Solarkraftwerke: Ergebnisse der Sonderprüfung bei Solar Millennium

Solarkraftwerke: Ergebnisse der Sonderprüfung bei Solar Millennium

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Die Andasol-Kraftwerke in Südspanien wurden von Solar Millennium entwickelt

Die Erlanger Solar Millennium hatte nach Zweifeln an ihren Bilanzierungspraktiken eine Sonderprüfung beantragt. Nun liegen die Ergebnisse vor und Solar Millennium gibt Entwarnung. Doch tatsächlich bestätigen die Prüfer einen Vorwurf, den die WirtschaftsWoche erhoben hatte.

Mehrfach hatte die Erlanger Solar Millennium  die Ergebnisse einer Sonderprüfung angekündigt und die Bekanntgabe dann erneut verschoben. Nun ist es soweit, die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte liegen vor. Solar Millennium selbst sieht Grund zur Entwarnung: "Deloitte hat bestätigt, dass die bilanzielle Abbildung der Sachverhalte mit einer Ausnahme IFRS-konform war", teilte das Unternehmen mit. "Mit diesem Ergebnis der Sonderprüfung sind die Zweifel und die immer wieder aufkommenden Fragestellungen zur Bilanzierung und Konsolidierung in den früheren Geschäftsjahren ausgeräumt", sagte Vorstandssprecher Thomas Mayer. Das Gutachten selbst wurde nicht veröffentlicht. Die Prüfer von Deloitte hatten die Bilanzierung der vergangenen fünf Geschäftsjahre untersucht. Tatsächlich widerlegen die Ergebnisse aber nicht alle Vorwürfe, sondern bestätigen einen wesentlichen Vorwurf der WirtschaftsWoche, den diese in einem Artikel vom 18. Januar 2010 erhoben hatte.

So hatte eine Solar-Millennium-Tochter, Solar Millennium Beteiligungen GmbH, im Geschäftsjahr 2005/2006 einen Anteil von 50 Prozent am - noch nicht gebauten - spanischen Kraftwerk Andasol 3 verkauft, für geschätzt sieben Millionen Euro. Solar Millennium wertete diesen Verkauf wie einen Verkauf an ein konzernfremdes Unternehmen. Der Hauptgrund war, dass Solar Millennium vorgab, Ende 2006 sei eine Tochter des US-Konzerns General Electric bei Solar Millennium Beteiligungen eingestiegen. Angeblich hatte die GE-Tochter 80 Prozent an der Solar-Millennium-Tochter übernommen. Wäre das so gewesen, hätte der Verkauf an die Tochter vermutlich wie ein Verkauf an ein fremdes Unternehmen behandelt werden dürfen. Wie die WirtschaftsWoche im Januar aufdeckte, war diese GE-Tochter tatsächlich jedoch nie bei der Solar-Millennium-Tochter eingestiegen, sondern hatte nur eine Anwartschaft auf die Solar Millennium Beteiligungen erworben. Letztlich hatte sich GE Energy Financial Services gegen den Einstieg entschieden. Darüber hatte Solar Millennium seine Anleger vor Erscheinen des WirtschaftsWoche-Artikels im Januar 2010 nie aufgeklärt.

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Falsche Unternehmensmeldung

Nun räumte Solar Millennium ein, dass die bilanzielle Behandlung damals nicht den gültigen Regeln entsprach und dies nun korrigiert werden müsse. "Die Veräußerung von 50 Prozent der Anteile an der Projektgesellschaft von Andasol 3 im Rahmen der Entkonsolidierung der Solar Millennium Beteiligungen GmbH hätte nicht im Konzernabschluss 2005/2006 erfasst werden dürfen, sondern im Konzernabschluss 2008/2009 gezeigt werden müssen", heißt es in der aktuellen Unternehmensmitteilung. Bislang lag der vom Unternehmen vermeldete Umsatz im Geschäftsjahr 2005/2006 bei 17,8 Millionen Euro, im Jahr 2008/2009 bei 201,3 Millionen Euro. In das Geschäftsjahr 2008/2009 fällt der Verkauf nun, da Solar Millennium im Juli 2009 über eine Tochter 74 Prozent der Andasol-3-Anteile tatsächlich an externe Unternehmen verkauft hatte - die Stadtwerke München, RheinEnergie und RWE Innogy. Solar Millennium teilte der WirtschaftsWoche auf Anfrage mit, dass es nicht geplant sei, die alten Jahresabschlüsse zu korrigieren. Die korrigierten Werte würden nur künftig verwendet, wenn auf die entsprechenden Kennzahlen verwiesen würde.

Eine weitere falsche Unternehmensmeldung aus der jüngeren Vergangenheit spielte bei der Sonderprüfung keine Rolle. Allerdings hat sich diese Unternehmensmeldung bislang - auch im Nachhinein - wohl noch nicht erfüllt. Im November 2009 hatte Solar Millennium vermeldet, 50 Prozent der Anteile am geplanten spanischen Kraftwerk Ibersol an den Essener Industriedienstleister Ferrostaal verkauft zu haben. "Die Veräußerungen standen unter Gremienvorbehalt und unterlagen aufschiebenden Bedingungen, die erst gestern Abend eingetreten sind", hieß es in der Mitteilung vom 18. November 2009. Ein Sprecher von Ferrostaal bestätigte im Februar 2010 gegenüber der WirtschaftsWoche zwar, dass das Unternehmen einen Kaufvertrag mit Solar Millennium unterzeichnet habe. Dieser sei jedoch bislang nicht wirksam geworden. Er fügte damals hinzu, dass Ferrostaal davon ausgehe, dass der Kaufvertrag "in den nächsten Tagen wirksam werde".

Aktuell - und damit knapp vier Monate später - ist der Kaufvertrag allerdings nach Auskunft eines Ferrostaal-Sprechers immer noch nicht wirksam geworden. Eine erneute Korrektur von Jahresabschlüssen droht Solar Millennium in diesem Fall jedoch nicht, da der Verkauf an Ferrostaal noch nicht im Geschäftsabschluss 2008/2009 berücksichtigt worden ist. Da die Solar-Millennium-Aktie nur im wenig regulierten Freiverkehr der Börse notiert ist, haftet das Unternehmen nicht für falsche Unternehmensmeldungen. Auch die als Bilanzpolizei bekannte Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) ist für im Freiverkehr notierte Unternehmen nicht zuständig.

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