Musterrechnung: Wie lange reicht Ihr Vermögen im Pflegefall?

Musterrechnung: Wie lange reicht Ihr Vermögen im Pflegefall?

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Pflegebedürftige Patientin, Zivildienstleistender

von Anke Henrich

Die Musterrechnung gibt Auskunft darüber, wie lange Rentner sich betreutes Wohnen leisten können, wenn sie eine Immobilie verkaufen.

Eine verwitwete Rentnerin von 75 Jahren verkauft ihre Eigentumswohnung und zieht in ein großzügiges Ein-Zimmer-Appartement mit betreutem Wohnen. Die Dame denkt vorausschauend: Weil beide Söhne weit entfernt leben, überschlägt sie auch, falls nötig, wie viel Pflege sie sich aus ihrem Einkommen in den nächsten Jahren würde leisten können. Ihre monatlichen Einkünfte: 800 Euro Witwenrente plus 400 Euro aus ihrer privaten Rentenversicherung macht 1200 Euro im Monat, bei dem bisherigen mietfreien Wohnen kam sie damit gut zurecht. In der Musterrechnung wird bei beiden Renten eine jährliche Steigerung von einem Prozent angesetzt, das entspricht dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Ihr Vermögen: Die Seniorin verkauft ihre hypothekenfreie Eigentumswohnung für 170.000 Euro. 150.000 Euro davon investiert sie in einen 20 Jahre lang laufenden Entnahme-Plan bei einer Bank. 20.000 Euro legt sie auf die hohe Kante. Das heißt: Sie überweist der Bank die 150.000 Euro, die legt das Geld für sie an und bis zu einem von ihr bei Beginn der Laufzeit angegebenen Endalter bezieht sie daraus eine monatliche Auszahlung.

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Kleine Erbschaft dank Restwert

Ihr Kapital wird von der Bank jährlich mit drei Prozent verzinst, zwei Prozent Inflation (entspricht dem Schnitt der vergangenen 15 Jahre) und eine so erhöhte Auszahlung sind einkalkuliert. Ihre Lebenserwartung: Laut Statistischem Bundesamt hat die Dame mit 75 Jahren noch eine Lebenserwartung von 12,34 Jahren – sie würde demnach gut 87 Jahre alt werden. Bei einem Auszahlungsplan über 20 Jahre hat die 75-Jährige also noch acht Jahre Puffer beziehungsweise die Söhne könnten sich über eine kleine Erbschaft dank des Restwertes freuen.

Ihr neues Einkommen setzt sich so zusammen: 800 Euro Witwenrente, 400 Euro private Rente, 693 Euro monatlich aus dem Auszahlplan – ergibt im Jahr 2010 rund 1900 Euro. Damit liegt sie weit über dem statistischen Durchschnitt für Frauen. Ihre Gesundheit: Bis zu ihrem 80. Lebensjahr bezahlt sie im betreuten Wohnen für Miete, Mittagstisch und kleinere Serviceleistungen 1000 Euro im Monat. Ihr Geld reicht gediegen aus. Im 80. Lebensjahr braucht sie mehr Hilfe, sie zieht um in das Altenheim, das der Anlage fürs betreute Wohnen angeschlossen ist. Der Medizinische Dienst der Krankenkasse gesteht ihr die Pflegestufe 1 zu. Für die Kosten der Pflege und die Zahlungen aus der Pflegeversicherung werden die aktuellen Kosten der Caritas zugrunde gelegt, bei den Kosten wird eine Steigerung von 2,5 Prozent jährlich unterstellt, bei den Zahlungen aus der Pflegekasse eine Erhöhung von 1,5 Prozent pro Jahr. Bislang stiegen die Kosten immer schneller als die Zuzahlung.

Es bleibt weniger als ein Taschengeld

In der Zeit vom 80. bis zum 84. Geburtstag entstehen für sie Pflege- und Unterkunftskosten von 2810 Euro im Monat, davon trägt die staatliche Pflegeversicherung 1100 Euro. Bleibt ein monatliches Minus von 1710 Euro. Ihre Einnahmen liegen dank des jährlich erhöhten Auszahlungsplans jetzt bei 2050 Euro (Witwenrente, Privatrente, Entnahmeplan). Ergebnis: Das Geld reicht, wenn auch nicht für große Sprünge. Vom 84. bis zum Ende des 86. Lebensjahres braucht sie schon die Pflegestufe 2. Angepasst an die Kosten- und Einkommenssteigerungen bedeutet das für die alte Dame: 3500 Euro Pflegekosten minus 1450 Euro Zahlungen aus der Pflegeversicherung macht eine Unterdeckung von 2050 Euro im Monat. Ihre Einkünfte liegen bei rund 2160 Euro. Ergebnis: Ihr bleibt monatlich weniger als ihr Enkel Taschengeld bekommt.

In ihrem letzten Lebensjahr ist sie so krank, dass sie Pflegestufe 3 benötigt. Dann entstehen ihr Kosten von 4474 Euro, die Pflegeversicherung trägt 1760 Euro. Die Lücke ist 2715 Euro groß, ihre Einkünfte betragen 2200 Euro. In den letzten zwölf Monaten ihres Lebens fehlen ihr 6180 Euro, die ihre Kinder tragen müssen. Hat sie den Entnahmeplan so abgeschlossen, dass sie vorzeitig an ihr Geld kann, ist das kein Problem. Wenn sie zu Gunsten einer höheren Rendite darauf verzichtet hat schon. Fazit: Obgleich alle Annahmen zu Kostensteigerung, Pflegeversicherung, jährlicher Rentenerhöhung und Kapitalverzinsung auf dem statistischen Durchschnitt der vergangenen Jahre beruhen und die alte Dame mit ihren Einkünften über dem Durchschnitt liegt, reichen sie für ihre statistische Lebenserwartung nicht aus.

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