
BERLIN. Der gebeutelten Branche der Finanzinvestoren droht eine weitere Krisenwelle. Denn die in den Jahren 2005 bis 2007 mit massiver Verschuldung gekauften Unternehmen benötigen spätestens in zwei Jahren die erste Refinanzierung. Die Stimmen mehren sich, die für diesen Zeitraum eine steigende Zahl von Pleiten unter den ohnehin bereits vielfach angeschlagenen Portfoliofirmen prognostizieren.
"Unsere größte Herausforderung ist der enorme Refinanzierungsbedarf für unsere Portfoliofirmen", warnte Thomas Pütter, Chairman der Allianz-Private-Equity-Sparte ACP. Zwischen 2010 und 2014 dürften Schätzungen zufolge weltweit fast 700 Mrd. Dollar so genannter Leveraged Loans, also Kredite mit denen der Eigenkapitaleinsatz gehebelt wurde, fällig werden. "Das ist ein Thema, dem wir uns mit Notfallplänen und Vorbereitung annähern müssen und nicht mit Hoffen und Beten", appellierte Pütter.
Mit seinen Warnungen steht der Manager, der als eines der wenigen deutschen Schwergewichte in der Branche gilt, keineswegs alleine. Auch die Geldgeber - so genannte Limited Partners (LPs) - treibt das Thema um. "Das große Problem ist, dass diese Kredite alle gleichzeitig in den nächsten Jahren anfallen, der Finanzierungsmarkt aber wohl nicht in entsprechendem Volumen zur Verfügung steht", sagte Peter Schwanitz, Senior Vice President beim Dachfonds Portfolio Advisors. "Man darf davon ausgehen, dass man hier in etlichen Portfolios Pleiten sieht."
Bislang sind diese - allen Unkenrufen zum Trotz - gerade hierzulande weitgehend ausgeblieben. Zwar mussten Portfoliofirmen wie Kion von Goldman Sachs und KKR neue Kreditbedingungen aushandeln. Bei extrem aggressiven Deals wie Bavaria Yachtbau oder dem Dachziegelhersteller Monier übernahmen zudem die Gläubiger das Steuer. Die Alteigentümer erlitten wie beispielsweise PAI Partners einen Totalverlust.
Doch möglicherweise zeigen sich die Auswirkungen der Krise erst in einigen Jahren. Die Finanzierungen aus dem Boom, die in Extremfällen mehr als das Zehnfache des operativen Jahresgewinns (Ebitda) betrugen, werden erst dann fällig. Da häufig äußerst lose Kreditvereinbarungen getroffen wurden und mitunter selbst die Zinszahlung erst zum Ende der Laufzeit fällig wird, droht dann das böse Erwachen.
Pütter warnte ausdrücklich davor, auf eine schnelle Erholung der Banken oder ein Ausweichen auf die seit Monaten boomenden Anleihemärkte zu setzen. "Es wäre töricht, alleine auf eine dieser Antworten zu setzen", sagte der Allianz-Capital-Partners-Chairman.
Experten halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren Banken bereit sein werden, auch nur annähernd aggressive Finanzierungen wie vor der Krise zu akzeptieren. Damit könnte es in vielen Fällen für die Private-Equity-Fonds nötig werden, erneut Eigenkapital in die Hand zu nehmen, um einen Kollaps oder drohende Probleme zu verhindern. So hat das Branchenschwergewicht Permira beispielsweise vier Mrd. Euro in die Hand genommen, um die bestehenden Schulden gekaufter Firmen zu verringern - und sich so für die bevorstehende Refinanzierungswelle zu rüsten. Der Finanzinvestor hat bereits eingeräumt, etwa der TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 ursprünglich zu hohe Schulden aufgebürdet zu haben. Branchenkenner gehen davon aus, dass auch andere Fonds Eigenkapital nachgeschossen oder in den Kauf von Krediten investiert haben.
Damit bewiesen sie zwar, dass sie ihre unternehmerische Verantwortung ernst nehmen. Die Attraktivität vieler Deals dürfte damit aber deutlich sinken. Wer derzeit etwa die Laufzeit einer bestehenden Finanzierung verlängern will, muss Insidern zufolge einen Anstieg der Zinslast auf mitunter mehr als zehn Prozent hinnehmen. "Häufig werden diese Deals kaum Renditen abwerfen", prognostiziert Experte Schwanitz.
