Altersvorsorge Riester-Rente lohnt sich meist erst ab 90

Viele Bürger mit Riester-Rente müssten mindestens 90 Jahre alt werden, um wenigstens ihre selbst gezahlten Riester-Beiträge verzinst wieder zurück zu erhalten. Damit lohnt sich der Abschluss einer Riester-Versicherung für zahlreiche Arbeitnehmer nicht, ergaben Musterrechnungen, die Klaus Jaeger, Riester-Experte und Professor für Wirtschaftstheorie an der Freien Universität Berlin, exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt hat.

ARCHIV - Rentner sitzen am Bild vergrößern Rentner auf einer Parkbank. Die Riester-Rente, die Millionen Bürger abgeschlossen haben, lohnt sich für viele erst ab 90. dpa

So muss ein 30-jähriger Riester-Fondssparer mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 52.500 Euro 92 Jahre alt werden, um seine eigenen Beiträge samt Zinsen als Rente ausgezahlt zu bekommen. Tatsächlich hat ein derzeit 30-jähriger Mann nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aber eine Lebenserwartung von nur 78 Jahren, Frauen sterben im Durchschnitt mit 83 Jahren. Es sei besonders für Männer „sehr schwierig, so alt zu werden, dass sich die Riester-Rente lohnt“, sagt Jaeger.

Nur Geringverdiener profitieren mit hoher Wahrscheinlichkeit. Ein 30-jähriger Versicherter mit zwei Kindern und nur 18.000 Euro Bruttojahreseinkommen muss bei Abschluss einer Riester-Rentenversicherung mindestens 71 Jahre alt werden, um seine Beiträge zurück zu bekommen. Steigt das Einkommen aber, dauert es deutlich länger. Nach Berechnung von Professor Jaeger muss ein 30-Jähriger mit zwei Kindern und einem Bruttojahreseinkommen von 36.000 Euro schon 88 Jahre alt werden, bis sich die Versicherung lohnt.

Dass sich die Riester-Rente für viele Sparer nicht lohnt, liegt vor allem an der vollen Besteuerung der Auszahlungen im Ruhestand. Zudem kalkulieren die Versicherer mit einer Lebenserwartung der Versicherten, die bis zu zehn Jahre über der derzeitigen statistischen Lebenserwartung liegt. Die monatlichen Rentenzahlungen fallen folglich niedriger aus. Die staatlichen Prämien, mit denen Versicherer und Banken werben, kommen dadurch meist erst bei einer sehr langen Lebensdauer von mehr als 90 Jahren beim Kunden an.

Was viele Riester-Sparer ebenfalls bei Vertragsabschluss nicht beachten: Im Todesfall erben Nachkommen oft nichts. Vor allem bei Riester-Rentenversicherungen gehen sie leer aus, wenn nicht eine vererbbare Rente oder ein anderer Hinterbliebenenschutz vertraglich vereinbart wurde.

Riester fordert Ausweitung auf Selbstständige

Der Erfinder der Riester-Rente, der frühere Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD), fordert indes eine Ausweitung der Riester-Rente auch auf Selbstständige. „Der Kreis der Förderberechtigten ist in meinen Augen zu eng. Jeder sollte mit dem Eintritt ins Berufsleben eine geförderte Altersvorsorge abschließen können“, fordert Riester im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Das gilt vor allem auch für die viereinhalb Millionen Selbstständigen in Deutschland.“

Allerdings räumt Riester ein, dass die Versicherer oft mit zu hohen Lebenserwartungen der Versicherten kalkulieren und sich deshalb Riester-Renten weniger lohnen. „Ich habe Probleme damit, dass die Versicherer für die Kunden der Riester-Rente von einer höheren restlichen Lebenserwartung ausgehen als für den Rest der Bevölkerung. Außerdem kommen dann noch Risikoaufschläge drauf. Ich habe meine Zweifel daran, dass das wirklich begründet ist.“

Riester gab außerdem zu, dass die Riester-Rente erst seit dem Zeitpunkt ein Erfolg wurde, als der Gesetzgeber die Provisionsregelung für die Versicherungsvertreter geändert hat. „Ich habe bei der Einführung vorgeschrieben, dass die Anbieter ihre Abschlusskosten über zehn Jahre verteilen müssen. Üblich war damals, diese dem Kunden zu Beginn zu berechnen. Deshalb haben die Berater lieber Kapitallebensversicherungen verkauft, die auch Steuervorteile boten bei höheren Provisionen“, so Riester. „Als 2005 die Steuerprivilegien der Lebensversicherungen halbiert wurden und der Gesetzgeber den Anbietern erlaubt hat, die Abschlusskosten bei der Riester-Rente auf nur noch fünf Jahre zu verteilen, verkaufte sie sich plötzlich wunderbar.“

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79 Kommentare zu “Riester-Rente lohnt sich meist erst ab 90”

von Robo-Cop am 15.11.2009 10:12 Uhr

von Gerhard am 10.11.2009 15:24 Uhr

von SteffieK am 10.11.2009 15:17 Uhr

von finanzfux am 04.09.2009 20:28 Uhr

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