Solar Millennium: Utz Claassen: "Seine Leistung war kaum zu messen"

Solar Millennium: Utz Claassen: "Seine Leistung war kaum zu messen"

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Der ehemalige Vorstandschef von Solar Millennium, Utz Claassen

Utz Claassen sollte der neue Star bei Solar Millennium werden. Deshalb bekam er einen hohen Antrittsbonus. Doch nach nicht einmal drei Monaten war Claassen wieder verschwunden und das Geld auch. Jetzt droht ihm eine Klage: Die Solarfirma will ihr Geld zurück.

DÜSSELDORF. Er wollte so gern Vorbild sein. Utz Claassen saß in zahllosen Talk-Shows, um seine Ansichten über Anstand und Moral in die Welt zu verbreiten. Er hat Bücher geschrieben, um das Land aufzurütteln. In seinem aktuellen Werk "Wir Geisterfahrer" scheut er auch vor einem heiklen Thema nicht zurück - der Gier der Manager. Claassen: "Wer missbräuchlich die Potenziale von Anreizsystemen ausschöpft, wissend, dass das zum Schaden des Unternehmens ist, das er vertritt, der ist gierig."

Sein eigener ehemaliger Arbeitgeber, Solar Millennium, wirft Claassen heute genau das vor. Der Hintergrund: Solar Millennium bezahlte für den Antritt von Claassen mehr als neun Millionen Euro. Gemeinsam hatte man für die nächsten fünf Jahre große Ziele. Doch nach nicht einmal drei Monaten war Claassen wieder verschwunden und das Geld auch. Nun werden Richter zu klären haben, ob Claassen rechtens gehandelt hat, wie er glaubt. Oder ob das Geld ihm gar nicht zusteht, wie die Firma meint.

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Zahlung vor Leistung

Hannes Kuhn, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Solar Millennium, wirkt noch immer ein bisschen verstört, wenn er über die Sache spricht. Zu schnell kam der Wechsel von der Jubelfeier zum Abschied, zu groß ist die Kluft zwischen dem Manager, den er als Heilsbringer holte, und dem Mann, den er nun verklagen will.

Fünf Jahre sollte Claassen bei Solar Millennium bleiben. Nach 74 Tagen war er wieder verschwunden. Kuhn sitzen die eigenen Aktionäre im Nacken, die den Geldabfluss als schmerzhaft empfinden. Claassens Bonus führte bei Solar Millennium bereits zu einer Gewinnwarnung. Nun will das Unternehmen den Ex-Chef auf neun Millionen Euro Schadenersatz verklagen.

Der Vorgang ist auch für Aktionäre von hohem Interesse. Wie konnte der Aufsichtsrat eine Millionengage zahlen, noch bevor die entsprechende Managementleistung erbracht worden war? "Natürlich schreit dieser Vorgang nach einer Sonderprüfung und auch nach mehr", sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Eventuell wären sogar strafrechtliche Ansprüche gegen den Aufsichtsrat zu klären. In jedem Fall ist fraglich, ob das Kontrollgremium seiner Vermögensbetreuungspflicht ordnungsgemäß nachgekommen ist."

Ein Mann mit einem gewissen Weitblick

Kaum ein Jahr ist es her, dass Kuhn als Aufsichtsrat der Solar Millennium AG erstmals Kontakt mit Utz Claassen suchte. "Der ist mir schon aufgefallen, als er vor vier Jahren als EnBW-Chef mal davon sprach, man müsse Strom in der Wüste produzieren", sagt Kuhn. "Da dachte ich mir: Das ist ein Mann mit einem gewissen Weitblick; der könnte für uns interessant sein."

Zu Kuhns Überraschung war Claassen gesprächsbereit. Neun Mal treffen sich die beiden zwischen September und Dezember 2009. Der ehemalige EnBW-Chef, der inzwischen für den Finanzinvestor Cerberus arbeitet, signalisiert allergrößtes Interesse an dem Mittelständler. Jedes Gespräch dauert Stunden, dazwischen liegen zahllose Telefonate. Immer geht es darum, Solar Millennium zu einem großen Spieler zu machen.

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