Die waren in der jüngeren Vergangenheit - durchschnittlich betrachtet - keineswegs berauschend. Laut dem Vermögensverwalter State Street lag sie in den vergangenen zwölf Monaten bei minus 7,6 Prozent. Bezogen auf drei Jahre betrug sie 1,8 Prozent und selbst unter Betrachtung eines Zeitraums bis zu Jahren werden Werte von acht Prozent nicht überschritten.
Die Branche könnte damit weiter an Attraktivität verlieren. 2009 war im Zuge der Krise so wenig Geld wie zuletzt vor vier Jahren in neue Fonds geflossen. Nach Zahlen des Datenanbieters Preqin steckten Pensionsfonds, Stiftungen und andere Vermögensverwalter gerade flossen im vergangenen Jahr gerade einmal 246 Mrd. Dollar in die Anlageklasse - ein Rückgang von 62 Prozent.
Private Equity
Branchentreff Finanzinvestoren aus aller Welt treffen sich dieses Jahr zum 13. Mal beim Branchentreff Super Return in Deutschland. Einige Schwergewichte wie etwa die großen US-Häuser KKR oder Blackstone sind allerdings nicht vertreten. Doch trotz Krise haben sich nach Angaben der Veranstalter rund 1200 Teilnehmer für die viertägige Veranstaltung registriert. Sie zahlen knapp 4000 Pfund - zuzüglich Mehrwertsteuer.
Aussichten Nach zwei Horror-Jahren für die Branche geben sich die Fonds wieder ein wenig optimistischer. Einer Studie von Pricewaterhouse Coopers (PwC) zufolge rechnen sieben von zehn Finanzinvestoren 2010 mit einer Markterholung in Europa.
Finanzierungsmangel Nach wie vor leidet Private Equity unter der Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Übernahmekrediten. Laut PwC erwartet zwar rund die Hälfte der Fonds hier eine tendenziell eine Verbesserung. 90 Prozent der Befragten gehen aber davon aus, dass hohe Verschuldungsgrade kaum noch realisierbar sind.
Frank Amberg: "Nur Rendite reicht nicht"
Frank Amberg verantwortet Finanzinvestments bei MEAG, dem Vermögensverwalter der Munich Re. Mit ihm sprach Handelsblatt-Redakteur Hans G. Nagl.
Handelsblatt: 2009 floss fast zwei Drittel weniger Kapital in neue Fonds als im Vorjahr. Haben die Anleger keinen Appetit mehr? Frank Amberg: Ich glaube nicht, dass sich die Investoren grundsätzlich von Private Equity abgewendet haben. Zwar hat das Pendel nach dem Boom 2006 und 2007 stark in die andere Richtung ausgeschlagen, und das Einwerben von Kapital ist für viele Fonds zur immensen Herausforderung geworden, doch werden wir mittel- und langfristig deutliche Zuwächse sehen.
Und kurzfristig? PE-Fonds werden insbesondere im oberen Buy-out-Segment künftig deutlich kleiner ausfallen und bedeutend mehr Zeit für das Fundraising benötigen.
Werden manche Fonds auch ums Überleben kämpfen müssen? Schwierig wird es insbesondere für neu gegründete Fonds, die noch nicht über eine belastbare Erfolgshistorie verfügen und auch nicht ausreichend Ressourcen für die Erfüllung der gestiegenen Transparenzanforderungen der Investoren besitzen. Da werden zweifelsohne einige auf der Strecke bleiben.
Wie reagieren die Geldgeber? Praktisch alle verlangen heute ein höheres Maß an Transparenz und Professionalität. Zudem sind auch die Anforderungen der Investoren an das Risikomanagement der Manager gestiegen. Es reicht eben nicht mehr aus, einzig und allein attraktive Renditen zu erzielen. Diese müssen aus Investorensicht vor allem mit dem richtigen Risikoprofil erwirtschaftet werden.








