Private Banking: Sind Vermögensverwalter ihr Geld wert?

Private Banking: Sind Vermögensverwalter ihr Geld wert?

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Unabhängige Verwalter Schäfer und Langen von Goltz: In der Finanzkrise Zulauf von enttäuschten Bankkunden

Die Finanzkrise befeuert den Streit zwischen unabhängigen und bankeigenen Vermögensverwaltern, wer kompetenter berät und bei den Anlegern mehr abkassiert.

Bis vor etwa anderthalb Jahren musste man sich Gunther E. aus Frankfurt als typischen Erfolgsmenschen vorstellen. Der Orthopäde hatte sich 15 Jahre zuvor eine kleine Privatklinik aufgebaut. Sein Vermögen wuchs mit dem beruflichen Erfolg – auf acht Millionen Euro. Das war „vor meinem Finanz-GAU“, wie E. das nennt. Im Augenblick verkauft er sein Ferienhaus, und längst überlegt die Familie, ob es die Frankfurter Wohnung nicht eine Nummer kleiner tut.

Was genau schiefgelaufen ist, das versteht nicht nur er selbst kaum, auch sein neuer Vermögensverwalter tut sich schwer. Klar ist: Das Vermögen von E. wurde im Wesentlichen in zwei Schritten vernichtet. Von 2000 bis 2002 verlor es im Aktiencrash ein Drittel an Wert; dann strukturierte die Bank offenbar hektisch um. Sie reduzierte den Aktienanteil drastisch und schichtete das meiste um in Zertifikate, geschlossene Fonds, Hedgefonds- und Private-Equity-Modelle. Das Vermögen erholte sich auch leicht – bis die Finanzkrise zuschlug. Jetzt sind von den knapp acht noch drei Millionen Euro übrig.

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Das Depot sei „ein typisches Bankenportfolio“, wie er es „leider immer wieder sehe, gerade jetzt in der Finanzkrise“, behauptet E.s neuer Geld-Experte. Der Vorwurf: Die Banken drückten ihren Kunden mehrheitlich hauseigene Produkte in die Depots, an denen sie in erster Linie selbst verdienen. Wenn die sich zum Wohle des Kunden entwickeln – fein. Wenn nicht, stimme wenigstens die Rendite der Bank. Denn entweder blieben die Verkaufsprovisionen im eigenen Haus. Oder die Bank habe mit den Urhebern der Anlageprodukte Vereinbarungen über Rückvergütungen vereinbart, sogenannte Kick-back-Zahlungen.

Der Vorwurf, die Banken hielten sich auf Kosten der Anleger schadlos, tauchte schon in der Baisse von 2000 bis 2002 auf. Ganz ausräumen konnten die Institute ihn nie, obwohl sie Besserung gelobten. „Wir sind in unserer Produktauswahl genauso unabhängig wie ein sogenannter unabhängiger Verwalter“, sagt Frank Ebach, Chef der Kölner Niederlassung der BHF-Bank. „Wenn das Produkt eines Konkurrenten besser ist, kann der Berater es nehmen; wenn beide gleich sind, wieso soll er nicht das eigene bevorzugen? Schließlich kennen wir es im Zweifel besser.“ Es gebe jedenfalls „keine Weisungen“ der Konzernmutter, so Ebach, die eigenen Produkte in den Private-Banking-Depots zu bevorzugen. Ebach spricht vielen Unabhängigen die nötige Kompetenz für große Vermögen ab: „Nur eine Bank hat die Expertise, in einer komplexen Welt alles im Blick zu haben: Aktien, Anleihen, Zertifikate, Hedgefonds, Private Equity, Edelmetalle, Immobilien, Fonds. Eine Einzelperson, ein vermeintlicher Alleskönner, kommt da schnell an seine Grenzen.“

Auch unter Unabhängigen gibt es Abzocker

Betuchten Kunden leuchtet das ein. Große Familienvermögen sind zwar meist auf mehrere Banken und Verwalter verteilt. Doch „gerade bei der jungen Erbengeneration bemerken wir eine verblüffende Fixierung auf Alter, Tradition und Namen der Banken“, sagt der Inhaber eines hessischen Family Office, der für reiche Familien und Stiftungen Vermögen im zweistelligen Millionenbereich betreut, „was die mit den Depots dann anstellen, unterscheidet sich leider oft vom schönen Schein“.

Rainer Konrad, Leiter der Vermögensmanager-Akademie in St. Gallen, sieht dies differenzierter: „Auch bei großen Banken findet man hervorragend betreute Kunden. Ein zweistelliges Millionenvermögen wird bei einer Großbank mit genauso viel Aufwand betreut wie bei einem Unabhängigen oder einer Privatbank; leider gilt das nicht für alle Kunden der Großbank.“ Im Klartext: Je weniger Geld der Kunde auf den Tisch legt, desto eher erhält er die Standard-Behandlung. Auch unter den Unabhängigen gibt es zahlreiche schwarze Schafe. „Auch Unabhängige haben heute oft eigene Fonds, die sie ihren Kunden in die Vermögensverwaltungsdepots legen und für die sie doppelt Gebühren kassieren“, sagt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau in München, „Bankenunabhängig heißt zunächst einmal nicht viel.“ Besonders kritisch bewertet Beck die Praxis vieler Verwalter, Gebühren für Produkte wie Fonds zu verlangen, obwohl der Kunde bereits einen Obulus für die Vermögensverwaltung bezahlt – und der Verwalter oft noch Bestandsprovisionen von den Fondsgesellschaften kassiert.

Zwar seien die meisten Kunden durch ihre Verluste 2000 bis 2002 „inzwischen stärker sensibilisiert“, sagt Tom Friess, Leiter des VZ-Vermögenszentrums in München. Viel nutzen wird ihnen ihr tieferes Wissen um die Abzocke aber nicht. „Am Ende steckt der Cash-Anteil der Depots in den hauseigenen Geldmarktfonds, und wenn es im Portefeuille Hedgefonds- und Aktienfonds gibt, dann sind die meist nur dann von der Konkurrenz, wenn es keine eigenen passenden Produkte gibt“, sagt Friess.

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