Solarkraftwerke: Streit um Solar Millennium

Solarkraftwerke: Streit um Solar Millennium

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Spanien, La Calahorra: Europas erste solarthermische Kraftwerke mit Parabolrinnentechnologie, Andasol 1, (hinten) und Andasol 2, produzieren zweimal 50 Megawatt elektrische Leistung, und sind Vorbild für das Megaprojekt Desertec. Die Technik stammt von Solar Millennium AG, Siemens, Flagsol und Schott

von Niklas Hoyer

Der Abtritt von Solar-Millennium-Chef Utz Claassen kam überraschend. Nun streiten Unternehmen und Ex-Chef Claassen um widersprüchliche Fakten, Hintergründe und Aussagen. Das verschärft die Probleme des Unternehmens noch.

Wer in diesen Tagen einen Blick auf die Unternehmenswebsite von Solar Millennium wirft, der bekommt einen guten Eindruck davon, was das Unternehmen umtreibt: Stellungnahme zu einem Zeitungsinterview, Klarstellung zu Presseberichten, Ankündigung der externen Überprüfung der Bilanzierungspraxis. Es geht in Erlangen kaum noch um das eigentliche Geschäft, die Planung, Entwicklung und Umsetzung von solarthermischen Kraftwerken, sondern um Widersprüche, Streit und Andeutungen. Karsten von Blumenthal, Analyst von SES Research, sieht in den seiner Meinung nach "anhaltenden Medienkampagnen" ein Risiko für das Unternehmen. Aufgebrachte Kleinanleger wittern Attacken von Leerverkäufern und vermuten hinter dem plötzlichem Ausscheiden von Kurzzeit-Chef Claassen mächtige Interessensgruppen, die Solar Millennium schaden wollten -  im Zweifel die Atomlobby.

Jenseits aller Verschwörungstheorien: Nichts hat Solar Millennium derzeit so nötig wie Vertrauen. Allein bis Jahresende braucht Solar Millennium für seine verschiedenen Projekte geschätzt 315 Millionen Euro. Eine neue Tochter, Solar Millennium Invest, soll Geld bei Anlegern einwerben. An ihr ist der bekennende Fliegenträger und TV-bekannte Banken-Professor Wolfgang Gerke mit 45 Prozent beteiligt. Gerkes Popularität soll Solar Millennium in der Krise helfen. Doch gegenüber  der WirtschaftsWoche (Ausgabe 14/2010, vom 3. April an am Kiosk) zeigt sich Gerke nicht allzu optimistisch. "Wir brauchen große, seriöse Investoren", sagt er. Nach einer Pause schiebt er nach: "Das wird schwierig."

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Am 15. März legte der frühere EnBW-Chef Utz Claassen überraschend sein Amt nieder - nach gerade einmal 74 Tagen als Vorstandsvorsitzender von Solar Millennium. Erst gab es Gerüchte, Claassen sei aus privaten Gründen gegangen. Doch die entkräftete sein Anwalt wenig später in der WirtschaftsWoche: Claassen habe das Unternehmen wegen unterschiedlicher Standpunkte zur Unternehmenspolitik verlassen. Dazu sei ihm ein nachträgliches Rücktrittsrecht eingeräumt worden. Damit rückten an der Börse frühere Berichte in den Fokus, in denen die WirtschaftsWoche kreative Bilanzierungsmethoden, absehbare Finanzprobleme und merkwürdige Geschäftsbeziehungen von Personen aus dem Umfeld des Unternehmens aufgedeckt hatte. Solar Millennium hatte diese Berichte stets zurückgewiesen: Alle Sachverhalte seien korrekt bilanziert worden, Finanzprobleme gebe es nicht.

"Keiner, der beim ersten Gegenwind umfällt"

In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" wandte sich Claassen am vergangenen Montag nun gegen seinen Ex-Arbeitgeber. Er habe bislang "einzig und allein im Interesse des  Unternehmens darauf verzichtet“, die Gründe seines Rücktritts offenzulegen. Zwar habe er keine „Erkenntnisse über eventuelle Falschbilanzierungen“ und auch keine „Erkenntnisse oder gesicherte Anhaltspunkte über strafbare Handlungen“. Er fügte aber hinzu, dass er generell zwischen „strafbar, rechtswidrig und fragwürdig“ unterscheide. Ein 27-seitiges Dossier habe er zu den Gründen seines Ausscheidens erstellt. Diese Gründe will Claassen öffentlich nennen – sofern Solar Millennium dies erlaubt. Doch das Unternehmen will sein Dossier erst mal von einem Prüfer begutachten lassen. Nach der Berichterstattung der WirtschaftsWoche hatte Solar Millennium bereits Wirtschaftsprüfer von Deloitte mit einer Sonderprüfung der Abschlüsse seit dem Geschäftsjahr 2004/05 beauftragt.

Wolfgang Gerke macht all das seine Aufgabe nicht leichter. Ans Aufgeben denkt er angeblich aber nicht. "Ich bin keiner, der beim ersten Gegenwind umfällt."  Und SES-Analyst Karsten von Blumenthal erneuert - trotz aller neuen Informationen - seine Kauf-Empfehlung für Solar Millennium. Das Kursziel reduzierte er von 48 auf 33 Euro, immer noch ein deutliches Kurspotenzial beim aktuellen Aktienkurs von knapp über 18 Euro. Oder im Analystendeutsch: "Das Upside liegt bei fast 100 Prozent." Die Analysten der WestLB sind skeptischer: Ihr Urteil lautet "Neutral". Das Interview mit Utz Claassen hinterlasse viele "offene Fragen". Die Unsicherheit dürfte daher anhalten, solange die Hintergründe von Claassens Abschied nicht bekannt seien. Ende Januar hatte die WestLB die Aktie noch zum Kauf mit Kursziel 40 Euro empfohlen.

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