Abschaffung von Münzen und Scheinen: Rettet das Bargeld!

ThemaRecht

KommentarAbschaffung von Münzen und Scheinen: Rettet das Bargeld!

Bild vergrößern

Jemand nimmt eine Ein-Euro-Münze aus dem Portemonnaie.

von Malte Fischer

Einige Ökonomen fordern die Abschaffung des Bargelds und werben mit der Erschwerung von Schwarzarbeit und kriminellem Handel. Doch das ist ein Angriff auf die Freiheit und das Privateigentum.

Haben Sie schon einmal versucht, Ihre Brötchen beim Bäcker hierzulande mit der Kreditkarte zu bezahlen? Wenn ja, dürfte das Unterfangen wohl kläglich gescheitert oder mit hörbaren Unmutsbekundungen des Verkäufers quittiert worden sein. Denn Deutschland ist Bargeldland. 78 Prozent aller wirtschaftlichen Transaktionen werden hierzulande mit Scheinen und Münzen abgewickelt. Bezogen auf den Wert der Käufe kommt das Bargeld auf einen Anteil von 53 Prozent.

Anders sieht es in den USA und den skandinavischen Ländern aus. In Amerika gehört es zum Alltag, seinen Kaffee bei Starbucks mit der Kreditkarte zu bezahlen. Gleiches gilt für Skandinavien, wo nur noch 25 Prozent aller Zahlungen im Einzelhandel mit Bargeld abgewickelt werden. Die zunehmende Nutzung der Kreditkarten oder anderer bargeldloser Zahlungsmittel beruht in diesen Ländern auf den freiwilligen Entscheidungen der Konsumenten.

Anzeige

Wo die Deutschen gerne mit dem Smartphone zahlen würden

  • An Tankstellen

    33 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um an Tankstellen zu bezahlen.

  • Im Öffentlichen Personennahverkehr

    33 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um im Öffentlichen Personennahverkehr zu bezahlen.

  • In Supermärkten und Drogerien

    30 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um in Supermärkten und Drogerien zu bezahlen.

  • In lokalen Geschäften

    29 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um in lokalen Geschäften wie Elektronik- oder Modehändlern zu bezahlen.

  • In der Gastronomie

    29 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um in der Gastronomie zu bezahlen.

  • In Online-Shops

    27 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um in Online-Shops zu bezahlen.

  • Im Taxi

    25 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um im Taxi zu bezahlen.

  • Bei Rechnungszahlungen

    23 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne für Rechnungszahlungen nutzen.

  • An Kiosken

    15 Prozent der befragten Personen würden ihr Smartphone gerne nutzen, um an Kiosken zu bezahlen.

  • Methodik

    Auswahl der Interviews: 1002 Interviews in Deutschland

    Grundgesamtheit: Personen in Privathaushalten in Deutschland ab 14 Jahren

    Erhebungsmethode: Befragungen durchgeführt als Telefoninterviews

    Herausgeber: Yapital Financial AG

Offenbar empfinden viele Menschen es als bequemer, mit der Kreditkarte oder dem Smartphone zu zahlen als ein schweres, mit Münzen vollgestopftes Portemonnaie mit sich herum zu tragen. Dagegen ist nichts einzuwenden – solange ihnen die Option offensteht, jederzeit auf Bargeld zurückzugreifen.

Elektronische Abwicklung gefordert

Doch nun haben einige Ökonomen dem Bargeld den Kampf angesagt. Schon seit längerem fordern die Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff und Larry Summers (seines Zeichens früherer US-Finanzminister), Bargeld aus dem Verkehr zu ziehen und alle Zahlungen elektronisch abzuwickeln.

In Deutschland schlägt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in die gleiche Kerbe. Münzen und Scheine seien ein Anachronismus, so Bofinger. Sie erschwerten den Zahlungsverkehr,  verursachten hohen Aufwand und kosteten viel Zeit, vor allem dann, wenn die Menschen an der Kasse lange in ihren Portemonnaies wühlten, um die passenden Münzen hervorzukramen.

Harvard-Ökonom Rogoff „Große Geldscheine abschaffen“

Im Handelsblatt-Interview spricht sich Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff für ein Ende großer Geldscheine aus. Auch andere Experten halten nichts von Cash - es befeuere die Schattenwirtschaft. Doch das EU-Recht steht dagegen.

