Ranking und Reportage: Die besten Investor Relations

Ranking und Reportage: Die besten Investor Relations

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RWE-Investor-Relations-Chef Alphéus (hinten) mit Team

Investoren in Krisenzeiten bei der Stange zu halten ist für Unternehmen Schwerstarbeit. Welche Konzerne die beste Investor Relations haben, wie die Truppe von RWE den Job meistert.

Ein kurzer Blick auf den Monitor, und die Laune von Ingo Alphéus bessert sich deutlich. An der Frankfurter Börse hat gerade der Handel begonnen. „Dax minus 0,46, wir plus 0,8 Prozent – bis jetzt ist die Welt in Ordnung“, meint der Leiter Investor Relations von Europas drittgrößtem Stromkonzern RWE, „nicht zuletzt, weil wir vor den Düsseldorfern liegen.“

Die Aktie der Düsseldorfer E.On ist mit leichten Verlusten in den Tag gestartet, und das sportliche Kräftemessen mit dem Erzrivalen ist allgegenwärtig auf den kreisrunden Fluren des RWE-Zylinders am Essener Opernplatz. Nicht nur die Gegner am Kickertisch im Konferenzraum müssen in E.On-roten Trikots gegen Alphéus’ Team in RWE-Blau antreten, auch „Investoren weltweit vergleichen uns ständig mit E.On – und umgekehrt“, weiß Alphéus.

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Viele Fondsmanager und Großinvestoren nehmen zwar gern eine Versorger-Aktie ins Portfolio – aber nicht zwei oder drei. Mehrere Titel aus derselben Branche zu halten, bedeutet mehrfachen Aufwand für Analyse und Portfoliomanagement; und es birgt unnötige Risiken, denn die Titel laufen oft ähnlich – fällt einer, fallen alle. Beim französischen Riesen EdF scheuen viele Investoren den Einfluss des Staates; die meisten anderen Versorger sind kleiner, ihre Aktien nicht so liquide. Sehr häufig lautet daher in den Anlageausschüssen und Handelsräumen der Asset Manager am Ende die Gretchenfrage: E.On – oder RWE? 

Aktionäre werden wichtiger

Davon, wie sie sich entscheiden, hängt viel ab für die Konzerne. Ein möglichst hoher Aktienkurs bedeutet seit jeher Schutz vor feindlichen Übernahmen, er ist eine potenzielle Akquisitionswährung und ermöglicht leichteren Zugang zu frischem Geld, etwa über Kapitalerhöhungen. In der Finanzkrise ist der Kampf um die Gunst der Aktionäre noch härter geworden. Weil der Zugang zu Bankkrediten eingeschränkt und teuer geworden ist, spielt die Meinung der Eigenkapitalgeber – der Aktionäre – eine umso größere Rolle. Und denen werden in der Krise oft unangenehme Wahrheiten aufgetischt. Zugleich werden sie um frisches Geld angepumpt. „Bei vielen Unternehmen, vor allem Banken, werden die Kapitalgeber noch einmal in die Tasche greifen müssen“, sagt Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey.

Von links: Wolfram Schmitt, DIRK-Ehrenpräsident und IR-Chef der Deutschen Bank, Oliver Maier, Leiter IR der Fresenius Medical Care Quelle: Foto: Jörn Wolter / D.I.R.K

Wolfram Schmitt, DIRK-Ehrenpräsident und IR-Chef der Deutschen Bank und Oliver Maier, Leiter IR der Fresenius Medical Care mit Siegertrophäe (von links). Das Dax-Unternehmen FMC erzielte die höchste Punktzahl im Investor-Relations-Ranking

Bild: Foto: Jörn Wolter / D.I.R.K

Noch vor einem Jahr konnte ein Projekt für einige Hundert Millionen Euro in kurzer Zeit mit der Hausbank finanziert werden. „Heute verhandeln wir im Vorfeld wochenlang mit fünf oder sechs Banken, bilden schon für 60 Millionen ein Konsortium – und dann ist die Finanzierung noch immer teuer bis zur Schmerzgrenze“, sagt der Finanzvorstand eines MDax-Konzerns.

Das bedeutet Schwerstarbeit für die IR-Manager: Klinkenputzen bei Großinvestoren – sogenannte Roadshows. Analystenkonferenzen abhalten. Noch mehr Detailwissen parat haben. Die IR-Leute von FMC, E.On, BASF und RWE machen im Dax den kniffligen Job nach Meinung der europäischen Analysten, Fondsmanager und Vermögensverwalter am besten; von den kleineren Firmen schneiden Deutsche Euroshop, Software AG, Takkt und Lanxess gut ab.

Um die besten Unternehmen zu ermitteln, haben die Marktforscher von Thomson-Reuters-Extel über 800 Profi-Investoren befragt – Manager von 142 Fondsgesellschaften, Versicherungen, Hedgefonds, Pensionskassen und Investmentbanken aus 17 Ländern, die täglich Investitions-Entscheidungen treffen. Wie schnell reagieren die Unternehmen auf komplexe Anfragen? Wie verlässlich sind die Daten, und wie oft tischen die Firmen ihren Investoren böse Überraschungen auf? „Die Antworten der Investoren haben wir nach deren Aktienkaufkraft gewichtet“, sagt Extel-Chef Steve Kelly, „wer viel in Deutschland investiert, dessen Stimme zählt entsprechend viel.“

Essen, Opernplatz, Montag 11. Mai, zehn Uhr: Auftakt-Meeting für die neue Woche in der Investor-Relations-Abteilung von RWE. IR-Chef Alphéus hat heute mit seinem elfköpfigen Team eine besonders dicke Agenda abzuarbeiten. Kaum einer bekommt mehr als drei Minuten Redezeit, immer wieder drängt Alphéus die Kollegen schneller auf den Punkt. In drei Tagen veröffentlicht RWE die Zahlen für das erste Quartal; einige Analysten und Investoren haben noch dringende Fragen; vor allem die geplante Übernahme des niederländischen Energiekonzerns Essent sorgt für Gesprächsbedarf.

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