Prozessbeginn: Ist Ex-IKB-Chef Ortseifen Opfer oder Täter?

KommentarProzessbeginn: Ist Ex-IKB-Chef Ortseifen Opfer oder Täter?

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Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Industriebank, IKB, Stefan Ortseifen

von Daniel Schönwitz

Am ersten Prozesstag präsentierte sich Stefan Ortseifen als Opfer der Umstände. Doch damit macht es sich der Ex-Chef der Skandalbank IKB zu leicht, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Daniel Schönwitz.

Zweieinhalb Jahre hat er stillgehalten und alle öffentlichen Anschuldigungen über sich ergehen lassen. Heute nun kam Stefan Ortseifens großer Auftritt: Am ersten Tag des Strafprozesses vor dem Landgericht Düsseldorf nahm der Ex-Chef der Skandalbank IKB ausführlich Stellung - und erhob seinerseits Vorwürfe gegen die Deutsche Bank. Deren Entscheidung am 27. Juli 2007, die Handelslinien für die IKB zu schließen, habe zu einem "unermesslichen Reputationsschaden" geführt - und die Pleitegefahr erst heraufbeschworen. Das habe er nicht ahnen können, als er eine Woche zuvor bekannt geben ließ, dass die IKB von der US-Immobilienkrise kaum betroffen sei. 

Ortseifens Verteidigungslinie ist klar. Der 59-Jährige will Richterin Brigitte Koppenhöfer überzeugen, dass er damals nach bestem Wissen und Gewissen handelte und die Aktionäre keineswegs bewusst in die Irre führte. Für die Staatsanwälte wird es nicht leicht , diese Behauptung zu widerlegen. Die schwierige juristische Frage lautet: Wusste Ortseifen, dass er die Lage schön redet - oder bewegte er sich im Rahmen eines Szenarios, dass durchaus hätte eintreffen können? Die Grenze zwischen Optimismus und bewusster Schönfärberei ist bisweilen schwer zu definieren .  

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Massive Fehlleistung

Moralisch ist die Schuldfrage einfacher zu beantworten. Denn wer weiß, dass die Bank Milliarden in undurchsichtige Finanzvehikel gesteckt hat, darf nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Deshalb war die Pressemitteilung am 20. Juli eine massive Fehlleistung, für die Ortseifen als Vorstandschef verantwortlich ist. Schließlich waren die Signale für ein Platzen der Blase auf dem US-Immobilienmarkt damals bereits unübersehbar - und auch das gewaltige Engagement der IKB auf dem US-Hypothekenmarkt muss Ortseifen bewusst gewesen sein.

Juristisch ist es nachvollziehbar, wenn er sich jetzt als Opfer der Umstände präsentiert - moralisch überzeugt es keineswegs. Sicher: Zahlreiche Experten wurden von der Dynamik der Finanzkrise ebenfalls völlig überrascht, darunter auch Volkswirte und Wirtschaftsjournalisten. 

Aber für Top-Banker, die über Milliarden gebieten und dafür Millionen erhalten, müssen besonders strenger Regeln gelten: Es ist ihre Pflicht, ständig Worst-Case-Szenarien durchzuspielen und Geschäftsprognosen anzupassen. Genau dies ist bei der IKB offenbar nicht geschehen. Sonst hätte die Bank wesentlich früher über der Schieflage informieren müssen - und auf keinen Fall eine derart optimistische Mitteilung veröffentlichen dürfen wie am 20. Juli 2007.

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