Ratingagenturen: Grausame Wahrheit

KommentarRatingagenturen: Grausame Wahrheit

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Die Logos der Ratingagenturen "Fitch", "Standard & Poor's" und "Moody's

von Cornelius Welp

Der Streit zwischen Ratingagenturen und EU spitzt sich zu. Kritik an den Bonitätswächtern ist berechtigt, sie müssen bei ihren Bewertungen aber politische Ziele ignorieren.

Seit Beginn der Finanzkrise sind die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch ein dankbares Ziel öffentlicher Kritik. Schließlich waren es ihre Analysten, die auf zweifelhaften Hypotheken basierende Wertpapiere mit Höchstnoten versahen und damit gutgläubigen bis leichtfertigen Investoren schmackhaft machten. Ihre Fehleinschätzungen sind ohne Zweifel mitverantwortlich für die folgenden Milliardenschäden.

Wer einmal schlampt, schlampt immer weiter, meinen offenkundig europäische Politiker. Spätestens seit die Ratingagenturen Griechenland auf dem ersten Höhepunkt der Schuldenkrise Anfang 2010 deutlich herabstuften, haben sie sich auf die Bonitätswächter eingeschossen. Das geht soweit, dass nun offenbar über deren Haftung für ihre Einschätzungen diskutiert wird. Die Ratingagenturen drohen im Gegenzug damit, die Bewertung von Krisenstaaten einzustellen.

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Unabhängigkeit von den Agenturen

Das hätte dramatische Folgen. Ihre Einschätzungen sind Grundlage für Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds, für die Eigenkapitalunterlegung von Banken und zumindest bisher auch für Geschäfte der Banken mit den Zentralbanken – auch wenn die EZB nun angekündigt hat, künftig sämtliche Vermögenswerte irischer Banken als Sicherheit zu akzeptieren.     

Eine gerade veröffentlichte Studie des IWF scheint den Politikern Recht zu geben. Die Autoren haben die Auswirkungen von 71 Ratingaktionen in der Frühphase der Eurokrise untersucht. Ihre Ergebnisse sind nicht überraschend, aber sie weisen statistisch fundiert nach, dass Herabstufungen krisenverschärfende Folgen haben, die auf weitere Länder und Finanzmarktakteure übergreifen. Für die jüngsten Aktionen gilt das jedoch nicht mehr. Die aktuelle Abstufung Portugals etwa hatte nur begrenzte Folgen. 

Die Autoren der IWF-Studie empfehlen den Politikern vorzeitig zu kommunizieren, Notpläne für mögliche Instabilitäten bei Banken und Versicherungen zu erarbeiten und sich bei der Finanzmarktregulierung grundsätzlich unabhängiger von den Einstufungen der Agenturen zu machen. Das ist verständlich, denn natürlich ist es kaum nachvollziehbar, dass eine Hand voll Analysten mit wenig transparenten Rechenmodellen über das Schicksal einer Währung entscheiden. Allerdings sollten die Politiker akzeptieren, dass der europäische Gedanke, der Wille zur Einigung, in der rein ökonomischen Analyse der Agenturen keine Berücksichtigung findet. Was man bedauern kann. Die Wirklichkeit ist jedoch manchmal grausam.

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