Anlegerklagen: Strenge US-Regeln nutzen

Anlegerklagen: Strenge US-Regeln nutzen

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Energiemulti Royal Dutch Shell treibt das Geschäft mit verflüssigtem Gas (GTL) voran.

Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell muss geschädigten Aktionären im Rahmen eines Vergleichs mit der US-Börsenaufsicht SEC 120 Millionen Dollar (rund 77 Millionen Euro) zahlen.

Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell muss geschädigten Aktionären im Rahmen eines Vergleichs mit der US-Börsenaufsicht SEC 120 Millionen Dollar (rund 77 Millionen Euro) zahlen. Auch betroffene deutsche Anleger können bis zum 18. November Ansprüche geltend machen, indem sie im Internet (www.ShellSECSettlement.com) ein 17-seitiges Formular herunterladen, ausfüllen und an die darin angegebene Adresse schicken. Anspruchsberechtigt sind Anleger, die zwischen dem 8. April 1999 und dem 17. März 2004 Aktien von Royal Dutch Petroleum oder The Shell Transport and Trading Company gekauft haben. Die Unternehmensteile wurden 2005 zu Royal Dutch Shell zusammengelegt.

Die SEC wirft dem Unternehmen vor, hohe Ölreserven vorgetäuscht und Investoren somit zu einem überteuerten Kauf der Aktie verleitet zu haben. Shell hatte Anfang 2004 einen Skandal ausgelöst, weil der Konzern die in der Bilanz erfassten Reserven binnen drei Monaten in zwei Schritten um rund ein Drittel reduzierte. Konzernchef Philip Watts musste daraufhin seinen Hut nehmen.

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Der Fall zeigt: In den USA haben Anleger gute Chancen auf Schadensersatz, wenn Unternehmen falsche Informationen veröffentlicht haben. Die Summe von 120 Millionen Dollar ist für einen milliardenschweren Ölmulti zwar überschaubar – aber die Kursverluste, die Anleger mit der Aktie gemacht haben, sind es auch.

Deutsche Aktionäre haben in den vergangenen Jahren oft von Prozessen in den USA profitiert, etwa nach den Skandalen bei Enron, AOL oder Ahold. In Deutschland haben es Betroffene dagegen meist schwer, weil sie in solchen Fällen beweisen müssen, dass sie wegen falscher Mitteilungen und nicht aus anderen Gründen eingestiegen sind. An dieser Hürde scheiterten gerade einige Aktionäre der Mittelstandsbank IKB vor dem Landgericht Düsseldorf, die kurz nach einer Pressemitteilung vom 20. Juli 2007 Aktien gekauft hatten. Darin hatte das Düsseldorfer Institut getönt, dass die Finanzkrise „praktisch keine Auswirkungen“ auf den Ertrag habe. Zehn Tage später musste die IKB vor der Pleite gerettet werden, die Aktie verlor mehr als 90 Prozent.

Bessere Chancen haben finanzkrisengeschädigte Aktionäre, wenn sie wie bei Royal Dutch Shell auf die US-Justiz setzen können. So ist gegen die Schweizer Bank UBS wegen ihrer riskanten Hypothekengeschäfte bereits eine US-Sammelklage angelaufen. Die Klägeranwälte streben einen Vergleich an, bei dem die UBS „deutlich mehr als eine Milliarde Euro“ zahlen soll.

Solche Sammelklagen, bei denen Anleger nicht selbst klagen müssen, sondern in Ruhe das Ergebnis abwarten und dann Ansprüche anmelden können, sind in Europa bisher die Ausnahme. So ist das 2005 eingeführte deutsche Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz weit hinter seinen hehren Zielen zurückgeblieben. Immerhin: Die EU-Kommission will im Herbst Vorschläge für eine „Europäische Sammelklage“ unterbreiten. Die Niederländer sind schon einen Schritt weiter: Sie haben 2005 gemeinsame Klagen von Anlegern erleichtert – und das offenbar mit mehr Erfolg als hierzulande. Im April 2007 schloss Shell wegen der Fehlbewertung von Ölreserven einen Vergleich mit den Teilnehmern des ersten niederländischen Sammelklageverfahrens und zahlte 263 Millionen Euro.

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