Offene Immobilienfonds: Degi Europa: Schlussglocke nach 38 Jahren

Offene Immobilienfonds: Degi Europa: Schlussglocke nach 38 Jahren

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Die Abwicklung von Immobilienfonds nach hohen Verlusten schreckt Anleger auf. Während die Kapitalanlagegesellschaft noch daran verdient, fürchten Stiftungen um ihre Erträge.

Offene Immobilienfonds haben immer noch ihren Platz in der ersten Garde der Geldanlagen, denn sie gelten vielfach als mündelsicher. Vom Gesetzgeber bekommen dieses Siegel beispielsweise Bundesanleihen und Pfandbriefe aber eben auch manche offene Immobilienfonds. Bei mündelsicheren Anlagen geht es vor allem um den Erhalt des Geldes und die Sicherheit. Die Rendite ist dabei zweitrangig. Für die Prüfung sind die Amtsgerichte zuständig und deren Ansprüche haben die meisten Immobilienfonds jahrzehntelang erfüllt.

Auch der Degi Europa und der Degi International gehören dazu. Das Amtsgericht Lemgo hielt den im Jahr 1972 aufgelegten Degi Europa beispielsweise noch im Februar 2007 für eine sichere Anlage. Wer ihn damals gekauft hat und noch heute hält, verlor im Schnitt pro Jahr sechs Prozent. Seit Jahresanfang hat der Degi Europa 23 Prozent verloren, der Degi International 13 Prozent. In den aktuellen Halbjahresberichten beider Fonds stand allerdings unverdrossen der Hinweis „zulassungsfähig für Mündelgeldanlagen“.

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Milliarden in Auflösung

Noch steht der Degi Europa mit einem Vermögen von 1,3 Milliarden Euro in den Büchern, das auf rund 80 000 Anleger entfallen soll – pro Anleger macht das im Schnitt 14 000 Euro. Sie bekommen ihr Geld jetzt häppchenweise bis September 2013 ausgezahlt. Die verantwortliche Fondsgesellschaft Aberdeen löst den Fonds bis dahin auf und will dazu alle 19 Immobilien aus dem Fonds verkaufen. Sollte Aberdeen das nicht gelingen, müsste die Commerzbank als Depotbank die weitere Aufräumarbeit ab Oktober 2013 erledigen. Komischerweise also ausgerechnet die Bank, die durch ihre Beratungspraxis ein Teil des Problems bei den Degi-Fonds ist.

Bis zum endgültigen Aus wird jeweils halbjährlich nach Abzug von Kosten an Anleger ausgeschüttet, was die Kasse hergibt. Weil keiner der Anleger vorher aussteigen kann, werden alle gleichmäßig an den Erlösen beteiligt: Wenn also die besten Immobilien am Anfang verkauft werden, profitieren alle Anleger davon und sie müssen ebenfalls ausharren, bis auch Ladenhüter das Portfolio verlassen. Weitere Abwertungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Die Fondsgesellschaft hat sich allerdings die drei Jahre Zeit genommen, damit sie die Immobilien nicht verschleudern muss.

Aberdeen stand offenbar vor allem durch verkaufswillige Anleger unter Druck, die ihre Anteile zuvor seit der Schließung über die Börse gekauft hatten. Aberdeen verweist auf Anteile im Wert von knapp 400  Millionen Euro, die zu überdurchschnittlich hohen Abschlägen über die Börse gehandelt  worden seien.

Aberdeen profitiert allerdings bis zur Auflösung. Mitarbeiter, die sich um die Reste kümmern müssen, müssen weiterhin bezahlt werden. Jährlich werden 0,65 Prozent von dem Fondsvermögen als Verwaltungsvergütung fällig. Zusätzlich durfte das Haus bei jedem Kauf und Verkauf von Immobilien pro Geschäft ein Prozent des Deals selbst einstecken. Jetzt werden Immobilen verkauft, die vor wenigen Jahren gekauft wurden und erneut hält Aberdeen die Hand auf. Allerdings sei der Satz nicht mehr ein Prozent, so ein Aberdeen-Sprecher. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin mischt sich in das Prozedere der Auflösung ein und verlangte offenbar zumindest eine Reduzierung der Transaktionsgebühren.

Altersvorsorge und Stiftungsgeld

Mit den vielen Privatanlegern, die ihre Altersvorsorge in Immobilienfonds angelegt haben, zittern jetzt auch manche Verwalter von  Stiftungsvermögen. Die offenen Immobilienfonds seien in den vergangenen Jahren als Anlageklasse stärker genutzt worden, heißt es beim Bundesverband deutscher Stiftungen. Von den insgesamt von deutschen Stiftern angelegten 100 Milliarden Euro entfallen zehn bis 15 Prozent auf Immobilienanlagen. Einen Großteil davon machen Anlagen in offenen Immobilienfonds aus, weil sich direkte Immobilienkäufe für kleinere Stiftungen nicht lohnen.

Die Schwächen bei einigen offenen Immobilienfonds drücken die Budgets der Stiftungen. Und mittelfristig rechnet der Bundesverband damit, dass sich die aktuellen Enttäuschungen über die Anlageform auswirken werden. Mit einem reichen Segen aus dieser Geldquelle können die Fonds in Zukunft daher wohl kaum rechnen. 

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