Schutzverein SdK: Aktionärsschützer unter Manipulationsverdacht

Schutzverein SdK: Aktionärsschützer unter Manipulationsverdacht

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Namen ad absurdum geführt: Waren Anlegerschützer illegal am Kapitalmarkt unterwegs?

von Stefan Hajek und Niklas Hoyer

Die Affäre um mutmaßliche Kursmanipulationen bedroht die Glaubwürdigkeit des Anlegerschutzvereins SdK. Auch der Kurs der Conergy-Aktie soll gedrückt worden sein..

Tobias Bosler hat ein Gespür für Geschäfte. Für 2500 Euro am Tag können Ibiza-Urlauber über „TFB Yacht Charter“ die edle 20-Meter-Motoryacht „Excalibur 1“ chartern. Bootstyp Sunseeker Predator 63, zwei Kabinen, zwei Badezimmer. Nach der Wasserski-Tour mixt der Kapitän Gästen Cocktails. Schade: Interessenten können unter der Telefonnummer der TFB Capital in München niemanden mehr erreichen.

Yachtvermieter Bosler, im Hauptberuf Geldverwalter, Börsenbriefherausgeber, Ex-Mitarbeiter des umstrittenen Ex-Hedgefondsmanagers Florian Homm und Ex-Sprecher der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK), sitzt in Untersuchungshaft. Auch gegen Markus Straub, früherer SdK-Vizechef, und einen weiteren Börsenbriefherausgeber hat das Amtsgericht München Haftbefehl erlassen. Bosler soll einer der Hauptakteure eines Netzwerks von 31 Beschuldigten sein, einer Allianz aus angeblichen Anlegerschützern, Spekulanten, Börsenbrief-Autoren und Finanzjournalisten, gegen die die Staatsanwaltschaft München wegen möglicher Kursmanipulation ermittelt.

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"Klarer Verkaufskandidat"

Ende  September durchsuchten 160 Polizeibeamte und 12 Staatsanwälte 48 Büros und Wohnungen. Darunter die Büros der SdK, aber auch der VEM Aktienbank und der Wallstreet Online AG, die ein Börsenforum betreibt. Zu den Beschuldigten zählen neben Straub und Bosler auch SdK-Chef Klaus Schneider sowie SdK-Sprecher Christoph Öfele. Öfele war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Vorwurf: Die Beschuldigten sollen Aktien gekauft oder auf deren fallende Kurse spekuliert und dann gezielt Nachrichten zu den Firmen verbreitet haben, ohne auf ihre finanziellen Interessen hinzuweisen, und damit hohe private Gewinne eingestrichen haben. So äußerte SdK-Chef Schneider im Juni 2008 auf der Hauptversammlung von Wirecard Zweifel an deren Bilanz. Auch SdK-Vize Straub kritisierte Wirecard öffentlich.

Wirecard schlug zurück, sammelte Informationen zu den SdK-Funktionären und deckte schließlich auf, dass Straub seit Mai 2008 auf einen Kursrutsch der Wirecard-Aktie spekuliert hatte. Insgesamt sollen ihm diese Deals rund eine Million Euro eingebracht haben. Er musste zurücktreten. SdK-Chef Schneider, der selbst nicht mit Wirecard-Aktien spekuliert haben will, hat davon nach Aussagen seiner Anwälte vor der Veröffentlichung durch Wirecard nichts gewusst.

Die aktuellen Ermittlungen richten sich auf mögliche Manipulationen bei rund 20 Firmen. Neben Wirecard sind der Flugzeugmotorenhersteller Thielert und der TecDax-Wert Conergy betroffen. Conergy war bis 2008 der größte Solarwert Deutschlands, verfügt aktuell über einen Börsenwert von 237 Millionen Euro. Offiziell äußert sich Conergy nicht zu den Ermittlungen. Conergy selbst habe bisher keine Anzeige erstattet, aber Kontakt zur Staatsanwaltschaft München aufgenommen, um etwaige Manipulationen aufzudecken, sagt eine mit den Ermittlungen vertraute Person. Es geht vor allem um Vorgänge im Herbst 2007, als Conergy schwere Probleme hatte und in kurzer Zeit drei Gewinnwarnungen veröffentlichte. Kurz vor der Bekanntgabe der schlechten Nachrichten sollen brisante Informationen in Börsenbriefen verbreitet worden sein. Ein Brief zitierte aus einem vertraulichen Schreiben des damaligen CEO Hans-Martin Rüter, in dem dieser drakonische Sparmaßnahmen ankündigte.

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