_

Rolf Christof Dienst im Interview: „Eine gesunde Zäsur“

von christof.schuermann@wiwo.de

Der Vorsitzende des Private-Equity-Verbands, Rolf Christof Dienst, im Interview über die wachsenden Turbulenzen bei Übernahmen.

WirtschaftsWoche: Herr Dienst, Milliarden-Übernahmen von Finanzinvestoren drohen zu scheitern. Platzt jetzt die Private-Equity-Blase?Rolf Christof Dienst: Die Banken stehen sicher stark unter Druck. Ich sehe die Probleme mehr dort als bei den Private-Equity-Investoren. Die Kreditabteilungen haben in der Vergangenheit einfach zu großzügig das Geld ausgegeben und haben nach dem Anstieg der Zinsen nun Probleme, Käufer für die Anleihen zu finden. Das wird sich aber schon bald wieder normalisieren, dann zu neuen Finanzierungsbedingungen. Kritischer sind die Probleme bei der Kreditvergabe für US-Hypotheken. Da hat ganz offensichtlich eine ganze Bankergeneration jegliches Risiko ausgeblendet. Nicht nur Banker waren bei der Kreditvergabe auf beiden Augen blind – auch der Übernahmen-Markt ist doch überhitzt. Wir haben an der Grenze zur Überhitzung gestanden. Die neuen Entwicklungen sind eine gesunde Zäsur, ein natürlicher Marktmechanismus. Schlimm wäre es, wenn wir wie im Jahr 2001 auch eine schwache Konjunkturphase hätten. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind aber nach wie vor positiv. Alles in allem werden alle Beteiligten mit dem Schrecken davonkommen. Wirklich? Der Kreditmarkt ist verstopft. An der Börse steigt das Risiko, Übernahmepreise sind auf Rekordniveau. Die Schuldenlast könnte Unternehmen erdrücken. Die Ausfallraten bei Unternehmensschulden sind sehr niedrig. Sicher kann niemand sagen, was in ein paar Jahren sein wird. Die Unternehmen und ihre Investoren müssen darauf setzen, den Rückenwind der guten Geschäfte zu nutzen, um die Schulden auf ein Maß zu reduzieren, das auch in Zeiten höherer Zinsen problemlos zu schultern ist. Unternehmen, die mit Private Equity finanziert sind, könnten also auch pleitegehen? Ausschließen kann das niemand, aber bei den großen Mehrheitsübernahmen tendiert die Ausfallrate gegen null. Zuletzt sind Übernahmen zu 90 Prozent mit Schulden finanziert worden. Früher setzten Finanzinvestoren zumindest ein Drittel an Eigenkapital ein. Geht es da wieder hin? Transaktionen mit diesen hohen Fremdkapitalanteilen sind mir nicht bekannt. Aber ich denke, die Eigenkapitalanteile werden sicherlich wieder zunehmen. Dies wäre kein Problem, da die Fonds genügend Kapital bei ihren Anlegern eingesammelt haben. Müssen sich diese Anleger dann auf niedrigere Renditen einstellen? Ja. Davon ist auszugehen. Die Renditen auf das eingesetzte Kapital der Fonds waren ungewöhnlich hoch, weil die Banken viel günstiges Fremdkapital zur Verfügung stellten. Je stärker jetzt der Eigenkapitalanteil steigt, desto mehr drückt das die Rendite. Die zuletzt zum Teil erzielten Ergebnisse mit weit über 20 Prozent Rendite auf den Kapitaleinsatz haben das Übliche nicht widergespiegelt. Normalerweise bringt Private Equity etwa fünf Prozentpunkte mehr als der Aktienmarkt. Also etwa 12 bis 13 Prozent Rendite? Ja, da wird es im Schnitt wieder hingehen. Die von den Finanzinvestoren angefachte Übernahmefantasie war der Treiber der letzten Aufwärtsbewegung an der Börse. Fällt die nun weg? Teilweise schon. Damit tritt insgesamt eine Beruhigung der teils zu hohen Bewertungen bei Übernahmen ein. Von den hohen Bewertungen haben Finanzinvestoren profitiert, indem sie ihre Beteiligungen teuer an die Börse brachten. Da haben sie schnelles Geld verdient. Die Chancen durch das positive Börsenumfeld wurden genutzt, und einige Unternehmen wurden früher als geplant an die Börse geführt. Auch so kamen die hohen Renditen zum Teil zustande. Die hohen Renditen gab es bei den riesigen Übernahmen. Dafür war auch immer genug Geld da. Fehlt es nicht an Kapital zur Finanzierung junger Unternehmen? Wir brauchen in Deutschland sowohl Geld für die Finanzierung des Mittelstandes als auch viel mehr sogenanntes Venture Capital für junge Firmen. Hier gibt es nach wie vor einen Mangel. Für unsere Wirtschaft insgesamt sind Private-Equity-Gelder gut. Ein Fall wie Daimler wäre mit Private Equity nicht passiert. Sie meinen die Verschwendung von Milliarden für die Fusion mit Chrysler? Ja, für Chrysler und die vielen anderen Fehlinvestitionen bei Daimler in den vergangenen Jahren. Finanzinvestoren kungeln nicht mit dem Vorstand, wie es nach dem alten Vorbild der Deutschland AG teils immer noch Sitte ist.

Anzeige

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.