Schweiz: Wie der Fiskus bei Schwarzgeld abkassiert

Schweiz: Wie der Fiskus bei Schwarzgeld abkassiert

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Die Schweizer Flagge weht auf dem Dach der Schweizer Botschaft in unmittelbarer Nähe zur Glaskuppel des Bundestages.

von Daniel Schönwitz

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Bald kassieren Schweizer Banken einen Teil des Vermögens deutscher Anleger ein, um es nach Berlin zu überweisen. Was Betroffene erwartet, wie das Bankgeheimnis weltweit erodiert, warum der Alpenstaat trotzdem hohe Kapitalzuflüsse verzeichnet.

Lindau am Bodensee. Ein idyllisches Städtchen mit historischer Innenstadt, eingebettet in die grünen Hügel der Voralpen. Ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Doch mancher kann es kaum erwarten, Lindau hinter sich zu lassen. Denn wer hier auf der Bregenzer Straße gen Norden fährt, kommt oft von seiner österreichischen oder Schweizer Bank und hat Schwarzgeld im Gepäck. Das weiß auch der Zoll, der hier, mitten im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz, besonders häufig kontrolliert. Zuletzt mit großem Erfolg: "In diesem Jahr haben wir bisher deutlich mehr Bargeld und Gold gefunden als sonst", berichtet ein Zöllner. Kein Wunder. Denn deutsche Schwarzgeld-Anleger sind nervös – und haben allen Grund dazu. Seit Monaten verhandeln Deutschland und die Schweiz über einen bilateralen Vertrag, der das traditionsreiche Bankgeheimnis, das die Schweiz zu einem der wichtigsten Finanzplätze der Welt gemacht hat, endgültig abschaffen wird. Heute haben sich die Finanzstaatssekretäre auf einen Abkommenstext geeinigt.

Nachdem sich die Eidgenossen Ende 2010 verpflichtet haben, enger mit deutschen Fahndern zu kooperieren, steht dadurch nun der Dammbruch bevor: Künftig wollen die Banken nicht nur Daten liefern, sondern auch einen Teil des Schwarzgeldes deutscher Kunden abzwacken und direkt nach Berlin überweisen.

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Nervosität in der Finanzbranche

Das möchten zahlreiche Anleger verhindern – und versuchen deshalb verzweifelt, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen. Zum Beispiel, indem sie es abheben und über die Grenze schmuggeln. Das ist jedoch seit einigen Wochen deutlich schwieriger: Offenbar zahlen Schweizer Banken deutschen Kunden nur noch dann hohe Beträge aus, wenn diese belegen, dass es sich um legales Vermögen handelt. Die Geldhäuser fürchten, dass anderenfalls nicht mehr genug für Zahlungen an den deutschen Fiskus da ist.

Solche heftigen Eingriffe in die Eigentumsrechte zeigen: Die Nervosität hat auch die Finanzbranche erfasst. Banker und Kunden fragen sich gleichermaßen, wie das Abkommen im Detail aussieht, wann es endlich verkündet wird und welche Folgen es hat. Zahlreiche Anleger hoffen zudem, dass sie günstiger wegkommen als bei einer Selbstanzeige – und haben entsprechende Pläne auf Eis gelegt.

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