Geldscheine Quelle: dpa

Vor allem aber könne ein Bargeldverbot dabei helfen, der Schwarzarbeit den Garaus zu machen und die Märkte für kriminelle Geschäfte wie Drogen- und Waffenhandel auszutrocknen. Dazu komme, dass die Zentralbanken in einer bargeldlosen Welt leichter Negativzinsen durchsetzen könnten, da die Bürger ihnen nicht mehr durch Bargeldhaltung ausweichen können.

Angesichts dieses etatistischen Eiferertums kann jedem freiheitsliebenden Menschen nur der Atem stocken. Was Rogoff, Bofinger und Co. fordern, ist nicht weniger als die Installation eines konfiskatorischen Überwachungsstaats. Nicht umsonst genießt das Bargeld den Ruf, „geprägte Freiheit“ zu sein.

Kein Staat, kein Unternehmen, kein Geheimdienst kann nachvollzuziehen, wer wann welche Zahlungen in welcher Höhe für welche Dinge getätigt hat. Und das ist auch gut so! Jedermann hat das Recht auf die Freiheit, sein Geld für die Dinge seiner Wahl auszugeben, solange er dadurch nicht die Freiheit anderer Menschen beeinträchtigt.

Anzeige

29 Kommentare zu Abschaffung von Münzen und Scheinen: Rettet das Bargeld!

  • Bail-In's für Bankenkunden, Bankenunion, Kapitalverkehrskontrollen, Negativzinsen, Rettungsschirme, Einheitswährungen, QE der Notenbanken, nunmehr soll die Abschaffung des Bargeldes den ökonomischen Durchbruch bringen.

    Elektronische Vollerfassung und Kontrolle, automatisierte Bail-In's per Knopfdruck, der Zugriff auf die Freiheit, das Vermögen und die Bewegungsfreiheit der Bürger kennt offenbar keine Grenzen mehr.

    Elektronische Zahlungsmittel erfordern Software, Hardware, erfordern Wartung und Update's, Datenschutzproblematiken, Hackerangriffe, Manipulationen durch unbefugte Dritte, diese Risiken, Aufwendungen und Folgen dürften sicherlich eher für das Bargeld sprechen.

    Bargeld ist gedruckte Freiheit, zu jeder Zeit und an jedem Ort und für jeden Zweck. Sofern es sich nicht um eine kontrollierte Binnenwährung oder eine aufgezwungene Einheitswährung handelt.

    Wer erinnert sich nicht an unsere schöne DM? Mit dieser konnte man im Urlaub in den Schwachwährungsländern gut bezahlen, manchmal bekam man auch einen großen Bündel des Club-Med-Geldes zum sofortigen Ausgeben.

    Nur noch E-Cash ist eine weitere Variante zur Erhaltung des ungeliebten Einheitsgeldes. E-Cash gleich Geldcrash.

  • Ausgezeichneter Beitrag Herr Fischer.

    Die freie Entscheidung welche Zahlungmittel man verwendet, ist das
    Verfassungmäßige Recht der Bürger.
    Dieses Recht auf freie Entfaltung will Herr Bofinger nun den Bürgern
    entziehen, und uns nötigen vorgegebe Zahlungmittel zu nutzen.

    Herr Bofinger verbreitet Verfassungswidriges Gedankengut, was eine
    Straftat darstellt. Und dieser Mann arbeitet weiter für den Staat ?

    Und wird dabei mit Steuergeldern bezahlt. Dieser Mann ist sofort aus
    dem Dienst zu befördern.

    Übrigens das bargeldlose Zahlen an den Kassen habe ich nachgemessen
    in der Regel doppelt so lange, wie mit Bargeld.

    Ob Banken/Sparkassen in dieser Anzahl entgeltfreie Buchungen garantiert??
    Dienstleistungen müssen auch bezahlt werden.
    Alles auf Kosten der Bürger??????????

  • Herr Fischer hat mit diesem Artikel erschöpfend das gesagt, was zum Unsinn der anvisierten Bargeldabschaffung zu sagen ist.

    In Schweden und Dänemark versuchen es die Bargeldgegner noch einem weiten "Argument", nämlich der Gesundheitsgefährdung durch angelblich unhygienisches Bargeld.

    Ich warte auf den Bargeldaufdruck "Achtung, diese Note könnte mit Bazillen belegt sein, schützten sie Ihre Gesundheit"

    Den Feinden des Bargelds, deren Kampagne erst so richtig losgeht, ist alles, aber auch wirklich alles zuzutrauen. "g"

Alle Kommentare lesen
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%