Salzgitter-Chef Wolfgang Leese im Interview: "Abwrackprämie hat geholfen"

Salzgitter-Chef Wolfgang Leese im Interview: "Abwrackprämie hat geholfen"

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Der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Wolfgang Leese, sitzt am Mittwoch (27.05.2009) in Braunschweig während der Hauptversammlung des Stahlkonzerns vor den Aktionären. Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern Salzgitter sieht nach den schweren Markteinbrüchen Licht am Ende des Tunnels. Foto: Peter Steffen dpa/lni (c) dpa - Bildfunk

Warum Wolfgang Leese, Vorstandschef des Stahlkonzerns Salzgitter, bis Jahresende mit einer Erholung der Stahlkonjunktur rechnet, wann er die Preise anheben will, wie die Chancen auf ein ausgeglichenes Ergebnis 2009 stehen.

WirtschaftsWoche: Herr Leese, wann kommt in der Stahlkonjunktur die Wende?

Leese: Die Auftragseingänge im Mai stimmen uns zuversichtlich, auch der Juni lief bisher nicht schlecht. Ab dem Spätsommer dürften wir Schritt für Schritt zu normaleren Marktverhältnissen zurückkommen. Dass wir die derzeitige Kurzarbeit in der Grobblechproduktion weiterhin aufrechterhalten, scheint fraglich.

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Und wenn sich die Konjunktur nicht erholt? 

Es hilft es uns auf alle Fälle, dass die Lagerbestände vieler Kunden niedrig sind, insbesondere in der Autoindustrie. Die Abwrackprämie hat hier wirklich etwas bewirkt.

Ist das auch bei den Infrastruktur-Projekten so? Die werden schließlich als große Gewinner der weltweiten Konjunkturprogramme betrachtet.

Davon ist derzeit wenig zu spüren. Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland, sondern auch für große Länder wie Amerika. Es wird mehr geredet als gehandelt.

Woher kommen dann die entscheidenden Impulse für die Erholung? 

Am wichtigsten ist die anziehende Nachfrage in den Schwellenländern. In Indien etwa spüren wir, dass der Binnenmarkt sehr stabil ist; in China wirkt sich die starke Nachfrage positiv auf unser Stahlhandelsgeschäft aus.

Reicht das, damit Salzgitter in diesem Jahr nach den bisherigen Verlusten noch in die schwarzen Zahlen kommt? 

Das zweite Quartal war schwierig, und im dritten Quartal werden sich zudem die Ferienzeiten in den Produktionsmengen niederschlagen. Einen echten Schub erwarten wir dann im vierten Quartal. Wenn das gut läuft, können wir 2009 in die Nähe eines Null-Ergebnisses kommen.

Im Röhrengeschäft profitiert Salzgitter vom Bau der Ostseepipeline. Wird der Rückgang nach diesem Großprojekt dann umso heftiger?

Keineswegs, das Geschäft mit Röhren ist für uns sehr aussichtsreich. Wir verhandeln bereits über neue Projekte und Anschlussaufträge für die Zeit nach der Ostseepipeline. Zahlreiche Öl- und Gaskunden stehen vor der Tür. Überall, wo Pipelines im Meer verlegt werden, sind wir – als Marktführer auf diesem Gebiet – vorn mit dabei. Für 2010 und 2011 sind hier wesentliche Aufträge absehbar.

Wäre es da nicht gut, das Röhrengeschäft ihres Gemeinschaftsunternehmens Europipe, an dem Salzgitter zu 50 Prozent beteiligt ist, weiter auszubauen?

Wir loten mit unseren Partnern Möglichkeiten aus, die Kapazitäten zu erweitern.

Auch durch Zukäufe?

Ja, wir schauen uns um, allerdings sind keine konkreten Übernahmen geplant.

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