Ölindustrie: "Wir verhandeln in Texas auf Augenhöhe"

InterviewÖlindustrie: "Wir verhandeln in Texas auf Augenhöhe"

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Gerald Grohmann

von Frank Doll

Es gibt noch genug Öl auf der Welt, doch es wird immer aufwendiger, es zu fördern, sagt der Chef des Ölservice-Zulieferers Schoeller-Bleckmann.

Herr Grohmann, wie bringt es ein Unternehmen aus Niederösterreich zum Weltmarktführer bei Hochpräzisionsteilen für die Ölserviceindustrie?

Grohmann: Das liegt an den U-Booten...

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...aha, in den Alpen?

Grohmann: Wirklich. Wir haben Mitte der 1960er Jahre einen amagnetischen Edelstahl entwickelt, um damit den Kompass von U-Booten abzuschirmen. Der Stahl hat sich in einem extrem korrosiven Umfeld bestens bewährt. Ende der 1970er Jahre wurde die Richtbohrtechnologie eingeführt. Mit ihr lässt sich ein Ölfeld nicht nur vertikal, sondern auch horizontal anzapfen. Damit ein Kompass die Richtung des Bohrstrangs zuverlässig feststellen kann, suchte die Ölindustrie einen amagnetischen Stahl. Wir hatten ihn. So haben wir uns Schritt für Schritt als Komplettlieferant in dieser Nische etabliert. Den Vorsprung haben wir bis heute verteidigt, unser Weltmarktanteil übersteigt gut 50 Prozent.

Warum machen das Ihre Kunden nicht selbst – oder kaufen Ihr Unternehmen einfach auf?

Grohmann: Die Frage ist berechtigt. Aber: Wir machen mit unseren drei größten Kunden, das sind Schlumberger, Halliburton und Baker Hughes, etwa 60 Prozent unseres Umsatzes. Wenn einer von denen uns kauft, dann verliert er 80 Prozent vom Umsatz, weil die anderen logischerweise nicht beim Konkurrenten kaufen würden. Außerdem haben sich unsere Kunden entschlossen, ihre Ressourcen in die Markt- und Technologieentwicklung zu stecken, nicht in die Produktion.

Bereitet Ihnen die Abhängigkeit von nur wenigen Kunden keine Sorgen?

Grohmann: Die Abhängigkeit ist hoch, das stimmt schon, aber unsere Kunden sind wegen unserer dominanten Marktstellung in unseren Nischen auch stark von unseren Lieferungen abhängig. Verglichen mit den den Ölservice-Riesen sind wir zwar ein Zwerg, aber wir verhandeln auf Augenhöhe.

Wie verhandelt ein Österreicher mit Texanern?

Grohmann: Das Management unserer Kunden ist international und für das operative Geschäft haben wir ein lokales Management vor Ort. Die sprechen die gleiche Sprache. Inzwischen haben sich unsere Kunden auch daran gewöhnt, dass ihr wichtigster Lieferant aus Österreich kommt. Wie Deutschland genießt auch Österreich in der Welt für seine Technologie, Qualität und Zuverlässigkeit hohe Wertschätzung.

Ihr Geschäft brummt, wie lange noch?

Grohmann: Wir haben 2011 auf einem höheren Level begonnen als 2010. Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. 2011 wird die Ölindustrie voraussichtlich 490 Milliarden Dollar für Exploration und Produktion ausgeben, knapp elf Prozent mehr als 2010.

Der Ölpreis ist eine wichtige Stellgröße für die Investitionsentscheidungen. Ist er zu tief, wird zu wenig investiert, überschießt er nach oben, brechen Konjunktur und Investitionen ein. Was ist Ihr Lieblingsölpreis?

Grohmann: Der beste Ölpreis ist jener, den die Weltwirtschaft aushält, der also das Wachstum nicht hemmt und zugleich ausreichend hoch ist, damit die Ölfirmen investieren.

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