100 Prozent Grupp: Warum Alice Schwarzer trotz Steuerhinterziehung Vorbild bleibt

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kolumne100 Prozent Grupp: Warum Alice Schwarzer trotz Steuerhinterziehung Vorbild bleibt

Kolumne von Wolfgang Grupp

Die Steuervergehen der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und vieler anderer sind zwar nicht zu rechtfertigen, aber sie haben dem Gemeinwesen viel weniger geschadet als manche Unternehmer und Manager.


Alice Schwarzer ist ein weiterer Fall in einer langen Kette von Personen, die auf ihrem Feld moralische Instanzen und Vorbilder waren, nun aber durch Steuerhinterziehung ins Zwielicht geraten sind.

Zuvor waren es beispielsweise der Unternehmer Reinhold Würth, der 2008 zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, der ehemalige „Zeit“-Herausgeber, Theo Sommer, der ebenfalls auf Bewährung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder der Präsident des 1. FC Bayern München, Uli Hoeneß, der sich am 10. März in einem Strafprozess wegen Steuerhinterziehung stellen muss. So sehr sich solche Verhaltensweisen nicht gehören, sie bedürfen aber einer Relativierung, damit uns nicht die Maßstäbe abhanden kommen.

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Vergleichen wir doch einmal den Schaden durch Steuerhinterziehung mit dem Nutzen, den die Genannten für Deutschland erbracht haben. Der Unternehmer Würth hat mit seinem Montagezubehör-Handel einen Milliardenkonzern aufgebaut, unterhält tausende von Arbeitsplätzen und zahlt jährlich zig Millionen an Steuern. Herr Hoeneß hat mit dem FC Bayern München ebenfalls Großes geschaffen, und der Verein selbst und viele damit verbundene Unternehmen zahlen durch die Leistung von FC Bayern München ebenfalls Millionen von Steuern.

Trotz Selbstanzeige Schwere Steuerhinterziehung soll nicht mehr straffrei bleiben

Steuerhinterzieher sollen nach Vorschlägen aus der SPD in schweren Fällen auch bei einer Selbstanzeige nicht mehr um eine Strafe herumkommen. Anlass für die Debatte ist der Fall des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß.

Steuerhinterzieher sollen nach Vorschlägen aus der SPD in schweren Fällen auch bei einer Selbstanzeige nicht mehr um eine Strafe herumkommen. Anlass für die Debatte ist der Fall des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Quelle: dapd

Auch wenn Alice Schwarzer sagt, sie hätte in den 1980er Jahren Geld in die Schweiz geschafft, weil sie die dauernden Angriffe auf sie als Frauenrechtlerin fürchtete und Angst hatte sie nicht mehr aushalten zu können und deshalb Deutschland verlassen zu müssen, dann kann das für sie ein Grund für ihr Schweizer Konto gewesen sein. Sicher aber keine Rechtfertigung. Richtig ist, dass ein Konto in der Schweiz zu dieser Zeit und auch schon viel früher bei Gutverdienern fast Gang und Gebe war. Als ich in den 1950er Jahren im Internat war, hatten die Väter vieler Mitschüler ein Konto in der Schweiz. Es ging aber denen nicht so sehr um Steuerreduzierung, sondern vor allem darum, dass sie Angst hatten, die Russen könnten eines Tages Deutschland überfallen. Und da wollten sie eine Sicherheit in der neutralen Schweiz haben.

Deshalb wehre ich mich, solche Personen wegen Steuervergehen als gesellschaftliche Instanzen und Vorbilder zu demontieren. Damit wird man ihnen nicht gerecht. Die Strafen, die das Gesetzt vorsieht sind hoch und damit genug. Ihre Lebensleistung darf aber dadurch nicht gemindert oder vollkommen unerwähnt gelassen werden.

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