Rohstoff-Experte Weinberg: "Rohstoffmärkte sind für Pensionskassen ungeeignet"

Rohstoff-Experte Weinberg: "Rohstoffmärkte sind für Pensionskassen ungeeignet"

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Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank

von Frank Doll

Wenn Fonds Metalle physisch horten, droht Knappheit in der Industrie, und die Preise würden steigen, sagt Rohstoffexperte Eugen Weinberg.

Herr Weinberg, seit April sind die Preise von Industriemetallen wie Kupfer und Aluminium um ein Fünftel gefallen. Ist der Boden erreicht?

Das aktuelle Niveau bietet Chancen für Anleger und Unternehmen. Anleger können kurzfristig auf eine Zwischenerholung setzen und Rohstoff-einkäufer ihren Unternehmen langfristig ein attraktives Preisniveau sichern.

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Die Indikatoren nahezu aller Volkswirtschaften bilden Gipfel aus. Wie geht es weiter mit der Weltkonjunktur?

Vor gut einem Jahr lag die Wirtschaft am Boden. Die Veränderungsraten der Indikatoren werden sich allein schon wegen dieses statistischen Effekts auf Jahresbasis in Zukunft abschwächen. Das Wachstum wird sich fortsetzen, nur das Tempo wird abnehmen.

Warum haben die Rohstoffpreise dann so stark gelitten?

Weil mit der europäischen Schuldenkrise die Sorge vor -einer konjunkturellen Verlangsamung gestiegen ist.

Was ist, wenn Chinas Wachstum stark gebremst würde?

Noch steigen Konjunkturindikatoren in China – Exporte, Binnennachfrage, alles zieht stark an. Aber es besteht das Risiko einer Überhitzung mit Inflationsgefahren. Regierung und Zentralbank wollen die Kreditvergabe drosseln, die Zinsen anheben und die Währung aufwerten lassen. Sollte es zu einer harten Landung kommen, sehe ich schwarz für den Rohstoffsektor, vor allem für die Metallmärkte. Hier stellt China rund 40 Prozent der Nachfrage.

Also sollten Anleger Industrierohstoffe doch besser meiden?

Man sollte nicht unbedingt dabei sein, wenn es knallt. Nach dem scharfen Rücksetzer kann ich mir aber zunächst eine Zwischenerholung vorstellen. Auf längere Sicht gilt, dass die Metallpreise immer noch weit oberhalb der Grenzkosten notieren, also über den Kosten für die Herstellung etwa einer zusätzlichen Tonne Kupfer. In der Vergangenheit waren die Grenzkosten ein guter Indikator für die künftigen Preise. Somit haben die Preise auf Sicht von ein, zwei Jahren noch Abwärtspotenzial.

Australien will von 2012 an Minen mit einer Spezialsteuer von 40 Prozent belegen. Was bedeutete das für das Angebot?

Bei Ungewissheit über zukünftige Kosten und Steuern werden sich neue Projekte verzögern. Die geplante Steuer dürfte einige sogar unprofitabel machen und damit zur -Verknappung beitragen.

Banken wollen börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) auflegen, die -direkt in physische Rohstoffe investieren, etwa in Kupfer oder Aluminium. Eine gute Idee?

Die Logik dahinter kann ich nachvollziehen. Einerseits hätten Anleger mit einem ETF auch im Falle einer Insolvenz der Bank noch Zugriff auf den Rohstoff. Andererseits engen Zuflüsse in ETFs das physisch verfügbare Angebot für Rohstoffverarbeiter ein, was tendenziell preisstützend wirkt. Würden Investoren zum Beispiel zehn Milliarden Dollar in ETFs auf Industriemetalle investieren –, je bedeutender ein Metall für die Wirtschaft ist, desto mehr – dann würden die Lagerbestände an der Londoner Metallbörse LME für Aluminium um ein Drittel fallen, die für Nickel sich halbieren und die für Kupfer, Blei oder Zink komplett verschwinden. Die ETFs könnten so einen steilen Preisanstieg bewirken. Das ist bedenklich. Den Rohstoffverarbeitern aus der -Industrie werden die neuen Produkte nicht gefallen.

Warum sollte jemand, der -Kupfer kaufen möchte, das nicht tun dürfen – ob er es nun lagert oder verarbeitet?

Es geht nicht darum, Rohstoffinvestments per se zu verbieten. Nur muss ihr Einfluss auf die Preisfindung -beschränkt werden. Die Rohstoffmärkte sind nicht geeignet für gigantische Anlagesummen von Hedgefonds, Investmentfonds, Versicherungen und Pensionskassen. Rohstoffe leiten ihren Wert vom Verbrauch ab, nicht von der Hortung. Der Preis sollte vor allem das Verhältnis zwischen physischem Angebot und physischer Nachfrage spiegeln, nicht die Erwartungen von Spekulanten und den Anlagenotstand von Großinvestoren. In der Realität spielen Finanzanleger aber eine immer wichtigere Rolle.

Und wenn Transparenz gewährleistet wäre, also jeder sehen könnte, wer welche Rohstoffmengen hält?

Das ist Idealismus und nicht zu kontrollieren. Die Rohstoffmärkte sind alles andere als transparent. Schauen Sie sich die Lagerstatistiken der LME an. Durch das Verschieben von Beständen zwischen registrierten und nichtregistrierten Lagerhäusern kann Knappheit signalisiert und ein Preis nach oben getrieben werden. Schon heute sind nur noch wenige Marktteilnehmer in der Lage, die Marktdaten im Detail zu analysieren. Um Transparenz herzustellen, müssten Sie auch China dazu bringen, sich in die Karten schauen zu lassen. Bei dem Versuch wünsche ich viel Erfolg.

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