Skandalfonds K1 : Millionen für Miami

Skandalfonds K1 : Millionen für Miami

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Traumhafte Provisionen versprach der Hedgefonds K1

Der Skandal um den Psychologen Helmut Kiener und seinen Fonds K1 beweist: Man muss nur hohe Gewinne versprechen – schon brennen in der Finanzbranche alle Sicherungen durch.

"Genießen Sie es", sagt die Stimme aus dem Hintergrund. Zu genießen sind ein Südsee-Strand mit schönen Frauen in Bikinis unter Palmen. Dann zwei knallrote Ferraris.

All das könne sich der Betrachter sicher leisten, sagt die Stimme. Dank einer „verhältnismäßig gigantischen Summe“ an Provision, die dem Finanzberater winkt, wenn er K1 verkauft. K1, das ist die Hedgefonds-Gesellschaft des Aschaffenburger Diplom-Psychologen und Sozialpädagogen Helmut Kiener – und künftig das Kürzel für einen der größten deutschen Anlageskandale. Der 50-Jährige sitzt seit Ende Oktober in U-Haft, wegen Betrugsverdachts in besonders schwerem Fall.

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Es geht um mindestens 523 Millionen Euro, die Großbanken und Anlegern gehören und – wenn sie noch da sind – vor allem in zwei Fonds auf den britischen Jungferninseln stecken sollen. Die Fonds zahlen zurzeit keine Anleger aus. In Kieners Haftbefehl ist die Rede von „Liquiditätsproblemen“ , sodass die Gefahr bestehe, dass die dubiosen Anlagevehikel „keinerlei Wert mehr besitzen“.

"Zur Pflege seines luxuriösen Lebensstils"

Kiener hat laut Staatsanwaltschaft Würzburg mit Kapital der Banken Barclays und BNP Paribas einen Geldkreislauf betrieben, der ihm über diverse Tarngesellschaften heimliche Zusatzgebühren einbrachte — von Barclays allein 20 Millionen Euro.

Grob skizziert funktionierte der Kreislauf so: Barclays gab 2006 Zertifikate heraus, über die Anleger an der Wertentwicklung von Kieners Hedgefonds profitieren sollten. Die Papiere wurden an Anleger verkauft. Die Erlöse plus Hunderte Millionen, die Kiener von den Banken bekam, sollte er in einzelne Hedgefonds investieren. Einen großen Teil aber steckte er in Tarngesellschaften oder zweigte sie gleich für sich ab. JP Morgan und Société Générale (SG) hätten ebenfalls mit Kiener zusammengearbeitet, heißt es in Finanzkreisen. SG bezeichnet ihr Engagement als „vernachlässigbar“.

Kiener soll unter anderem Geld abgezweigt haben für ein 1,7 Millionen Euro teures Baugrundstück in Aschaffenburg, zwei Privatjets und einen Helikopter. Einer der Jets, ein Bombardier Global Express, kostete 37 Millionen Euro. Weitere Einkäufe: zwei Villen in Miami, die laut Haftbefehl „dem Angeklagten persönlich zur Pflege seines luxuriösen Lebensstils zur Verfügung stehen“. 2,4 Millionen Euro landeten auf einem Konto bei der Schweizer Bank Sarasin, weitere Millionen bei Credit Suisse.

Die Vorwürfe, die Kiener jetzt in Untersuchungshaft brachten, gründen nach Informationen der WirtschaftsWoche auf Hinweisen von Banken, die mit Kiener Geschäfte machten. Sie schöpften Verdacht und informierten die deutsche Finanzaufsicht BaFin.

„Das Verfahren ist durch Anzeigen in Gang gekommen. Die kamen nicht direkt von der BaFin“, sagt Dietrich Geuder, der leitende Oberstaatsanwalt in Würzburg. Geldgeber im Ausland seien misstrauisch geworden und hätten die BaFin informiert, sagen zwei Branchenkenner. Einer Bank sei aufgefallen, dass drei Hedgefonds, in die Kiener investierte, nicht wie fast alle anderen Hedgefonds wegen der Finanzkrise im zweiten Halbjahr 2008 Verlust machten, sagte eine weitere mit dem Vorgang vertraute Person.

So stieß die Bank auf die Fonds Nauticus I, Nauticus J und Silverback und informierte die Aufsicht. Die drei Fonds würden über die Gesellschaft Oceanus von Kiener kontrolliert und seien ein wichtiger Teil seines Geldkreislauf-Systems, heißt es im Haftbefehl.

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