Anleger gegen Banker: Aktionäre fordern Schadensersatz

Anleger gegen Banker: Aktionäre fordern Schadensersatz

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Stefan Jentzsch, bis Mitte 2008 oberster Investmentbanker der Dresdner Bank, erhielt trotz hoher Verluste im Investmentbanking acht Millionen Euro Abfindung

Aufgebrachte Aktionäre wollen in den kommenden Wochen Schadensersatz von Bankern einfordern, die trotz schwerer Versäumnisse Millionen kassiert haben. Müssen Manager bald reihenweise für ihre Fehler zahlen?

Jetzt also auch die HSH Nordbank. Die taumelnde Landesbank muss mit Staatsbürgschaften und einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro gerettet werden – und reiht sich damit in die Riege der Banken ein, die am Tropf des Steuerzahlers hängen. Das Rettungspaket, so heißt es, bringe die Haushalte der Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

Es sind Nachrichten wie diese, die das wahre Ausmaß des Desasters schrittweise ans Licht bringen und damit die Wut auf Deutschlands Banker weiter wachsen lassen. Weil sie einen Trümmerhaufen hinterlassen, aber ihre Schäfchen im Trockenen haben; weil sie trotz Milliardenverlusten Millionengehälter kassieren – zulasten von Steuerzahlern und Aktionären. Auch Aufsichtsräte stehen massiv in der Kritik, weil sie allzu oft tatenlos zugesehen haben .

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Aktionäre organisieren Klagewelle

In den nächsten Wochen dürfte es für die Gescholtenen noch ungemütlicher werden: Aktionärsgruppen wollen auf den bevorstehenden Hauptversammlungen mit Vorständen und Aufsichtsräten abrechnen – und nach Informationen der WirtschaftsWoche zudem Schadensersatzklagen initiieren. Die Zeit der Verbalattacken ist damit vorbei, jetzt soll es ans Eingemachte gehen: ans Privatvermögen. Zugleich arbeitet die schwarz-rote Koalition an Gehaltsgrenzen und schärferen Haftungsregeln für Manager. Aber noch gilt: Wer Vorstände oder Aufsichtsräte zur Kasse bitten will, muss hohe juristische Hürden überwinden. Wie wahrscheinlich ist es, dass Banker tatsächlich bald Millionen zurückzahlen müssen?

Aktienrechtler sind überzeugt, dass sich zahlreiche Manager durch hochriskante Geschäfte im Vorfeld der Finanzkrise schadensersatzpflichtig gemacht haben. Mit Investments auf dem US-Hypothekenmarkt seien Banker „auf Basis unzureichender Informationen weit überzogene Risiken“ eingegangen, sagt der Bonner Universitätsprofessor Marcus Lutter. „Dafür haften die damaligen Vorstands-, Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsmitglieder.“

Allerdings gibt es ein Problem: Klagen gegen Vorstände müsste der Aufsichtsrat einreichen – und der steht oft selbst in der Kritik, schließlich haben auch die Kontrolleure in der Krise versagt. Für Klagen gegen den Aufsichtsrat wiederum ist der Vorstand zuständig – und der wird sich raushalten, solange das Kontrollgremium ebenfalls stillhält. Somit kommt es häufig zu einem informellen Waffenstillstand.

Sonderprüfungen beantragen

Aktionäre müssen das aber nicht hinnehmen. „Sie können auf den anstehenden Hauptversammlungen eine Sonderprüfung beantragen“, erklärt Lutter. Der Sonderprüfer hätte dann das Recht, in der Bank zu ermitteln – und nach Abschluss der Prüfung könnten Aktionäre mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse Klage einreichen. „Das Thema Sonderprüfungen wird auf den diesjährigen Hauptversammlungen eine große Rolle spielen“, sagt der Darmstädter Aktienrechtler Uwe H. Schneider.

Einige Aktionärsgruppen arbeiten an entsprechenden Anträgen. „Wo wir Hinweise auf Pflichtverstöße haben, werden wir auf Sonderprüfungen drängen“, sagt Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings bedürfe das sorgfältiger Vorbereitung. Bei der Mittelstandsbank IKB will die DSW zudem eine weitere außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Die soll verhindern, dass die seit 2008 laufende Sonderprüfung abgebrochen wird. Genau das plant der neue IKB-Großaktionär, Finanzinvestor Lone Star.

Auch die Vereinigung institutionelle Privatanleger (VIP) wirbt derzeit um Unterstützung für Sonderprüfungsanträge. „Wir führen Gespräche mit institutionellen Investoren“, sagt VIP-Chef Hans-Martin Buhlmann. Gerade Fondsgesellschaften haben sich mit Klagen gegen Banken bisher zurückgehalten – zum Beispiel, weil sie zum selben Konzern gehören wie das betroffene Institut oder weil die Chefs ihrer Mutterbank es nicht gern sehen, wenn Kollegen befreundeter Institute attackiert werden. „Institutionelle Anleger müssen endlich wach werden und ihre Aufgaben wahrnehmen“, fordert Buhlmann.

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