Ölpreis: Die Öl-Knappheitsphobie

Ölpreis: Die Öl-Knappheitsphobie

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Libyische Rebellen mit Flugabwehrgeschützen nahe der Ölraffinerie in der umkämpften Stadt Ras Lanuf

von Andreas Toller

Die Sorgen um den Ölpreis bewegen die Börsen. Der hohe Ölpreis aufgrund der Furcht vor einer Ölknappheit im Zuge der instabilen Lage in der arabischen Welt ist dabei deutlich übertrieben.

Kein Tag ohne dass der Ölpreis die Börse in Atem hält. So hat am Karnevalswochenende der steigende Ölpreis die Asien-Börsen zum Start in die neue Handelswoche belastet. Die Ölpreise hatten am Freitag nach einem Rücksetzer ihren Höhenflug wieder aufgenommen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zeitweise 115,91 US-Dollar, etwa ein Prozent mehr als am Vortag. Der japanische Leitindex Nikkei gab zeitweise mehr als zwei Prozent nach, und auch die meisten anderen fernöstlichen Aktienmärkte mussten Verluste hinnehmen. „Langfristig können hohe Ölpreise den japanischen Unternehmen die Bilanzen verhageln“, sagte Mitsuo Shimizu von Cosmo Securities. „Und das steht für die Investoren derzeit im Mittelpunkt.“

Die Anleger gingen in die Defensive, weil sie sich auf weitere Unruhen in den Erdölregionen Nordafrikas und im Nahen Osten gefasst machten. Der Zusammenhang ist simpel: Für die Industrieländer ist Öl noch immer der zentrale Energielieferant für Mobilität und Logistik. Teures Öl bremst also wortwörtlich die Wirtschaft, somit auch den noch jungen Konjunkturaufschwung. Anlass neuer Sorgen war die Gegenoffensive von Libyens Machthaber Muammar Gaddafi und Befürchtungen, dass sich der Konflikt in dem ölreichsten Land Afrikas zu einem regelrechten Bürgerkrieg ausweiten könnte. Glaubt man den spärlichen Informationen aus der Region, ist es bereits soweit.

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Dabei ängstigen die Börsianer gar nicht so sehr die Produktionsausfälle Libyens: Das ölreichste Land Afrikas zeichnet gerade mal für zwei Prozent der weltweiten Ölförderung verantwortlich. Diese Lücke könnten andere Öllieferanten schließen. Vielmehr ist es die Sorge um die Ausbreitung der Revolten auf wichtigere Förderländer, allen voran Saudi-Arabien.

Rohstoff-Experte Eugen Weinberg von der Commerzbank hält die Spekulationn auf steigende Ölpreise grundsätzlich für gerechtfertigt. "Auch wenn die Produktionsausfälle nun durch Saudi-Arabien oder ein Anzapfen der großen Ölreserven in den Industrieländern kompensiert werden, so wird doch der Spielraum für weitere Ausfälle geringer. Dann etwa, wenn auch Saudi-Arabien von Unruhen betroffen wäre. Derzeit ist die Entwicklung unvorhersehbar."

Einen Ölpreis von 120 Dollar hält Weinberg langfristig dennoch nicht für berechtigt. "Durch Angebot und Nachfrage lässt sich dieser Preis nicht begründen. Und langfristig könnte ein Sturz des Gaddafi-Regimes die Ölförderung in Libyen sogar ankurbeln, weil dann wieder ausländische Investitionen in das Land fließen. Vor der Machtergreifung Gaddafis lag die Ölproduktion schon deutlich höher." Der Irak sei ein Beispiel dafür, wie nach dem Umsturz einer Diktatur die Ölförderung neue Rekordhöhen erklimmen kann.

Beruhigungsversuche der USA

Noch ist die Lage in Saudi-Arabien ruhig. Das saudische Innenministerium hatte am Samstag daran erinnert, „dass Kundgebungen und Protestmärsche im Königreich illegal sind“. Demonstrationen verstießen gegen das islamische Recht („Scharia“) und die Traditionen des Landes, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Einige saudische Aktivisten versuchen schon seit Beginn des Aufstandes in Ägypten, via Internet zu Protestaktionen in ihrem Heimatland aufzurufen. Bislang allerdings ohne großen Erfolg. Zwei Aufrufe gibt es beispielsweise für den 11. und den 20. März. Bislang beschränkten sich die Proteste, an denen maximal 250 Menschen teilnahmen, auf die Ost-Provinz, in der die großen Öl-Felder liegen und in der mehrheitlich Angehörige der schiitischen Minderheit leben.

Derweil hat die US-Regierung als Folge der Krise in Libyen angekündigt, im Notfall ihre strategischen Ölreserven anzuzapfen. „Das ist bislang nur in sehr seltenen Fällen passiert“, sagte der neue Stabschef im Weißen Haus, Bill Daley, gestern im US-Fernsehen. „Wir schauen uns unsere Optionen an, und die Reserven sind eine, die wir in Erwägung ziehen.“ Vor solch einem Schritt müssten allerdings eine ganze Reihe von Faktoren überdacht und einbezogen werden. Die Benzinpreise in den USA sind nach Angaben des US-Autoclubs AAA binnen eines Monats um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Spritpreise sind ein empfindliches politisches Thema in den USA.

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