Rohstoffradar: Finanzinvestoren ziehen sich aus Öl-Investments zurück

Rohstoffradar: Finanzinvestoren ziehen sich aus Öl-Investments zurück

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Rohstoffradar Juni 2010

von Andreas Toller

Der Rohstoffradar für den Monat Juni weist vor allem bei den Industrie- und Edelmetallen zunehmende Preisschwankungen aus. Der Grund: Finanzinvestoren ziehen sich zurück.

Die Preise für Industriemetalle sind in den vergangenen Wochen überwiegend gefallen. Zum einen schlägt sich in den Preisrückgängen die wachsende Sorge vor einer Verlangsamung des Wachstumstempos in China nieder, zum anderen spielt die Schuldenkrise eine wichtige Rolle. Die Verunsicherung über die Stabilität des Euro sowie Inflationsängste schwächen sich ab, so dass sich Profi-Investoren wieder aus den Rohstoffmärkten für Industriemetalle zurückziehen. Indiz dafür sind die rückläufigen spekulativen Netto-Long-Positionen im Kupfermarkt, das heißt der Saldo aus Wetten auf fallende gegenüber Wetten auf steigende Kupferpreise fällt weniger stark zugunsten steigender Preise aus. Dabei liegen die Preise für Industriemetalle wie Aluminium, Nickel oder Zink zum Teil unterhalb der Produktionskosten. Der Grund: Die Kapazitäten nehmen ab. „Für die nächsten ein bis drei Monate rechnen wir jedoch mit wieder steigenden Preisen“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank.

Edelmetall- und Weizenpreise geben nach

Auf dem Markt für Edelmetalle stellt sich die Situation ähnlich dar: Die Preise für Silber, Platin und Palladium haben zuletzt nachgegeben, lediglich der Goldpreis zog weiter an. Die Verunsicherung der Anleger angesichts der Schuldenkrise und die Sorge um eine Zunahme der Inflation trieben gerade institutionelle Investoren zu Gold-Investments. „Allein die börsengehandelten Fonds, die sogenannten ETF, haben in den vergangenen vier Wochen 100 Tonnen Gold gekauft. Zudem stockt China seine Bestände auf, zum Teil aus der eigenen Produktion. Dieses Gold fehlt dann auf dem Weltmarkt“, argumentiert Eugen Weinberg. Nun könne es zwar kurzfristig zu Preisrückgängen kommen, mittel- bis langfristig sei der hohe Goldpreis aber zumindest stabil mit eher steigender Tendenz, so Weinberg.

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Auf dem Markt für landwirtschaftliche Erzeugnisse herrscht hingegen ein Überangebot. Vor allem Getreide wie Weizen sind nach den Ernteüberschüssen der vorigen Jahre reichlich im Angebot. Zudem ist der Ausblick auf die diesjährigen Ernten optimistisch, zumal die Ernte in Teilen der USA bereits begonnen hat. „Wir sehen hier auf Sicht von zwölf Monaten zumindest keinen Rückgang der Lagerbestände“, sagt Rohstoffexperte Weinberg.

Bei Sojabohnen steht einer starken Ernte auf dem amerikanischen Kontinent eine große Nachfrage aus China gegenüber. Weinberg rechnet daher mittelfristig mit einem anziehenden Preis, kurzfristig gebe es aber wenig Spielräume. Die Preisvolatilität für Soja ist dementsprechend gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Bei Mais seien die Lagerbestände allerdings niedriger und das Angebot nur leicht überschüssig. Hier ist für den Preis die hohe Nachfrage weniger entscheidend, als die Maisernte. Da die Nachfrage weiter zunehmen dürfte, kommt es bei Mais vielleicht sogar noch in diesem Jahr zu einem Angebotsdefizit.

Fundamentaler Ölpreis

Beim Ölpreis kehrt hingegen wieder mehr Normalität ein. Nach den überzogenen Preisanstiegen der vergangenen Wochen und Monate, die den massiven Käufen der Finanzinvestoren geschuldet waren, bewegt sich der Ölpreis wieder in Richtung seiner fundamental begründbaren Höhe. Die Spekulanten ziehen sich wie erwähnt wieder aus ihren Rohstoff-Investments zurück. Commerzbank-Analyst Weinberg rechnet jedoch mit einer Preisuntergrenze für das Barrel Rohöl bei 70 Dollar. „Nach dem BP-Debakel im Golf von Mexico hat die US-Regierung zunächst viele Ölbohrungen untersagt, was sich langfristig negativ auf die Produktion auswirkt. Außerdem erwartet die US-Wetterbehörde in diesem Jahr die schlimmste Hurrikan-Saison seit 2005. Dann würden Ölplattformen zeitweise geschlossen oder sogar beschädigt.“ In diesem Fall käme es zum Abbau der Lagerbestände. „Aber noch befindet sich der Ölmarkt im Überangebot, zumal die OPEC mehr Erdöl fördert, als beschlossen wurde“, sagt der Rohstoffexperte. Einen Ölpreis von 80 Dollar hält er deswegen nur kurzzeitig für denkbar, mittelfristig dürfte er zwischen 70 und 75 Dollar schwanken: „Für 2011 rechnen wir dann wieder mit einem moderaten Anstieg beim Ölpreis.“

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