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Multimillionäre: Große Vermögen in der Krise

von Stefan Hajek, Yvonne Esterházy (London), Andreas Henry (New York) und Christof Schürmann

In der Finanzkrise aber haben sich viele Multimillionäre verspekuliert. Wie die großen Vermögen Krisen überstehen, wer Millionen im Crash verlor, welche Lehren Privatanleger daraus ziehen können.

Thomas und Andreas Strüngmann Quelle: dpa
Thomas und Andreas Strüngmann (hier mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf Laborvisite): Der Einstieg bei Conergy brachte den Hexal-Gründern ein herbes Minus von 94 Prozent Quelle: dpa

An einem kalten, grauen Dienstagmorgen, kurz vor Weihnachten, wird ein knappes Dutzend deutscher Superreicher schlagartig um einige Hundert Millionen Euro ärmer. Otto Happel gehört zu ihnen, der streitbare Ex-Chef des Bochumer Gea-Konzerns, der seine Anteile an dem Anlagenbauer 1999 für 1,5 Milliarden Euro verkaufte, seitdem eine eigene Seychellen-Insel besitzt und zu den 300 reichsten Menschen der Erde gehört. Marcel Brenninkmeyer ist betroffen, Spross der Warenhausdynastie C&A, aber auch Leute mit selbst erworbenem Vermögen, wie Andreas und Thomas Strüngmann, die Gründer des Arzneimittelunternehmens Hexal.

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Was zu der Vermögensvernichtung führte, klingt banal: Ein ostdeutscher Solarzellen-Hersteller hatte eingeräumt, dass seine Umsatz- und Gewinnprognosen für 2008 und 2009 wohl doch nicht ganz zu halten seien. Nichts Ungewöhnliches eigentlich – in Zeiten der Finanzkrise fast schon Alltag. Aber indem sie die Solarbranche erreichte, zerstörte die Krise eine der letzten Investment-Storys, auf die Anleger bis zuletzt gehofft hatten. Die Krise könne vielleicht doch nicht überall zuschlagen, es müsse doch trotz allem noch langfristig gesunde Investments geben – so dachten und hofften viele. Entsprechend verheerend fiel die Reaktion der Börse aus. Binnen weniger Minuten stürzte der Kurs des Marktführers Q-Cells um 20 Prozent. Die Bitterfelder rissen die ganze Branche mit; am Ende des Tages notierten fast alle Solarwerte gut 15 Prozent tiefer, seit Beginn der Finanzkrise haben viele der einstigen Hoffnungsträger schon 90 Prozent an Wert verloren.

Superreiche investieren in Sonnenfirmen

In die Sonnenfirmen hatten Superreiche in den vergangenen Jahren wie in keine andere Branche investiert. C&A-Erbe Marcel Brenninkmeyer taufte seine eigens dafür geschaffene Investmentfirma Good Energies. Diese steckte das Geld der Familie in mehr als zehn verschiedene Solarfirmen, darunter Q-Cells. Gea-Erbe Happel beteiligte sich über sein Investmentvehikel Leemaster am Q-Cells-Konkurrenten Conergy, genau wie Ex-Tchibo-Chef Dieter Ammer und die Strüngmann-Zwillinge. Wella-Erbe Immo Ströher hält ein größeres Aktienpaket am Branchenkollegen Solon.

Als Trost bleibt den prominenten Investoren, dass sie mit der Solarbranche in eine Zukunftsindustrie investiert haben. Irgendwann dürften ihre Beteiligungen auch wieder mehr wert sein als heute. „Wichtig ist vielen auch, dass sie das Gefühl haben, ihr Geld sinnvoll und moralisch wertvoll investiert zu haben“, sagt ein Berater, der einem deutschen Milliardär "Denkanstöße" für neue Investitionen gibt.

Daneben dominiert das Motiv, das Vermögen in sehr langfristige Anlagen zu stecken, um das Erbe für die häufig sehr große Familie zu bewahren. Die Reichen streuen über den ganzen Globus, kaufen Wälder in Kanada, Farmen in Australien und Gold. Bei vielen aber brennt hin und wieder eine Sicherung durch: Sie übernehmen sich mit Krediten, fallen auf dubiose Hedgefonds-Manager wie den 50-Milliarden-Dollar-Pleitier Bernie Madoff rein oder verspekulieren sich schlicht. Adolf Merckle, Selfmade-Milliardär aus Blaubeuren, leidet gerade unter einer missglückten Wette auf fallende Kurse der VW-Stammaktien. Während Merckle mit Aktiendeals und immer neuen Krediten für HeidelbergCement sein Lebenswerk aufs Spiel setzte – der Zementhersteller steht nun möglicherweise ebenso auf der Verkaufsliste wie der von Merckle gegründete Pharmariese Ratiopharm und der ebenfalls zu dessen Holding gehörende Pharmagroßhändler Phoenix –, verloren andere Millionen, hielten aber, wann immer sie spekulierten, ihre Kernunternehmen außen vor. Günther Fielmann etwa verlor Millionen mit der Aktie des Hamburger Veranstaltungstechnikers Procon, sein Brillen-Imperium aber ist unbeschadet. Stefan Quandt ging mit seinen Investments in Logistikfirmen baden, wer aber 17 Prozent am Autobauer BMW hält, dürfte dies verschmerzen können.

