
FRANKFURT. Erst wenige Wochen ist es her, dass sich Commerzbank-Vorstand Frank Annuscheit über den "sehr guten und reibungslosen" Verlauf der IT-Integration freute. "Das ist durchaus einen Zwischenapplaus wert", sagte der zuständige Manager Anfang Oktober dem Handelsblatt. Mittlerweile dürfte der abgeebbt sein - zumindest sein für das Privatkundengeschäft zuständiger Vorstandskollege Achim Kassow hat zur Zeit weniger Anlass zum Klatschen. Grund: Tausende von Kunden erfuhren dieser Tage beim Öffnen ihres Online-Kontos, dass sie stolze Besitzer einer Mastercard sind. Wer sich dann verwundert bei Kundenbetreuern und Service-Hotlines durchfragte, bekam zu hören, dass die jahrelang genutzte Visacard zum Jahreswechsel ungefragt gegen eine Mastercard ausgetauscht wird. Und dass man darüber zeitnah informiert werde.
Der Grund für die Panne ist offenbar die Geschwindigkeit von Annuscheits IT-Trupp. Der hatte in vorauseilendem Gehorsam die neuen Kreditkarten-Dateien im Online-Banking der Kunden eingerichtet. Der Kundenservice hatte hingegen noch gar nicht die Hinweise verschickt. Eine zeitliche Diskrepanz, die man bei der Commerzbank bedauert. "Wir möchten die Betroffenen um Entschuldigung bitten", sagte ein Sprecher auf Anfrage.
Wie viele Kunden genau von der Panne betroffen sind, ist unklar. Die Bank spricht von einer "mittleren sechsstelligen Zahl" an auszutauschenden Visa-Karten.
Aber vielleicht gibt es ja einen ganz anderen Grund für den ungefragten Wechsel: Angeblich sind die Versicherungsleistungen bei der Mastercard besser, alles zum Wohle des Kunden sozusagen. Oder ist es die zur Jahresmitte beschlossene vertiefte Kooperation mit Mastercard? Damals war von einem zusätzlichen Ertragspotenzial in zweistelliger Millionenhöhe jährlich die Rede. Da wirft man vermutlich die gern propagierten Kundenrechte über Bord. Unter Punkt 5 der beworbenen Kundencharta heißt es: "Sie bestimmen mit."






















