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Nach Atomausstieg: Ökoaktien im Höhenflug – Versorgerwerte abgeschlagen

von Reuters und dpa und Laura de la Motte Quelle: Handelsblatt Online

Die Bundesregierung hat ihren Plan für den Atomausstieg vorlegt. Weil sie an der Brennelementesteuer festhält, leiden die Aktien der Kraftwerksbetreiber - Solar- und Windwerte dagegen schießen hoch. VON LAURA DE LA MOTTE

Anleger von Versorger-Aktien sind enttäuscht. Quelle: handelsblatt.com
Anleger von Versorger-Aktien sind enttäuscht. Quelle: handelsblatt.com

Der von der Regierungskoalition geplante Atomausstieg bis 2022 hat am Montag die Nachfrage nach erneuerbaren Energiewerten angeheizt. Im TecDax schnellten die Aktien des Windturbinenherstellers Nordex um über elf Prozent nach oben, der Solaranlagenbauer Q-Cells gewann mehr als sieben Prozent. Der Ökodax, ein Index aus zehn Titeln aus dem Bereich regenerative Energien, verteuerte sich um rund sechs Prozent. Im Gegenzug verloren die Aktien der Versorger RWE und Eon rund zwei Prozent.

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Wind- und Solaraktien profitierten bereits kurz nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima. Titel wie Nordex schossen 30 Prozent in die Höhe, Q-Cells sogar 75 Prozent, zwischenzeitlich jedoch fielen alle Papiere wieder auf das Niveau von vor dem Unglück. Besonders Solarwerte leiden derzeit unter der Subventionskürzung in Deutschland und der wachsenden Konkurrenz aus China. Entsprechend verhalten sind die Ausblicke der Analysten für die Branche. Nur zwei von 31 Analysten empfehlen laut Nachrichtenagentur Bloomberg Q-Cells gerade zum Kauf, bei Nordex ist es einer von 15, bei Roth & Rau einer von 16. Lediglich Solarworld und Centrotherm schneiden bei den Analysten besser ab.

Die Bundesregierung hatte nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima acht deutsche Meiler vom Netz genommen und angekündigt, die im vergangenen Jahr beschlossene Laufzeitverlängerung noch einmal zu überdenken. Am Sonntag Abend nun wurde das Ergebnis der Diskussionen bekanntgegeben. Nach den Plänen der Koalition sollen die acht älteren Atomkraftwerke - inklusive Krümmel - vom Netz bleiben. Sechs weitere Meiler sollten bis spätestens 2021 vom Netz gehen, die drei neuesten AKW dann 2022, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Anschluss an die Nachtsitzung. Der Prozess sei unumkehrbar. "Es wird keine Revisionsklausel geben." An der Brennelementesteuer werde man nichtsdestotrotz festhalten.

Festhalten an Brennelementesteuer enttäuscht Anleger

Die Aktien von Versorgern belastet der Kompromiss: "Der Ausstieg bis 2022 sollte den Markterwartungen entsprechen", schrieb Bernhard Jeggle, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), in einer Kurzanalyse "Eine negative Kursreaktion ist eher darauf zurückzuführen, dass einige Marktteilnehmer mit einer Abschaffung der Brennelementesteuer gerechnet hatten und nun enttäuscht werden."

Mitte letzter Woche noch hatten sich Unionspolitiker für eine Abschaffung der Brennelementesteuer stark gemacht. Prompt schossen die Aktien der beiden großen Energieunternehmen RWE und Eon nach oben. Heute jedoch trennten sich enttäuschte Anleger von den Papieren. Bis zum Mittag wurde RWE mit einem Abschlag von 2,4 Prozent und Eon 1,7 Prozent unter den jeweiligen Schlusskursen von Freitag gehandelt. Sebastian Zank, Analyst bei Silvia Quandt Research, erklärte: "Vor allem die finanziellen Belastungen durch die Brennelementesteuer werden vom Markt wohl negativ gesehen, da ja nach 2022 kein zusätzlicher Cash Flow durch Atomstrom generiert wird."

Der Kurs von RWE markierte heute mit 40,08 Euro seinen tiefsten Wert seit Dezember 2004. Eon notiert mit 19,68 Euro nur noch wenig über seinem Tiefpunkt während der Finanzkrise im März 2009. Seit dem Unglück in Fukushima verloren die Papiere jeweils über 15 Prozent ihres Wertes.

Analyst Zank geht davon aus, dass die Aktien deutscher Versorger auch in nächster Zeit unbeliebt bleiben werden. Damit teilt er die Meinung der Mehrheit der von der Nachrichtenagentur Bloomberg ausgewerteten Analysten. Derzeit empfehlen 21 Experten die RWE-Aktie zum Verkauf, zwölf sagen "halten" und neun raten zum Kauf. Etwas optimistischer ist das Bild bei Eon: Hier raten 15 Analysten momentan zum Kauf, 18 empfehlen "halten" und neun "verkaufen".

"Vor weiteren finanziellen Einzelheiten und der Abstimmung im Bundesrat behalten wir unsere vorsichtige Einschätzung zu den deutschen Versorgern bei", sagt Michael Schäfer, Analyst bei Equinet. Markus Huber, Händler bei ETX Capital dagegen gibt sich bereits optimistisch: "Die Versorger sollten von höheren Strompreisen profitieren können, die in der zweiten Jahreshälfte erwartet werden.", sagt er.

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