Rohstoffmärkte: Wie Spekulanten mit Lebensmitteln zocken

Rohstoffmärkte: Wie Spekulanten mit Lebensmitteln zocken

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Ein Mähdrescher bei der Weizenernte

von Andreas Toller

Achterbahn beim Preis für Weizen: Längst haben finanzstarke Investoren den Markt für sich entdeckt. Ernteprognosen und Exportverbote machen unser täglich Brot zum Spielball für Spekulanten.

Partystimmung an der Warenterminbörse in Chicago: Nach drei Tagen mit rückläufiger Tendenz legten die Weizenpreise erstmals wieder zu. Termingeschäfte auf Weizen mit Liefertermin Dezember verteuerten sich um knapp zwei Prozent, ein Scheffel, was einem Volumen von 32,5 Litern entspricht, notierte bei 7,40 Dollar. Die Angst vor einer Weizenknappheit trieb wieder den Preis, denn Gerüchte machten die Runde, dass nach dem Exportverbot Russlands bis zum Jahresende auch andere Weizenproduzenten wie Kasachstan und die Ukraine einen Ausfuhrstopp verhängen könnten.

Dabei hatte sich die Lagen am Weizenmarkt in den Tagen zuvor deutlich entspannt. Gestern hatte sich der in den USA gehandelte Terminkontrakt auf bis zu 7,03 Dollar je Scheffel verbilligt und lag damit rund 17 Prozent unter seinem Zwei-Jahres-Hoch vom Freitag vergangener Woche. „Die wegen der Dürre zu erwartenden Ernteausfälle in der Schwarzmeer-Region sind geringer als zunächst gedacht“, sagte Rohstoff-Experte Jonathan Barratt von Commodity Broking Services. Die drastischen Preisaufschläge waren seiner Auffassung nach überzogen. Dennoch war die Abkühlung der Weizenpreise nur ein Zwischenspiel. Allein in den sechs Wochen zuvor hatte sich der Weizenpreis wegen der Dürre in Russland und prognostizierten Ernteausfällen nahezu verdoppelt.

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Aufgeblähter Markt

Starke Kursschwankungen rufen die Spekulanten auf den Plan: Die Weizenpreisrally hat Privatanleger an der Börse Stuttgart vergangene Woche verstärkt in börsennotierte Rohstoff-Indexfonds (ETFs) getrieben. Besonders gefragt war unter anderem der Market Access RICI Agriculture Index von Rohstoff-Guru Jim Rogers, der in den vergangenen zwölf Monaten ein Kursplus von knapp 20 Prozent vorweisen konnte. Wer will sich da schon mit zwei Prozent auf Tagesgeld zufrieden geben?

„Die Anleger wollten an dem Kursanstieg bei Weizen teilhaben und haben sich deshalb einen Fonds mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent an Weizen angeschafft“, kommentiert Michael Görgens, Leiter des ETF-Handels in Stuttgart, das Interesse der Anleger. Dabei wies der Fond auf Sicht der vergangenen drei Jahre immer noch ein Minus von mehr als zehn Prozent aus.

An den Börsen und eben auch bei den Privatanlegern nimmt offenbar die Risikobereitschaft nach den schmerzhaften Erfahrungen der Finanzkrise wieder zu.

Der Handel mit Rohstoffen und verwandten Wertpapieren umfasst heute ein Volumen von Hunderten von Milliarden. Längst sind nicht mehr die Rohstoffproduzenten und ihre Abnehmer die Hauptakteure, sondern Banken, Hedgefonds und Investmentgesellschaften. Sie schließen einerseits Wetten auf steigenden oder fallende Rohstoffpreise ab. Andererseits verdienen die Banken auch noch an Absicherungsgeschäften gegen stark schwankende Preise.

Nach Informationen des "Handelsblatt" haben allein die US-Großbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan und die Bank of America rund vier Billionen Dollar an den Rohstoffmärkten bewegt – und damit selbst zu deutlichen Preisschwankungen im Rohstoffsektor beigetragen.

Absicherung sinnvoll

Dabei haben die Absicherungsgeschäfte schon ihren Sinn. Beispiel Lufthansa: Die Fluggesellschaft ist einer der größten deutschen Akteure bei solchen Geschäften. Sie kauft meist für bis zu zwei Jahre im Voraus über Optionen auf Rohöl im Wert von Milliarden Euro, um nicht von plötzlichen Preissteigerungen überrascht zu werden. Auf der Gegenseite stehen im Idealfall zum Beispiel Erdölfirmen, die sich vor einem plötzlichen Preisverfall schützen wollen. Mit dem frühzeitigen Verkauf zum festgelegten Preis kann sich hier der Erdölproduzent gegen einen Preisrutsch absichern.

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