Soziales Investment mit "Sozialbörsen": Wie die Marktwirtschaft beim Spendensammeln hilft

Soziales Investment mit "Sozialbörsen": Wie die Marktwirtschaft beim Spendensammeln hilft

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Sozialbörsen bieten möglichen Spendern viele kleine Projekte und Unternehmen in Entwicklungsländern zur "sozialen Investition" an

Die Marktwirtschaft hält Einzug ins Spendenwesen: Sogenannte Sozialbörsen bieten Spendern viele kleine Projekte und Unternehmen in Entwicklungsländern zur "sozialen Investition" an. Sie bieten Transparenz und Übersicht, wie sie sonst nur an Finanzmärkten üblich sind.

Anstatt pauschal Geld an eine Hilfs- und Entwicklungsorganisation zu spenden, kann der soziale Investor an den neuen "Spendenmarktplätzen" entscheiden, wem genau er helfen will.

Sollen beispielsweise Jugendliche in Kenia Lehrgänge in Textilgestaltung und Betriebswirtschaftslehre erhalten, um danach ihre eigenen Kleinunternehmen aufmachen zu können?

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Oder ist das Geld in den Händen des 21-jährigen Elias besser aufgehoben, der in einer der ärmsten Gegenden Brasiliens eine kleine Waschmittelfabrik betreibt – und mit neuen Maschinen mehr Menschen mit Arbeit und Einkommen versorgen könnte?

Wer lieber 50 Frauen in Sri Lanka ihr Geschäft zur Weiterverarbeitung von frischem Fisch ermöglichen will, kann auch das gezielt und mit einem Betrag seiner Wahl tun – denn alle drei Projekte werden an einer  so genannten Sozialbörse gehandelt.

Egal ob beim „Social and Environmental Stock Exchange“ (BVS&A) in Brasilien, beim "South Africa Social Investment Exchange" (SASIX), bei "Give India" oder beim gerade gestarteten "Human Development Stock Exchange" (HDSX) der Vereinten Nationen -  das Prinzip der Sozialbörsen ist dabei überall das gleiche: Auf ihren Internetseiten bieten die Börsen eine Auswahl bis ins Detail geprüfter sozialer Initiativen an, zu deren Finanzierung Spender beitragen können.

Neuer Schritt im Spendenwesen

„Die sozialen Börsen stellen einen neuen Schritt im Spendenwesen dar“, sagt Tamzin Ratcliffe von SASIX aus Südafrika. „Spender müssen sich genauer überlegen, wem sie ihr Geld geben. Im Gegenzug können sie konkrete Resultate einfordern.“

Schon vor der "sozialen Investition" erfährt der Geber, wofür sein Geld verwendet werden würde  – danach wird er über die Erfolge, die Dank seiner Spende möglich waren, auf dem Laufenden gehalten. Wer schon einmal Geld gespendet hat, weiß, dass im Normalfall höchstens ein Dankesschreiben vom Empfänger zurück kommt.

„Wir picken uns eben das Beste aus dem Kapitalismus heraus: Transparenz, Überwachung und Regulierung“, sagt der Brasilianer Celso Grecco, der nach einer Karriere als Marketingexperte im Jahr 2003 die erste Sozialbörse ins Leben rief. „Gleichzeitig beseitigen wir die schlechteste Seite des Kapitalismus: die Gier nach kurzfristiger finanzieller Rendite.“

Denn Gewinn wird bei Sozialbörsen nicht finanziell gemessen, sondern gesellschaftlich: Wie konnte das Leben der Menschen durch die Spende verbessert werden? Können die Unternehmen aus eigener Kraft weiterbestehen? Wird die Umwelt durch das finanzierte Projekt nachhaltig geschützt? Ist Armut verringert worden?

Der soziale Investor wird – anders als am Aktienmarkt – allerdings nicht zum Teilhaber der Organisationen und hat dementsprechend dort auch kein Mitspracherecht. In vielerlei Hinsicht ähneln die Sozialbörsen dennoch den Finanzmärkten.

So müssen Projekte, die gelistet werden wollen, strenge Prüfungen über sich ergehen lassen. Ein Team von Experten nimmt die finanzielle Planung, das Konzept und das Personal genau unter die Lupe. Nur seriöse Projekte mit guten Erfolgsaussichten werden danach in die Sozialbörsen aufgenommen – in Brasilien beispielsweise sind das gerade einmal 10 Prozent der Antragssteller. Doch für diese lohnt sich der Aufwand, da neues Kapital für gemeinnützige Organisationen bisher sehr kostspielig ist.

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