Nasdaq gehackt: Cyber-Kriminelle an der Wall Street

KommentarNasdaq gehackt: Cyber-Kriminelle an der Wall Street

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wiwo-Redakteurin Angela Hennersdorf

von Angela Hennersdorf

Angriffe aus dem Netz werden zur Bedrohung für das Finanzsystem – zu verhindern sind sie kaum. Ein Kommentar von Angela Hennersdorf.

Eigentlich warten hier in New York ja alle auf die nächsten Enthüllungen von Wikileaks. Bislang Fehlanzeige. Stattdessen attackieren Hacker die Wall Street, das Herz des weltweiten Finanzhandels.

Die Cyber-Kriminellen drangen in das Computersystem der US-Börse Nasdaq ein – schon im Dezember, wie erst jetzt bekannt wurde. Die Angreifer hatten es auf die Online-Plattform „Directors Desk“ der Nasdaq abgesehen. Auf dem Desk tauschen Nasdaq-notierte Unternehmen Informationen über geplante Übernahmen oder über Geschäftszahlen aus. Mit solchen Insider-Infos lassen sich Millionen verdienen. Die Cyber-Krieger hätten sich auf der Plattform aber nur „umgeschaut“ und keinen Schaden angerichtet, heißt es offiziell.

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Das Handelssystem der Technologiebörse war wohl nicht von der Attacke betroffen, aber die Amerikaner nehmen die Cyber-Attacke sehr ernst. Neben der Bundespolizei FBI untersucht auch der US-Geheimdienst Secret Service die Attacke. Die Börsenaufsicht SEC und das Weiße Haus seien informiert. Schließlich gehört die Börse New York zur wichtigen nationalen Infrastruktur so wie etwa Energienetze. Wenn der Börsenhandel aus Sicherheitsgründen gestoppt werden müsste, würde dies viel Unruhe in die Finanzmärkte tragen.

Auszuschließen ist so ein Szenario wohl nicht. In den vergangenen Wochen erst stahlen Hacker in Europa CO2-Zertifikate im Wert von 45 Millionen Euro. Sie gelangten durch gefälschte Nachrichten an sensible Daten wie Benutzernamen und Passwörter – im Fachjargon wird diese Methode Phi-shing genannt. So brachten sie Zertifikate illegal an sich und verkauften diese weiter. Der komplette Emissionshandel wurde daraufhin gestoppt.

Die Cyber-Angriffe sind ein harter Rückschlag für Europas Klimapolitik. Für sie ist der Emissionshandel eine tragende Säule. Die Hacker hatten bei dem Angriff Sicherheitslücken in den nationalen Systemen mehrerer europäischer Länder genutzt. Auch ins Netz der Nasdaq drangen die Cyber-Krieger über Sicherheitslücken im System ein. Die Schlupflöcher seien nun gestopft, so die Nasdaq.

Hilfloser Aufruf

Seit Ende vergangener Woche ist der Handel mit CO2-Zertifikaten in Deutschland und in vier weiteren Staaten wieder aufgenommen worden, nachdem die EU mit Berichten über neue Sicherheitsvorkehrungen zufrieden war. In anderen Mitgliedstaaten könnte das noch länger dauern.

Bleibt die Frage, wie lange die nächste Cyber-Attacke auf sich warten lässt? Auf der 47. Sicherheitskonferenz in München jedenfalls war das Thema Internet-Sicherheit zum ersten Mal Schwerpunkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel drang auf einen internationalen Pakt gegen Cyber-Angriffe.

Doch so ein Aufruf zeigt nur, wie hilflos die nationalen Regierungen den Cyber-Kriminellen ausgeliefert sind. Wochen nach der Attacke auf die Nasdaq hat auch der US-Geheimdienst noch keine heiße Spur von den Eindringlingen.

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