Prämien für Banker: Steuer-Boykott wegen Boni

Prämien für Banker: Steuer-Boykott wegen Boni

von Stefan Hajek

Der Streit Boni für Investmentbanker mitten in der Krise geht in die nächste Runde. Nachdem die erst vor 12 Monaten mit Steuergeldern gerettete Royal Bank of Scotland ankündigte, üppige Boni in Milliardenhöhe auszuschütten, kocht in Großbritannien Volkes Seele hoch: Die ersten Prominenten kündigen daraufhin einen Steuerboykott an.

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Royal Bank of Scotland: Ausschüttung von 1,5 Millionen Euro Boni für Top-Mitarbeiter geplant

Die Royal Bank of Scotland (RBS) plant offenbar, dieses Jahr schon wieder Boni in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an ihre Top-Mitarbeiter auszuschütten. Erst im vergangenen Jahr musste die Bank – wie zahlreiche andere Institute – mit Steuergeldern vor dem Kollaps gerettet werden; die Royal Bank wurde sogar teilverstaatlicht und gehört heute zu 84 Prozent dem britischen Steuerzahler. Analysten rechnen damit, dass die Bank 2009 einen Verlust von rund acht Milliarden Euro eingefahren hat. RBS legt seine Zahlen für 2009 am 25. Februar vor.

Satte Boni trotz Rekordverlust

Dennoch wird das britische Finanzministerium in Kürze vermutlich grünes Licht geben für die Boni. Für den Finanzminister werden -- dank der erst kürzlich unter lautem Aufschrei der Finanzbranche eingeführten Straf-Steuern auf Boni in Höhe von 50 Prozent – auch rund 550 Millionen Pfund aus den neuen RBS-Boni abfallen. 

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In einem Brief an ihre Aktionäre soll die Bank aus Edinburgh zudem mitgeteilt haben, die neue Kompensationsstruktur erlaube „lukrative Bonuszahlungen“ auch unter der staatlichen Kuratel. Dies seit notwendig, um „auch in Krisenzeiten wertvolle und hochqualifizierte Mitarbeiter zu halten“.

Doch nun regt sich auf der Insel öffentlicher Zorn in einem Ausmaß und einer Qualität, wie man ihn allenfalls demonstrierfreudigen Franzosen oder Spaniern zugetraut hätte. Jüngste Eskalationsstufe: Ein öffentlicher Aufruf zum Steuer-Boykott wegen der Boni.

Öffentlicher Aufschrei

Der populäre Sänger Billy Bragg sagte bei einer Rede im Hyde Park und schrieb in seinem Internet-Blog, er werde bis auf weiteres keinerlei Einkommensteuer mehr zahlen. Und zwar genau so lange, bis die Regierung die „unmoralischen und zynischen Boni durch die staatliche RBS stoppt”, sagte Bragg.

„Überall werden wegen der Krise und der nachfolgenden Steuer-Mindereinnahmen staatliche Leistungen gekürzt“, sagte Bragg, „ich kann nicht erkennen, wieso ausgerechnet die Angestellten der RBS besser gestellt werden sollten als Krankenschwestern, Polizisten und Soldaten. Die Investment-Banker der RBS sind schon jetzt die bestbezahlten Staatsangestellten aller Zeiten, obwohl dieselben Leute 2009 den größten Verlust in der britischen Wirtschaftsgeschichte verursacht haben."  

Bragg will nun so lange keine Steuern mehr bezahlen, bis der britische Finanzminister Alistair Darling alle Boni jenseits von 25.000 Pfund pro Angestelltem bei Banken stoppe, die im Herst und Winter 2008/09 von Steuergeldern durch staatliche Rettungsaktionen profitiert hätten.

„Mir gehören, wie jedem britischen Steuerzahler, 84 Prozent der Bank; also dürfen wir darüber mitbestimmen, was die Banker mit dem Geld anstellen, das sie uns schulden”, sagte Bragg. „Die Botschaft an die Banker der Royal Bank of Scotland ist ganz einfach: Gebt uns unser Geld zurück, bevor ihr euch wieder dicke Boni zahlt.“

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