Schuldenkrise: Das Pfund im Fadenkreuz

Schuldenkrise: Das Pfund im Fadenkreuz

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Britische Pfundnoten

von Andreas Toller

Die Schuldenprobleme Griechenlands und anderer EU-Staaten haben Spekulanten dazu getrieben, gegen den Euro zu wetten. Ihr jüngstes Opfer ist nun das britische Pfund. Aktuelle Schuldenprognosen und der ungewissen Ausgang der nächsten Wahlen auf der Insel geben ihnen Rückenwind.

Keine Frage, Großbritannien hat es in der Finanzkrise schwer erwischt. Nach den US-Banken und dem Versicherungsriesen AIG waren es vor allem die britischen Großbanken, die durch spektakuläre Verstaatlichungen und mithilfe horrender Milliardenbeträge aus der Staatskasse gerettet werden mussten. Beispielhaft sei hier nur an die Royal Bank of Scotland (RBS) erinnert, die mit Millionen-Boni trotz Milliarden-Verlusten die britischen Großbanken in Verruf brachte.

Die Spekulationen gegen das Pfund sind eine mittelbare Folge davon. Nachdem sich Großbritannien massiv verschuldet hat, um Banken und Konjunktur zu retten, steht der Staatshaushalt desolat da. Die Neuverschuldung der Briten soll Schätzungen zufolgen in diesem Jahr zwischen 12,6 und 12,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Zum Vergleich: Im Falle Griechenlands rechnet die EU-Kommission mit einem Minus von 12,7 Prozent.

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Schuldenlast steigt weiter

Die gesamten Staatsschulden Großbritanniens werden nach Schätzungen der Europäischen Kommission bis 2011 auf 88,2 Prozent des BIP anschwellen. 2008 betrug die Schuldenquote noch 52 Prozent. Eine Neuverschuldung von knapp 13 Prozent in diesem würde bedeuten, dass Großbritannien das größte Finanzloch aller großen Industrieländer aufweist. 2008 betrug das Haushaltsdefizit noch knapp 91 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds rechnet zudem mit einem Rückgang der britischen Wirtschaftsleistung um 13 Prozent in den kommenden Jahren – ein Wert, der um vier Prozentpunkte über den Prognosen für Griechenland liegt. Im Wahlkampf spielen die gesamten Staatsschulden Großbritanniens in Höhe von 858 Milliarden Pfund (965 Milliarden Euro) daher eine große Rolle.

Um das in den Griff zu bekommen, benötigen die Briten einen rigiden Sparkurs – und der braucht wiederum eine durchsetzungsstarke Regierung. In diesem Frühjahr stehen die Parlamentswahlen an. Eine Umfrage, die den sicher geglaubten Wahlsieg der konservativen Tories in Frage stellt, schürte die Angst vor einer schwachen Regierung ohne klare Mehrheit. Das ließ die Sorge um das Pfund neu aufflammen – und befeuerte die Spekulationen gegen die britische Währung. Am Montag sackte das Pfund Sterling auf den niedrigsten Stand seit fast zehn Monaten: 1,50 US-Dollar. Auch in Euro fiel der Wechselkurs zeitweise unter die Marke von 1,10 Euro je Pfund. Inzwischen gab es eine leichte Erholung, aber eine Entwarnung ist das noch nicht.

Es spricht einiges dafür, dass Hedgefonds an den Wetten gegen das Pfund beteiligt waren. An der Terminbörse von Chicago (Chicago Mercantile Exchange, CMC) hatte in der zweiten Februarhälfte die Zahl der Short-Kontrakte, also der Wetten auf einen fallenden Pfund-Kurs, signifikant zugenommen.

Bonität leidet

Die Angst, Großbritannien könnte vielleicht seine Schulden irgendwann nicht mehr bedienen, ohne die Notenpresse anzuwerfen, nimmt unter Anlegern zu. Das sorgt für Verkäufe britischer Staatsanleihen, was wiederum den Pfundkurs belastet. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkte bereits im vergangenen Mai den Ausblick für die Bonitätsnote des Landes auf negativ. Jetzt erhält die Sorge, Großbritannien könne die höchste Bonitätsstufe AAA verlieren, neue Nahrung.

Ob das Vertrauen zurückkehrt, dürfte somit maßgeblich vom Verlauf der Parlamentswahlen abhängen und ob die Regierung in der Lage ist, das Staatsdefizit in den Griff zu bekommen – notfalls mit einer Minderheitsregierung. Wie wichtig ein konkretes, realisierbares Sparprogramm für einen hoch verschuldeten Staat ist, führt die Sorge um Griechenland in den Euroländern derzeit sehr plastisch vor Augen.

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