaktionen auch intern verkaufen lassen, gehen Spitzenmanager freiwillig voran. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und UniCredit-Boss Allessandro Profumo etwa verzichten dieses Jahr auf Boni. Alan Mullaly, Vorstandsvorsitzender des angeschlagenen Autobauers Ford, stimmte einer Kürzung seines Grundgehalts für dieses Jahr um 30 Prozent zu. Commerzbank-Chef Martin Blessing hat gar keine Wahl: Weil der Staat bei der nach der Übernahme der Dresdner ins Schlingern geratenen Bank eingestiegen ist, wird sein Gehalt laut Gesetz auf 500.000 Euro gedeckelt.

Blessing wird das verschmerzen können. Für Tausende Fach- und Führungskräfte, die nicht schon mal Millionen verdient haben, sind die wegen Finanzkrise und Rezession drohenden Einschnitte dagegen nicht leicht zu verkraften. Wer kann schon leichten Herzens auf das 13. Gehalt verzichten, wenn das Geld für die Hypothek aufs Eigenheim verplant war?

Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und das Arbeitsrecht setzen Einschnitten vonseiten der Unternehmen allerdings Grenzen. Wo die liegen, ist weitgehend unbekannt. Die WirtschaftsWoche beantwortet daher die wichtigsten Fragen rund um betriebliche Sparprogramme.

Lassen sich Bonuszahlungen nachträglich kürzen?

Grundsätzlich gilt: Boni und ähnliche Vergütungen darf der Arbeitgeber nicht einseitig für das laufende Jahr kürzen. In der Regel ist dies nur für das kommende Jahr möglich. Boni, die an den Geschäftserfolg des Unternehmens – zum Beispiel an das Erreichen bestimmter Gewinn- oder Umsatzziele – gekoppelt sind, fallen automatisch weg, wenn das Unternehmen in der Krise Verluste macht.

Zahlungen, die garantiert wurden, um Mitarbeiter zu halten – wie im Fall Dresdner Kleinwort –, lassen sich dagegen nicht rückwirkend ändern. Gleiches gilt für Sonderzahlungen, die fällig werden, wenn ein Manager individuelle Ziele erreicht. Bei der Postbank beispielsweise ist nur ein Teil der Boni für Führungskräfte an den Geschäftserfolg geknüpft. Selbst wenn ein Unternehmen insgesamt Verluste schreibt, könnten also bei individuellem Erfolg Boni fällig werden.

Für kommende Geschäftsjahre hätten Arbeitgeber die Möglichkeit, Bonusregelungen im Einvernehmen zu ändern oder eine Änderungskündigung auszusprechen. Eine Änderungskündigung erlaubt das Arbeitsrecht aber nur, wenn die Alternativen Massenentlassungen oder die Pleite des Unternehmens wären. Die Aussicht auf lange Arbeitsrechtsprozesse lässt die Arbeitgeber in der Regel vor Änderungskündigungen zurückschrecken.

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