
HB FRANKFURT. Die Deutsche Bank hat sich im Sommerquartal trotz eines Milliardenverlusts besser geschlagen als viele ihrer Rivalen in Europa und den USA. Vor allem ihr Investment-Banking, in dem viele Banken unter der Flaute an den Märkten litten, zeigte sich unerwartet widerstandsfähig. Nur eine 2,3 Mrd. Euro schwere Abschreibung auf die Beteiligung an der Postbank zog den deutschen Branchenprimus wie erwartet mit 1,2 Mrd. Euro tief in die roten Zahlen - der erste Verlust seit Ende 2008. Dadurch halbierte sich der Gewinn in den ersten neun Monaten auf 1,7 (Vorjahr: 3,6) Milliarden.
Vorstandschef Josef Ackermann zeigte sich dennoch zufrieden: "Das Ergebnis des dritten Quartals hat verdeutlicht, wie robust unser Geschäftsmodell auch in einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld inzwischen ist", schrieb er an die Aktionäre. Im Kapitalmarktgeschäft, dem traditionell größten Gewinnbringer für die Deutsche Bank, half ihr ein Endspurt zum Quartalsende.
Nach zwei flauen Sommermonaten habe sich das Handelsgeschäft Ende September deutlich erholt. Während andere Großbanken mit Einbrüchen zu kämpfen hatten - die Schweizer UBS rutschte im Investmentbanking sogar in die Verlustzone -, steigerte die Deutsche Bank den Gewinn in der Sparte vor Steuern sogar um zwölf Prozent auf 1,1 Mrd. Euro, die Erträge blieben nur knapp hinter dem boomenden Vorjahresquartal zurück.
Auch das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden zog an: Der Gewinn vor Steuern legte um fast zwei Drittel auf 245 Mio. Euro zu, auch weil die Risikovorsorge weiter sank. Der Kauf der Postbank, für den die Deutsche Bank sich im September mehr als zehn Mrd. Euro frisches Kapital besorgt hatte, soll das Privatkundengeschäft aufwerten und die Gewinne damit stabilisieren.
Mit ihren Privat- und Firmenkunden hat das Institut so viel verdient wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zwei Jahren nicht mehr. Der Gewinn vor Steuern in der Sparte PBC lag bei 245 Mio. Euro, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. Das waren 96 Mio. Euro mehr als vor einem Jahr. Ihre Risikovorsorge in dem Bereich fuhr die Bank zurück, was sie mit der guten Kundenstruktur erklärte.
Die Einnahmen der PBC-Sparte stützten sich nach Angaben des Instituts auf einen Einlagenrekord im Quartal und ein robustes Hypothekengeschäft. Das Ratenkreditgeschäft sei dagegen zurückgefahren worden. Investment- und Versicherungsprodukten hätten sich trotz der Sommerferien solide entwickelt.
Allerdings lastet die Übernahme der verlustreichen Privatbank Sal. Oppenheim weiter auf der Deutschen Bank. Nicht zuletzt deshalb ging der Vorsteuergewinn im Konzernbereich Fondsgeschäft und Vermögensverwaltung (AWM) auf 78 Mio. Euro zurück von 134 Mio. vor Jahresfrist. Allein im Zusammenhang mit Sal. Oppenheim/BHF seien Nettobelastungen von 52 Mio. Euro angefallen. Erst im zweiten Quartal hatte die Bank in der AWM-Sparte - die Superreiche betreut - die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft.
Die BHF-Bank, die der Deutschen Bank mit der Übernahme von Sal. Oppenheim zugefallen ist, steht derzeit zum Verkauf. Wegen hoher Restrukturierungskosten gilt ein Preis in Höhe des Buchwertes von 650 Mio. Euro inzwischen als unrealistisch. Im Rennen um das Frankfurter Institut deutet sich ein Zweikampf an zwischen dem liechtensteinischen Institut LGT und einem Konsortium aus dem Bankhaus Lampe und dem Finanzinvestor KKR.
Das Geldhaus will die erhöhten Eigenkapitalanforderungen vorzeitig erreichen. "Wir rechnen aus heutiger Sicht damit, dass wir bereits 2013 die eigentlich erst für 2019 geplanten Vorgaben erfüllen werden", schrieb Vorstandschef Josef Ackermann am Mittwoch in einem Brief an die Aktionäre. Nach Berechnungen der Deutschen Bank kann die harte Kernkapitalquote (Core Tier-1) durch die mehr als zehn Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung und einbehaltene Gewinne bis Anfang 2013 auf 8,5 Prozent steigen, obwohl das Regelwerk "Basel III" und die Übernahme der noch kapitalschwachen Postbank die risikogewichteten Aktiva (RWA) der Bank nach ihren Schätzungen auf 529 von 277 Mrd. Euro aufblähen wird. Ende September lag die Core-Tier-1-Quote bei 7,6 Prozent.
Nach den Beschlüssen des Baseler Ausschusses, die noch von den Staats- und Regierungschefs der G20 bestätigt werden müssen, müssen Banken weltweit ihre harte Kernkapitalquote - den Anteil von Grundkapital und Gewinnrücklagen an den RWA - von 2013 bis 2019 in mehreren Schritten auf sieben von zwei Prozent steigern.
Ackermann erwartet, dass börsennotierte Banken die Anforderungen auf Druck der Märkte schneller als gefordert erfüllen werden müssen. Für systemrelevante Banken, zu denen die Deutsche Bank gehören dürfte, ist ein zusätzlicher Aufschlag auf die allgemeinen Quoten im Gespräch.
Für das kommende Jahr hat sich die Deutsche Bank im Konzern einen Vorsteuergewinn von zehn Mrd. Euro vorgenommen. Um diesen zu erreichen, müssten sich allerdings vor allem noch die Zinsen normalisieren, schränkte Ackermann ein. Analysten haben Zweifel, ob die Bank ihr Ziel 2011 erreicht.
Noch ist die Bank relativ davon entfernt: Auch ohne den Postbank-Sondereffekt lag der Vorsteuergewinn von Januar bis September nur bei 5,6 (4,4) Mio. Euro. Auch das - in der deutschen Öffentlichkeit umstrittene - Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern ist längst nicht geschafft: In den ersten neun Monaten erreichte die Bank bereinigt 18 Prozent, im dritten Quartal nur 13 Prozent.
Eine Gewinnprognose für das laufende Jahr gibt Ackermann weiterhin nicht. "Das hat mich überrascht", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Georg Kanders von der WestLB sagte, das Quartal sei besser gelaufen als erwartet: "Im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft ist die Bank klar besser als die Schätzungen. Vor allem das Investmentbanking war extrem gut." Im vorbörslichen Handel legte die Deutsche-Bank-Aktie um 0,9 Prozent zu.






















