
FRANKFURT. Es gebe zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anzeichen dafür, dass das "Geschäftsmodell Privatanleger-Zertifikate" in den Führungsetagen der großen Banken als Folge der riesigen Probleme mit strukturierten Kreditprodukten auf den Prüfstand gestellt werde.
"Warum auch", fragt zum Beispiel Petra Becher von der Schweizer Großbank UBS, "denn schließlich waren wir in den vergangenen Jahren einer der Wachstumsbereiche in unserem Hause." Kritische Betrachter des seit Jahren boomenden Marktes sagen allerdings, dass die Vorstände einiger Banken bei ihren strategischen Überlegungen den Zertifikate-Bereich in der Zukunft durchaus in Frage stellen könnten.
Da sich das über Monate hinweg von Nervosität geprägte Geschäft mit strukturierten Produkten - und zwar sowohl mit Kreditstrukturen als auch mit strukturierten Privatanleger-Produkten - in jüngster Zeit wieder etwas beruhigt habe, erwartet Roland Lang von Morgan Stanley hinsichtlich der Zukunft der Zertifikate-Abteilungen allerdings keine größeren strategischen Änderungen. "Zumindest im Moment nicht", schränkt Lang im Handelsblatt-Gespräch ein.
Die Top-Manager der Banken würden sich vor allem zwei Fragen stellen. Zum einen werde geprüft, ob der Bereich der strukturierten Privatanleger-Produkte die kritische Masse erreiche und ob er betriebswirtschaftlich Sinn mache. Zudem seien man in den Vorstandsetagen der Banken als Folge des Debakels mit strukturierten Kreditprodukten gerade hinsichtlich des Risikomanagements bei Privatanleger-Derivaten wesentlich vorsichtiger geworden. Bei den meisten Emissionshäusern dürften diese Fragen so beantwortet werden, dass das Geschäftsmodell Privatanleger-Derivate nicht in Frage gestellt wird, sagen die vom Handelsblatt befragten Fachleute.
Es sei allerdings damit zu rechnen, dass Banken die derzeitige Phase der Unsicherheit nutzen, um kleinere innerbetriebliche Adjustierungen vorzunehmen. Vorstellbar seien zum Beispiel organisatorische Änderungen in der Art, dass die Bereiche strukturierte Produkte und Asset Management enger zusammenrücken und Unternehmensorganisationen mit dem Ziel von Budget-Kürzungen gestrafft werden, sagt Petra Becher.
Im Hinblick auf die künftige Zahl von Emissionsbanken am deutschen Zertifikatemarkt werden nach der Übernahme von Bear Stearns durch JP Morgan für andere Emittenten keine größeren Einschnitte erwartet. "Ich gehe davon aus, dass sich alle Banken - auch aus Reputationsgründen - in diesem Markt behaupten wollen", erklärt Roland Lang. "Ich denke, dass keine der Emissionsbanken aufgeben wird", sagt Rupertus Rothenhäuser von BNP Paribas. Es sei für die meisten Institute auch eine Imagefrage, in diesem Markt als Emittent vertreten zu sein.
Ähnlich wird die aktuelle Situation von Frank Klingelhöfer, Abteilungsleiter Produktmanagement bei der Landesbank in Berlin, gesehen. Der Experte erwartet für die Zukunft jedoch eine klarere Aufgabenteilung unter den Emissionsbanken. Während sich vor allem die angelsächsischen Banken ohne Filialkundengeschäft als Ideenschmieden versuchen dürften, erwartet er von den großen heimischen Instituten weiterhin eine Abdeckung des Marktes mit einer breiten Produktpalette.




















