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Privatkundengeschäft: Direktbanken müssen sich auf schärfere Konkurrenz einstellen

von Rolf Benders

Seit Gründung der Direktbanken sind Millionen Kunden von den alteingesessenen Instituten dorthin abgewandert. Günstige Konditionen waren stärker als der persönliche Kontakt zum Berater. Großbanken, Sparkassen und Kreditgenossen drehen den Spieß jetzt um. Sie überbieten sich gegenseitig mit lukrativen Neukundenangeboten. Die Direktbanken befürchten Schlimmes.

Durch ein Strukturänderung will die DG Hyp Konkurrenten wie der ING-Diba Paroli bieten.
Durch ein Strukturänderung will die DG Hyp Konkurrenten wie der ING-Diba Paroli bieten.

„Die etablierte Konkurrenz hat das Tagesgeld und auch kostengünstige Girokonten für sich entdeckt, weil sie die Abwanderung der Kunden zu den Direktbanken stoppen müssen“, sagt Martin Daut, Vorstand bei Cortal Consors. „An dieser Front haben sie 20 Jahre lang geschlafen und sind jetzt aufgewacht.“ Lange konnten sich die Direktbanken, allen voran Marktführer ING Diba und die Comdirect, im deutschen Bankenmarkt benehmen wie ein Hecht im Karpfenteich. Hohe Tagesgeldzinsen und kostenlose Girokonten lockten preisbewusste und interneterfahrene Bankenkunden in Scharen an. Der Kundenstamm der zur niederländischen Finanzgruppe ING gehörenden Diba versiebenfachte sich seit 2001 auf derzeit gut 5,5 Millionen. Zu leiden hatte vor allem die Verbünde, also Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Mit geringen Sparbuchzinsen und hohen Kontoführungskosten waren sie nicht konkurrenzfähig. Aber das Umfeld hat sich geändert. So bieten nicht nur die Großbanken Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank und Commerzbank attraktive Konditionen an, auch die beiden großen Bankenverbünde steuern gegen. Sie überbieten sich gegenseitig mit Neukundenangeboten bei Tagesgeldzinsen und kostenlosen Girokonten. Diese Offensive macht sich in den Bilanzen der ehemaligen Preisbrecher bemerkbar. „Wir Direktbanken müssen uns auf geringere Wachstumsraten beim Tagesgeld einstellen. Vor allem die Sparkassen und die Kreditgenossenschaften greifen uns dort an, weil ihre Schmerzgrenze beim Einlagenabfluss offenbar überschritten wurde“, sagt Peer Teske von der Netbank. Das Einlagenwachstum im Tagesgeld der Netbank habe sich halbiert, insbesondere bei Einlagen über 100 000 Euro. Die Reaktion der Direktbanken fällt – je nach Ausrichtung – unterschiedlich aus. Marktführer ING Diba zieht zum 1. April 2007 mit einem kostenlosen Girokonto nach, bleibt aber beim Tagesgeldzins bei seiner zurückhaltenden Linie. Die Bank will erst zum Februar die Verzinsung auf ihrem populären Flaggschiffprodukt „Extra-Konto“ von 2,75 auf drei Prozent anheben. Dass sie damit hinter den Spitzenwerten von derzeit bis zu 3,6 Prozent einiger aggressiver Konkurrenten zurückfällt, sieht Diba-Chef Ben Tellings nicht als Nachteil. „Wir wollen unseren Kunden dauerhaft attraktive Konditionen bieten und nicht möglichst viele Neukunden über dubiose Lockangebote, die nur für Neukunden gelten und über begrenzte Einlagensicherung verfügen, gewinnen“, sagt der Niederländer. Er setzt auch 2007 auf weiteres Wachstum und setzt sich große Ziele: „Wachstumstreiber werden wie 2006 die Baufinanzierung, das Spargeschäft und das Brokerage sein, in dem wir die Marktführerschaft anstreben.“ Cortal Consors wirbt derzeit noch mit hohen Tagesgeldzinsen um Neukunden, will aber wieder stärker auf Wertpapierdepots setzen. „Das Tagesgeld hat aus unserer Sicht als Kundengewinnungsinstrument ausgedient“, sagt Daut. Zuviele Konkurrenten böten zu ähnliche Konditionen an. Daher wollen die Nürnberger weiterhin mit Bonuszahlungen Depotkunden bei der Konkurrenz abwerben. Dazu sollen Beraterbüros in deutschen Großstädten aufgebaut und auch wieder konzerneigenes Aktienresearch angeboten werden. Der Chef der zur Commerzbank gehörenden Comdirect, Andre Carls, gibt sich gewohnt selbstbewusst. „Bankkunden sind zunehmend besser informiert. Mit zweitbesten Lösungen sind sie zunehmend weniger zufrieden“, sagt Carls. Die Netbank als Nischenplayer will vom Einlagengschäft weg in das margenstärkere Kreditgeschäft. Sie zielt vor allem auf sonst bei Direktbanken wegen der aufwendigen Betreuung ungeliebte Selbstständige und Freiberufler. Der für Kunden geradezu paradiesisch wirkende Wettbewerb mit Kampfkonditionen wird in der Branche durchaus problematisch gesehen. „Langfristig machen wir uns als Banken mit den Lockvogelangeboten für Neukunden das Geschäft selbst kaputt“, urteilt Netbank-Chef Teske. Der Kunde werde zur Illoyalität erzogen. Das mache den Aufbau langjähriger Kundenbeziehungen sehr schwer und verringere im Grunde den Wert jedes Neuabschlusses deutlich.

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