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Neue Regelungen: Zertifikate im Schlussverkauf

von Von Ralf Drescher Quelle: Handelsblatt Online

Der deutsche Markt für Derivate steht vor einer wichtigen Zäsur: Bis Ende Juni können Anleger noch steuerfrei in Zertifikate und Optionsscheine investieren. Danach werden Steuern fällig. Experten warnen bereits vor Panikäufen.

Derivate im Angebot: Wer günstig investieren will, muss sich beeilen. Quelle: dpa
Derivate im Angebot: Wer günstig investieren will, muss sich beeilen. Quelle: dpa

FRANKFURT. Nur noch gut zwei Wochen bleiben Anlegern, die sich mit Zertifikaten oder Optionsscheinen steuerfreie Gewinne sichern wollen. Grund ist die Sonderregelung des Gesetzgebers für Zertifikate. Danach unterliegen sämtliche Erträge aus Papieren, die seit Mitte März 2007 gekauft wurden, bereits dann der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Soli-Zuschlag, wenn sie über den 30. Juni 2009 hinaus gehalten werden.

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Als Konsequenz können Anleger nur noch bis Ende Juni - genauer gesagt bis spätestens 27. Juni (siehe "Teure Verzögerungen") - steuerfrei in Derivate investieren. Bei einem späteren Einstieg fällt entweder die Abgeltungsteuer an, oder die Erträge unterliegen dem persönlichen Einkommensteuersatz, weil der Verkauf innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist erfolgt. Weil für andere Anlageformen wie Aktien oder Investmentfonds die Abgeltungsteuer erst ab Anfang 2009 greift, befürchtet die Derivate-Branche für das zweite Halbjahr dieses Jahres ein Absatztief bei den meisten Zertifikatetypen, ehe ab Januar wieder Chancengleichheit herrscht. Einzig Garantiezertifikate, die künftig sogar steuerlich bessergestellt werden, dürften sich dem entziehen.

Umso mehr hoffen die Emittenten zumindest auf einen kleinen Steuerschlussverkauf in den kommenden Wochen. Experten raten allerdings von übereilten Käufen ab: "Für Zertifikate ist der Zug aus meiner Sicht abgefahren", sagt die Münchener Steuerberaterin für Kapitalanlagen, Birgit Hosemann. "Wer hier bisher noch nicht investiert ist, braucht jetzt auch nicht aus steuerlichen Überlegungen einzusteigen." Schließlich schiebe der Anleger die Steuerproblematik nur vor sich her. Im Juni 2009 habe er dann einen doppelten steuerlichen Zwang: den zum Verkauf und den zur Wiederanlage. "Wer langfristig anlegen will, sollte sich lieber im Herbst hinsetzen und ganz in Ruhe die für ihn optimalen Wertpapiere auswählen", rät Hosemann.

Für Anleger, die ihr Geld mit einem klaren Zeithorizont von einem Jahr investieren wollen, kann es hingegen durchaus sinnvoll sein, jetzt noch Zertifikate zu kaufen, etwa als Alternative zu kurzfristigen Zinsanlagen. Petra Becher, Derivate-Spezialistin der UBS, sieht aktuell beispielsweise gute Einstiegsmöglichkeiten bei sogenannten Deep Discountern. Anleger kaufen hier eine Aktie oder einen Aktienindex mit einem hohem Abschlag von 50 Prozent und mehr auf den aktuellen Kurs. Im Gegenzug ist die maximale Rendite durch eine Kursobergrenze (Cap) limitiert, die ebenfalls deutlich unter dem aktuellen Niveau liegt. Bei einem Discounter auf den Dax mit Cap bei 2 000 Punkten und Laufzeit bis Juni 2009 winkt Anlegern zurzeit eine Rendite von knapp 5,5 Prozent. Wählt man einen höheren Cap bei 5 000 Punkten, sind sogar steuerfreie 7,7 Prozent drin.

Wer es riskanter mag, findet in der aktuellen Marktsituation auch zahlreiche Produkte mit Laufzeit bis Juni 2009, die zweistellige Renditen abwerfen. Dabei kommt den Anlegern dabei die wieder gestiegene Unsicherheit am Markt entgegen. "Dank der gestiegenen Volatilität gibt es zurzeit bei zahlreichen Produkten günstige Konditionen", sagt Sebastian Bleser, Zertifikate-Experte der Société Générale. Attraktiv seien Discounter und Bonus-Papiere, vor allem aber Varianten davon wie Multi- oder Korridor-Bonus-Zertifikate.

Ein Problem bei Derivaten mit Fälligkeit im Juni 2009 sehen Experten darin, dass Anleger mögliche Verluste hier voll tragen müssen. Ab Juli 2009 kann ein Minus aus Zertifikate-Anlagen hingegen steuerlich mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden. Eine Alternative sind Papiere mit Fälligkeit im Juli 2009. Je nach Marktentwicklung können Anleger hier Ende Juni entscheiden, ob sie vorzeitig verkaufen und Gewinne steuerfrei mitnehmen oder die Papiere im Fall von Verlusten auslaufen lassen und diese zumindest gegenrechnen.

Teure Verzögerungen

Zuflussprinzip Grundvoraussetzung für steuerfreie Zertifikate-Erlöse ist, dass das Kapital aus dem Verkauf der Papiere bis 30. Juni 2009 auf dem Konto des Anlegers eingegangen ist. Bei später realisierten Erlösen greift die Abgeltungsteuer.

Zögerliche Banken Anleger sollten bedenken, dass viele Banken das Kapital aus aufgelösten Depot-Positionen nicht sofort überweisen. Verzögerungen von ein bis zwei Tagen sind üblich; manche Institute brauchen noch länger.

Timing entscheidet Unterstellt man, dass die Bank nur einen Arbeitstag braucht, um das Geld zu verbuchen, müssen Verkäufe 2009 spätestens am 29. Juni erfolgen. Da Erträge nur steuerfrei sind, wenn die Papiere bis dahin ein Jahr im Depot gelegen haben, ist der letzte Termin für steuerfreie Käufe der 27. Juni 2008. Geht man von zwei Tagen Bearbeitungsdauer aus, ist bereits der 25. Juni 2008 Stichtag.

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