Erfolge bleiben die Ausnahme

Kursverlauf der Evotec-Aktie
Falscher Zeitpunkt: Kursverlauf in Euro seit Ersteinstieg des Investors (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Nicht alle Börsengeschäfte der Superreichen gehen daneben. Erfolgreich ist Bernardino Branca, Spross der italienischen Magenbitter-Dynastie, der das Erbe der Familie in einem eigenen Hedgefonds verwaltet. Auch Opel-Erbe Georg von Opel liegt mit seinen Investments in Schweizer Immobilien- und Handelskonzerne im Plus.

Solche Erfolge aber bleiben die Ausnahme. „Viele wohlhabende Leute haben seit Beginn der Finanzkrise schon mehr als 50 Prozent ihres Vermögens verloren“, sagt der Multimillionär und Vermögensverwalter Marc Faber aus Hongkong. Seit er den Börsencrash von 1987 vorhersagte, schmückt den gebürtigen Schweizer der Beiname Investmentguru.

Joachim Paul Schäfer, einer der dienstältesten Vermögensbetreuer für reiche Privatleute, schätzt die Verluste in deutschen Wohlhabenden-Depots seit Sommer 2007 auf „durchschnittlich 30 Prozent“. „Damit ist schon jetzt klar, dass die aktuelle Krise viel tiefere Wunden in großen Familienvermögen hinterlassen wird, als die letzten vier, fünf Rezessionen zusammen“, so Schäfer, „manche seit Generationen gewachsenen Vermögen sind ähnlich bedroht wie zuletzt in der Hyperinflation der Zwanzigerjahre oder in der Depression.“

Wie aber kann das sein? Galten die Reichen nicht immer als die besseren Anleger? Schließlich können sie sich die besten Berater leisten und haben erstklassige Kontakte in die Spitzen von Politik und Wirtschaft. Sie gehen bei den nobelsten Privatbanken in Genf und Zürich ein und aus; ihnen stehen die besten und daher sehr wählerischen Risikokapital- und Hedgefonds offen.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.01.2009, 19:39 Uhrbuster82

    Wenn das die Führerin wüsste.
    Nach dem Lesen dieses Artikels habe ich der Kanzlerin unverzüglich einen brandbrief geschickt und sie aufgefordert unverzüglich einen "Milliardärsschutzschirm" zu errichten.

    Zum Start sollten 50 Milliarden Euro reichen. Außerdem übernimmt der Staat (=Steuerzahler) Ausfallbürgschaften in unbegrenzter Höhe.

    Gegenfinanziert wir das Ganze durch eine Kürzung der HartziV Sätze um 60%. Schon mein Großvater wusste: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" Außerdem hat ein Ossiprof schon vor Monaten wissenschaftlich bewiesen, dass diese unnütze brut bestens mit 100.00 Euro im Monat über die Runden kommt.

    Außerdem habe ich der Kanzlerin vorgeschlagen, den Spitzensteuersatz auf sagen wir mal 25% zu senken und die Mehrwertsteuer auf 45% zu erhöhen.

    ich hoffe sehr, dass die Regentin den Millionären beherzt in ihrem Elend unter die Arme greift.

  • 07.01.2009, 12:24 UhrMarkus von Bergen

    in der Kriese kann man auch gewinnen, habe mein Fondsdepot zum freien Fondsvermittler PROfinance-direkt übertragen, der die Anleger an den Provisionen der Fondsgesellschaften beteilgt, ein echt guter Tipp. http://www.profinance-direkt.de

  • 07.01.2009, 10:22 UhrHarry Gambler

    in New York wird ein anderes Kapitel von Macht und Tod geschrieben
    Die neoliberale Schule und ihre Apologeten haben den imperialismus in den 80 Jahre der Welt als ein Problem der Globalisierung verkauft. Als die Nomenklatura unterging, war nicht nur den neuen Zaren die Finanzwelt Tür und Tor geöffnet, sondern in den alten Demokratien haben sich die Herrscher über Geld und Macht ein persönliches Netzwerk gesponnen, das dem der Familie Merckle* ähnlich war. Nicht irgendwelche Hedgefondsmanager auf den bahamas haben die blasen an den börsen produziert, sondern unter anderem auch eine gestandene Persönlichkeiten wie der Familienpatriarch Merckle oder eben ein Wedekind. Wenn es um Macht und Geld geht, gelten andere Spielregeln, als wenn beamte und Politiker Landesbanken ruinieren.
    Merckle ist an dieser Grausamkeit der persönlichen Diffamierung genauso gescheitert wie der französische Milliardär Thierry Magon de la Villehuchet** im Madoff-Sumpf. Merckle hat sich vor einen Zug geworfen, Thierry Magon nahm, sich das Leben auf fast eben so grausame Weise, er hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Merkmale, die auf einen Kurzschlussreaktion ............Onlinezeitung24

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