Notenbank-Käufe: Zwangsanleihen für die Großanleger

KommentarNotenbank-Käufe: Zwangsanleihen für die Großanleger

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Die Fed möchte die Zinsen senken

von Annina Reimann

Die Fed kauft Staatsanleihen. Europa spart sich das – und lässt lieber Großanleger kaufen.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat eine Mission: Er will die Zinsen drücken, weil er hofft, so das Wachstum anzutreiben. Also kauft die Fed bis Mitte 2011 für 600 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen. Je größer die Nachfrage danach, desto höher steigen deren Kurse. Im Gegenzug sinken die Renditen, denn bei Anleihen verhalten sich Kurs und Rendite gegensätzlich.

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Staatsanleihen, vor allem aus den Wackel-Ländern Griechenland, Portugal und Irland. Auch marode Euro-Staaten sollen noch zu tragbaren Zinsen Geld am Kapitalmarkt bekommen. Bis Anfang November kaufte die EZB für 63,5 Milliarden Euro Bonds – Peanuts, verglichen mit dem, was Bernanke auf den Tisch legt.

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Regeln drücken Zins

Das Problem ist: Die Käufe der Notenbanken wirken nur für den Moment. Kaufen sie nicht weiter, ziehen die Renditen an.

Viel nachhaltiger wirkt da die Regulierung von Großanlegern. Die EU-Finanzminister werkeln gerade an neuen Regeln für die Versicherungsbranche, die so kompliziert sind wie ihr Name: Solvency II. Wie sie funktionieren? Ganz einfach: Ab 2013 sollen Europas Versicherer ihre für Kunden angelegten Gelder mit mehr Eigenkapital unterlegen. Je riskanter die Anlage, desto mehr Eigenkapital ist gefordert – für Aktien planen die Regulierer aktuell bis zu 40 und für Immobilien bis zu 25 Prozent der Anlagesumme. Nur EU-Staatsanleihen sollen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Sie gelten als sicher – ja, auch Anleihen aus dem hochgradig ausfallgefährdeten Griechenland.

Letzteres bringt den Grundgedanken der Regeln ins Wanken: Eigentlich sollen sie die Konzerne krisenfester machen. Sie sollen trotz möglicher Verluste in Zukunft immer noch genügend Kapital haben, um Kunden auszuzahlen.

Politiker, der Verdacht drängt sich auf, treiben Versicherer aber mit den neuen Regeln geradezu in europäische Staatspapiere. Da geht noch was: Deutsche Versicherer halten nur 134 Milliarden Euro ihres 1039 Milliarden Euro schweren Anlagevolumens in Staatsschulden und Darlehen an Staaten. Da hätten Politiker gerne ein größeres Stück vom Anlagekuchen.

In ganz Europa geht es um gigantische 6800 Milliarden Euro – Geld, das Europas Versicherer vor allem für die Altersvorsorge der Bürger anlegen. Eine Summe mit dem Potenzial, die Renditen an den europäischen Anleihemärkten dauerhaft zu drücken. Für Anleger, die eine Lebens- oder private Rentenversicherung abgeschlossen haben, senken die dauerhaft niedrigen Renditen zum Vertragsende die Auszahlung. Regierungen aber refinanzieren sich auf diese Weise günstig.

Für Versicherer gibt es kaum einen Ausweg: Selbst wenn renitente Anlagechefs dem Willen der Regulatoren nicht folgen und Aktien kaufen, müssen sie das dafür geforderte hohe Eigenkapital vorhalten. Das wiederum müssen sie sicher anlegen. Wo? Richtig, in risikofreien Staatsschulden. Zum Beispiel aus Griechenland.

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