Professoren-Investments: Warum Akademiker an der Börse oft Bauchlandungen hinlegen

Professoren-Investments: Warum Akademiker an der Börse oft Bauchlandungen hinlegen

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Professor Gerke: Sein Euro-Stoxx-Zertifikat wettete 2008 auf fallende Finanzwerte und hängte nach der Lehman-Pleite den Index ab

Wissenschaftler reizt es immer wieder, ihre Theorien mit echtem Kapital an der Börse zu testen. Besonders erfolgreich sind die Professoren-Investments nur selten.

Die prominenteste akademische Beinahe-Pleite legten vor zehn Jahren die Nobelpreisträger Robert Merton und Myron Scholes hin: Der von ihnen beratene Hegdefonds LTCM bewegte mit 2,2 Milliarden Dollar Eigenkapital die 400- bis 500-fache Summe. Das Spiel ging schief – nur eine 3,6-Milliarden-Dollar-Kapitalspritze rettete damals den Fonds und bewahrte das Finanzsystem vor einem Kollaps. Finanziert wurde die übrigens von den an LTCM beteiligten Banken – damals konnten diese das noch. Scholes, Merton und andere hochdekorierte Wissenschaftler wollten damals menschliche Unzulänglichkeiten mithilfe von Formeln und Computerprogrammen ausmerzen. Erfolg an der Börse sollte berechenbar sein.

Scholes wagte einen Neustart, scheiterte aber erneut: Im November vergangenen Jahres musste ein Hedgefonds seines Vermögensverwalters Platinum Grove Asset Management die Rücknahme von Anteilen aussetzen, weil Anleger scharenweise flüchteten. Zuvor hatte Scholes’ Hedgefonds allein in der ersten Oktoberhälfte etwa 30 Prozent verloren.

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Ökonomenzunft ließ sich durch Rückschläge nicht bremsen

Die Bauchlandung der Havard-Professoren hat den Elan der Ökonomenzunft, sich doch auch einmal an Investmentprodukten zu versuchen, aber nicht gebremst. So trat im Herbst 2008 Martin Weber, Mannheimer Professor für Bankbetriebslehre, mit dem von ihm beratenen Mischfonds „Arero-Der Weltfonds“ an. Arero steht für Aktien, Renten und Rohstoffe. Weber hatte zuvor häufig kritisiert, dass es in Deutschland keine vernünftigen vermögensverwaltenden Fonds gebe. Sein von der DWS aufgelegter Fonds solle zudem transparenter und kostengünstiger als alle anderen Mischportfolios sein.

Weber hat die Latte hoch gelegt. Zumindest bei den Kosten kann er sein Versprechen einhalten: 0,45 Prozent jährliche Gebühr sind auf Discounter-Niveau. Andere Mischfonds verlangen mitunter zwei Prozent. Bei diesem Kampfpreis muss gespart werden. Statt laufend mit Wertpapieren zu handeln, investiert Arero in festen Quoten. 60 Prozent steckt Weber in Produkte auf Aktien-, 25 Prozent in Anleihe- und 15 Prozent in Rohstoffindizes. Der Mix, der sich in einem Börsenjahr durch Kursgewinne und -verluste automatisch ändert, wird lediglich einmal jährlich an die Quotenvorgaben angepasst.

Seminararbeit als Grundlage

Weber-Fonds Arero

Weber-Fonds Arero: Zum Vergrößern des Charts klicken Sie bitte auf das Bild

Grundlage des simplen Anlagekonzepts ist eine Seminararbeit von Webers Studenten. Die Nachwuchswissenschaftler fanden heraus, dass Anleger im Zeitraum 1973 bis 2007 mit einem im Verhältnis von 60 zu  25 zu  15 aus Aktien-, Anleihe- und Rohstoffindizes gemischten Portfolio sowohl Rendite aus als auch Risiko ihres Depots optimiert hätten.

Was für die Vergangenheit gilt, funktioniert in der turbulenten Gegenwart wegen der starren Quoten erst mal nur mäßig: Seit dem Marktstart im Oktober vergangenen Jahres liegt Arero mit 13,5 Prozent im Minus.

Zudem konnte Weber seine Vorstellungen vom idealen Mischfonds nicht eins zu eins umsetzen. Die Anleger investieren nicht direkt in die Börsenindizes. „Das wäre zu kompliziert und zu teuer geworden“, meint Weber. In dem Sondervermögen stecken jetzt stattdessen variabel verzinste Anleihen (Floater) und strukturierte Bankgeschäfte (Swaps), die den Verlauf der Indizes nachbilden. Beide Vehikel hängen an der Bonität der Emittenten – und die kann sich rapide verschlechtern, bis hin zur Pleite wie die Finanzkrise zeigt. Günstig bedeutet in diesem Fall alles andere als bombensicher.

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